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05.09.2013

15:18 Uhr

Medienbericht

Volkswagen trieb Zulieferer zum VfL Wolfsburg

Der Autobauer Volkswagen soll Dienstleister und Lieferanten jahrelang dazu gedrängt haben, den Fußballclub VfL Wolfsburg zu sponsern. Staatsanwälte fordern einem Zeitungsbericht zufolge nun ein Bußgeld in Millionenhöhe.

Der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen, Martin Winterkorn: Der Autobauer soll Lieferanten zum Sponsoring des Fußballclubs VfL Wolfsburg gedrängt haben. dpa

Der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen, Martin Winterkorn: Der Autobauer soll Lieferanten zum Sponsoring des Fußballclubs VfL Wolfsburg gedrängt haben.

München/StuttgartDie Staatsanwaltschaft Stuttgart fordert einem Zeitungsbericht zufolge vom Autokonzern Volkswagen und dessen Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz ein Bußgeld in Millionenhöhe wegen unzulässigen Koppelgeschäften. Die Behörde habe bisher weder selbst einen Bußgeldbescheid erlassen, noch einen beim Stuttgarter Landgericht beantragt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Sie kommentierte nicht, dass es sich nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ insgesamt um einen siebenstelligen Betrag handelt. Die Staatsanwaltschaft hatte das Bußgeldverfahren im Frühjahr eingeleitet. Ein VW-Sprecher wollte sich auf Anfrage nicht äußern und verwies auf den Status des schwebenden Verfahrens.

Dem Bericht zufolge handelt es sich bei der Bußgeldforderung wegen Ordnungswidrigkeiten um einen einstelligen Millionenbetrag. Was auf Garcia Sanz und was auf seinen Arbeitgeber entfällt, sei öffentlich nicht bekannt. VW habe sich dazu nicht geäußert. Laut der „Süddeutschen Zeitung“ wirft die Staatsanwaltschaft Garcia Sanz und Volkswagen vor, sie hätten „pflichtwidrig nicht dafür Sorge getragen, dass Straftaten verhindert werden“.

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Den Angaben zufolge soll VW 2010 die Verlängerung eines Großauftrags für den IT-Dienstleister T-Systems daran gekoppelt haben, dass die Telekom-Tochter ein Millionen-Sponsoring beim VfL Wolfsburg fortsetzt. Zwei VW-Einkäufer aus dem Bereich von Garcia Sanz seien wegen Bestechlichkeit angeklagt, drei frühere Mitarbeiter und Berater von T-Systems wegen Bestechung. Die Justiz in Stuttgart ist laut der „SZ“ zuständig, weil dort eine T-Systems-Firma sitzt, die mit der Sache befasst war.

Das Landgericht Stuttgart will dem Bericht zufolge das Verfahren gegen die fünf Angeklagten gegen Geldzahlungen einstellen, wegen geringer Schuld. Darauf gebe es noch keine Reaktionen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Da die Einstellung kein Freispruch sei, könnte die Behörde in einem solchen Fall die beanstandete Ordnungswidrigkeit gegen den Konzern und den Vorstand dann automatisch geltend machen. Aus Sicht der Justiz lag das Problem eher bei den Unternehmen. T-Systems und VW hätten intern keine ausreichenden Vorkehrungen gegen eine Verknüpfung von Fußball-Sponsoring und anderen Geschäften getroffen.

Die fünf Angeklagten hatten die Vorwürfe bisher stets bestritten.

Kommentare (6)

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Gelassen

05.09.2013, 07:47 Uhr

Castrol ist Sponsor von VW Motorsport und welch Wunder die Flottentankkarten bei VW sind von Aral...huch!.....Citibank hält die größten Kreditlinien für VW und noch ein Wunder: alle Firmenkreditkarten bei VW sind von City....ein Schelm, wer....Solche Koppelgechäfte sind überall in großen Konzernen gang und gebe...dann fliegts halt mal auf, es werden ein paar Mio Strafe gezahlt...zwei Einkaufsleiter werden Frühstücksdirektoren bei einer unbedeutenden Tochter und weiter geht's ....

otto15

05.09.2013, 08:43 Uhr

Und bei Bayer - ich kann nur nicht vorstellen, dass es da anders zugeht.

Zaubergift

05.09.2013, 10:17 Uhr

Das ist sogar in den unteren Ligen Gang und Gäbe.
Mir wurde als Unternehmer, welcher den Hauptsponsor eines 3. Ligavereins beliefert, ganz klar gesagt, daß ich zukünftige Aufträge nicht mehr erhalten würde, wenn ich mich nicht am Sponsoring des Fußballvereins beteilige.

Eine Hand wäscht halt die andere - und beide bleiben schmutzig.

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