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22.09.2013

15:58 Uhr

Medienbericht

Kredite für Thyssen-Krupp werden verlängert

Gute Nachrichten für den wankenden Stahlkonzern Thyssen-Krupp. Die kreditgebenden Banken sind offenbar bereit, dem Konzern weitere Kreditlinien zur Verfügung zu stellen. Eine Kapitalerhöhung rückt damit näher.

Für Ende September drohte Thyssen-Krupp die Aufkündigung der Kreditlinie. dpa

Für Ende September drohte Thyssen-Krupp die Aufkündigung der Kreditlinie.

FrankfurtDer angeschlagene Stahlkonzern Thyssen-Krupp kann einem Bericht zufolge mit einer Verlängerung seiner Milliarden-Kreditlinie rechnen. Das Magazin „WirtschaftsWoche“ berichtete am Wochenende unter Berufung auf Finanzkreise, ein Konsortium kreditgebender Banken habe sich darauf geeinigt, Thyssen-Krupp weiter Kreditlinien über 2,5 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Die Banken hätten eigentlich die Linien per Ende September kündigen können, da die Verschuldung des Konzerns über den als Kreditbedingung festgelegten Wert gestiegen ist.

Das Magazin berichtete weiter, die geplante Kapitalerhöhung des Konzerns treffe bei Investoren auf Interesse. Thyssen-Krupp will bis zu 1,6 Milliarden Euro am Markt aufnehmen - unter anderem durch eine mit acht Prozent verzinste Hybridanleihe. Eine Thyssen-Krupp-Sprecherin wollte sich nicht dazu äußern. Bereits seit Monaten wird über eine Kapitalerhöhung spekuliert. Der Konzern will damit offenbar seine durch Verluste und hohe Schulden belastete Bilanz stärken. Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger hatte im August bei der Vorlage des Quartalsberichts gesagt: „Mit Sicherheit ist eine Kapitalerhöhung eine Option, die wir uns vorbehalten.“

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

In der Vergangenheit war mit einem solchen Schritt erst nach einem Verkauf der defizitären Stahlwerke in Brasilien und den USA gerechnet worden. Verhandlungen darüber waren jedoch immer wieder ins Stocken geraten. Die Werke haben Thyssen-Krupp Milliardenverluste eingebracht. Zudem lasten auf dem Unternehmen Schulden von fünf Milliarden Euro. Der Konzern hatte bereits eingeräumt, dass ihm per Ende September wegen hoher Schulden eine Aufkündigung von Kreditlinien droht. In Finanzkreisen wurde eine Kapitalerhöhung noch im September deshalb als Möglichkeit angesehen.

Eine Rolle bei dem Poker könnte auch die RAG-Stiftung spielen. Insidern zufolge könnte diese der Großaktionärin Krupp-Stiftung mit einem Darlehen beispringen, damit diese eine Beteiligung an einer Kapitalerhöhung stemmen könnte. Eine direkte Beteiligung der RAG-Stiftung erscheint dagegen als unwahrscheinlich. Die Krupp-Stiftung hält 25,3 Prozent der Anteile und gilt als Bollwerk gegen eine feindliche Übernahme. Beteiligt sich die Stiftung nicht an einer Kapitalerhöhung, wird ihr Anteil verwässert.

Ein Bericht des Magazins „Focus“, Hiesinger erwäge im Rahmen des Konzernumbaus auch einen Verkauf der Auto-Zuliefersparte, wurde von dem Konzern dementiert. „Das ist Unsinn“, sagte eine Sprecherin am Sonntag. „Wir wollen das Geschäft strategisch weiterentwickeln.“ Das Magazin hatte unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, der Konzern habe potenzielle Investoren um „indikative Angebote“ gebeten. Hiesinger wolle offenbar testen, welche Summe er im Fall eines Verkaufs der lukrativen Sparte erlösen könnte. Ein Unternehmen aus dem Automobilsektor hat der Konzern schon verkauft: Der Blechhersteller Tailored Blanks mit rund 950 Mitarbeitern ging im vergangenen Jahr an den chinesischen Stahlhersteller Wisco.

Von

rtr

Kommentare (4)

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kleinerAng

22.09.2013, 16:42 Uhr

Die Story wird ja immer schräger, wie wir in Österreich sagen. Bevor ich in der voestalpine angefangen habe, hab ich kurz überlegt ob ich nicht zu Thyssen gehe. *brrr*
Glück Auf

Account gelöscht!

22.09.2013, 16:56 Uhr

Wer so lange für eine wie auch immer geartete Restrukturierung benötigt, hats vergeigt, Hr. Hiesinger. Nicht mal ein gutes Konzept gibt es. Verkaufen von Teilen des Portfolios kann jeder. Aber warum soll ein anderer hinbekommen, was für TK nicht auch klappt? Das Vertrauen ist komplett weg, siehe dümpelnder Aktienkurs.
Voest ist ein absoluter Lichtblick und dafür gehören die Österreicher gelobt.

kleinerAng

22.09.2013, 18:27 Uhr

Ich glaub der macht es nicht schlecht, der kopiert die voest. zB: In der voest beschreibt der Titel schon lange die Funktion.
Leider hat Thyssen keine Medienabteilung falls sie doch eine haben, sollten die mal in google News "Thyssen" eingeben :) sowas darf nicht passieren. Facebook Seite haben die auch keine ? Wird in der TK Medienabteilung noch mit Schreibmaschinen gearbeitet? sorry kommt mir so vor. Alles was ich in letzter Zeit von Thyssen gelesen habe erinnert mich an die Zeit -in der die VOEST noch ein Staatsbetrieb war. Ich hoffe Thyssen schafft es , wir Messen uns zB: bei Autoblechen am liebsten mit Thyssen und Nippon Steel die anderen bringen es nicht auf unsere Stufe. Die Mitarbeiter vertrauen auch auf die Firma in der voest halten die Mitarbeiter 14% der Aktien wir haben aber leider keine 25% wie die Krupp Stiftung aber ich frag mich ob ein Thyssen Mitarbeiter zurzeit überhaupt Bock auf Thyssen Aktien hat :) Kann mir einer bitte erklären warum der EX Vize Kronprinz der Amerika in den Sand gesetzt hat, gefeuert wurde, heute Europa Chef von Tata Steel ist???

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