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14.09.2012

09:50 Uhr

McKinsey-Studie

LKW-Bauer schalten in der Krise hoch

VonLukas Bay

ExklusivAlle reden von der Krise. Dabei sind die Aussichten für die LKW-Hersteller besser als gedacht. Die Unternehmensberater von McKinsey prognostizieren weiteres Wachstum – nicht nur in den Schwellenländern.

Weltweit wächst der Lkw-Absatz. dpa

Weltweit wächst der Lkw-Absatz.

DüsseldorfZuletzt regierte auch bei den LKW-Herstellern die Krisenstimmung: Volvo vermeldete einen Auftragsrückgang, MAN schrumpfte der Gewinn um 38 Prozent zusammen, kaum eine Branche ist so konjunkturabhängig wie das Transportgewerbe. Doch die Zukunft der LKW-Hersteller sieht besser aus, als das aktuelle Stimmungsbild vermuten lässt. In ihrer aktuellen Studie „Forces at work“, die Handelsblatt Online exklusiv vorliegt, entwerfen die Unternehmensberater von McKinsey ihre Vision vom LKW-Markt der Zukunft - und geben einen positiven Ausblick.

Bis 2020 soll der weltweite Markt für schwere LKW von derzeit rund 125 Milliarden Euro auf über 190 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr wachsen, prognostizieren die Macher der Studie. Noch wichtiger für die Hersteller: auch der Gesamtgewinn der Lkw-Hersteller soll von 7,2 Milliarden auf geschätzte 10,5 Milliarden Euro anwachsen. Nicht nur in den Schwellenländern steigt die Nachfrage nach schweren LKW.

Die weltgrößten Lkw-Hersteller nach Absatz

Platz 10

Ashok Leyland - Indien
Mit 80.000 verkauften Lkws kommen die Inder international auf einen Marktanteil von 2,8 Prozent. Allerdings beschränkt sich das Geschäft im Wesentlichen auf den Heimatmarkt.

Platz 9

Bejing Automotive Industry - China
Der Staatskonzern landet mit 109.400 verkauften Lkws und einem Marktanteil von 3,8 Prozent ebenfalls unter den größten Herstellern der Welt. Auch hier sind die internationalen Ambitionen begrenzt.

Platz 8

Torch - China
Ein weiterer im Westen eher unbekannter Hersteller, der mit einem Lkw-Absatz von 113.200 auf einen Marktanteil von 3,9 Prozent kommt.

Platz 7

Volvo - Schweden
Beim Profit gehören die Schweden zu den absoluten Top-Marken weltweit. Bei den abgesetzten Fahrzeugen landen sie mit 125.800 verkauften Einheiten nur bei einem Marktanteil von 4,3 Prozent.

Platz 6

MAN/Scania - Deutschland/Schweden
Das neue Doppel des VW-Konzerns kommt gemeinsam auf 152.400 verkaufte Fahrzeuge und einen Marktanteil von 5,2 Prozent. Von der Spitze sind die Marken selbst gemeinsam noch weit entfernt.

Platz 5

Tata-Motors - Indien
In Europa machten die Inder vor allem mit der Übernahme von Jaguar und einem Billigauto Furore. Doch auch bei Trucks ist der Konzern vorne mit dabei. 194.900 abgesetzte Exemplare bescheren einen Marktanteil von 6,7 Prozent.

Platz 4

China Heavy National Duty Truck - China
Zu den chinesischen Spitzenreiter gehört auch dieser Staatskonzern, der 1935 gegründet wurde. Mit 199.900 verkauften Lkws erreicht der Konzern einen Marktanteil von 6,9 Prozent.

Platz 3

First Automotive Works - China
Bronze geht nach China. Der Volkswagen-Partner in der Volksrepublik setzte 2011 rund 274.300 Trucks ab und kommt damit auf einen Marktanteil von 9,5 Prozent.

Platz 2

Daimler Trucks - Deutschland
Was Umsatz und Profit angeht, kann kein anderer Lkw-Hersteller den Stuttgartern das Wasser reichen. Doch beim Absatz muss sich der Branchenprimus geschlagen geben: Mit 280.700 verkauften Lkws und einem Marktanteil von 9,7 Prozent erreicht Daimler nur Silber.

Platz 1

Dongfeng - China
Kein Hersteller verkaufte im Jahr 2011 so viele Lkws wie die Chinesen. Ein Absatz von 300.100 Fahrzeugen ist ein Marktanteil von 10,3 Prozent und damit Gold.

„Europa und die USA behalten ihre hohe Relevanz für die Hersteller“, sagt Bernd Heid, Partner bei McKinsey und Leiter der Studie. Zwar werde im Jahr 2020 nur noch knapp jeder dritte LKW in diesen Märkten abgesetzt. Doch durch die hohen Margen machen Europa und die USA zusammen weiterhin 60 Prozent des weltweiten Gesamtgewinns der Branche aus.

Allein in Europa ist die Profitabilität mit fast 7,3 Prozent derzeit dreimal so hoch wie in China mit 2,6 Prozent. Ein lukrativer Markt, der wohl weiterhin fest in der Hand westlicher Hersteller bleibt. „Den Herstellern aus den Schwellenländern fehlt derzeit noch das Know-how, um sich auf den westlichen Märkten zu etablieren“, sagt Heid. Neue Emissionsregeln wie Euro-VI erschweren den Einstieg zusätzlich. Um das hohe Preisniveau zu rechtfertigen, müssen die etablierten Hersteller in kraftstoffeffiziente Fahrzeuge investieren. Zusätzliches Wachstum sei auch durch zusätzliche Serviceangebote zu realisieren.

Schwieriger ist dagegen das Geschäft in den Schwellenländern. Die Märkte in China und Indien wachsen zwar überproportional, doch die Marge fällt durch den harten Wettbewerb mit den lokalen Herstellern geringer aus. Zusätzlich machen neue Feinstaub- und Schadstoffverordnungen zusätzliche Investitionen nötig. „Das Engagement in Schwellenmärkten ist für die Hersteller eine Investition in die Zukunft“, sagt Heid. In den Wachstumsmärkten steige künftig die Nachfrage nach höherwertigen LKW. „Race to the middle“, nennen die Unternehmensberater diese Entwicklung. Insbesondere im mittleren Segment seien die Gewinne der Zukunft zu erwarten.

Kommentare (3)

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Stula

14.09.2012, 10:23 Uhr

Und der nächste Schmulzenroman aus der Reihe: McKinsey erklärt uns die Welt.

Account gelöscht!

14.09.2012, 11:32 Uhr

Der öffentliche Busverkehr boom, bei den Spritpreisen. Haha!

Skeptiker

14.09.2012, 12:34 Uhr

Also, ich werde mit Beginn der großen Depression nicht in LKW-Bauer investieren. Habe übrigens auch nicht den Rat befolgt, griechische Staatsanleihen zu kaufen.

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