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10.04.2016

12:59 Uhr

Medienbericht

VW-Chef Müller stellt Plan für Boni-Verzicht vor

Trotz der Abgasaffäre will VW seinen Vorständen Boni zahlen. Allerdings soll das Top-Management zu einem Abschlag von rund 30 Prozent bereit sein.

Der VW-Chef und seine Vorstandskollegen machen offenbar Abstriche bei ihren Boni. AP

Matthias Müller

Der VW-Chef und seine Vorstandskollegen machen offenbar Abstriche bei ihren Boni.

BerlinIm Streit um einen Gehaltsverzicht der VW-Vorstände wegen der Abgasaffäre will Volkswagen-Chef Matthias Müller einem Zeitungsbericht zufolge am Montag eine Lösung vorstellen. Er werde dem Präsidium des Aufsichtsrates vorschlagen, dass die Konzernvorstände freiwillig auf rund 30 Prozent ihrer Boni verzichten sollten, berichtet "Bild am Sonntag". Diese Regelung würde neben amtierenden auch ausgeschiedene Vorstandsmitglieder wie Ex-Chef Martin Winterkorn betreffen, der wegen der Affäre um millionenfach manipulierte Abgaswerte 2015 seinen Hut genommen hatte. Der VW-Vorstand habe kontrovers über die Prämien diskutiert. Einige Manager hielten Sonderzahlungen derzeit für unangemessen, andere hätten darauf bestanden.

Insidern zufolge werden nicht nur die Bonuszahlungen das Präsidium des VW-Aufsichtsrats beschäftigen. Am Montag werde auch über den Streit zwischen Betriebsratschef Bernd Osterloh und VW-Markenchef Herbert Diess gesprochen, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Der Betriebsrat wirft Diess vor, er wolle die Aufarbeitung der Affäre zu einem Stellenabbau nutzen. Auf der Tagesordnung des Aufsichtsratspräsidiums stehe auch der Stand der Untersuchungen einer US-Anwaltskanzlei, die seit Herbst daran arbeitet, die Hintergründe und Verantwortlichen des Abgasskandals zu ermitteln. Zudem werde es bei der Sitzung um die angespannte finanzielle Situation des Konzerns gehen.

Die juristischen Baustellen von VW

Aktionäre fordern Entschädigung

Die VW-Aktie stürzte nach dem Ausbruch der Abgas-Affäre ab, viele Anleger wollen sich ihre Verluste vom Unternehmen erstatten lassen. Ihr Argument: VW hätte deutlich früher über die Probleme informieren müssen, weil Kursabschläge drohten. Mittlerweile haben auch Großanleger entsprechende Klagen lanciert, darunter der größte US-Pensionsfonds Calpers und die Sparkassen-Fondstochter Deka. Der Vermögensverwalter AGI – eine Allianz-Tochter – erwägt die Teilnahme an einer Sammelklage. VW bekräftigte seine Auffassung, alle Pflichten befolgt zu haben.

Klagen einzelner VW-Besitzer

Weltweit wollen VW-Fahrer Schadenersatz einklagen. Das Landgericht Bochum urteilte in einem ersten deutschen Verfahren zwar, dass die Software-Manipulationen keine Pflicht zur Rücknahme der verkauften Autos nach sich ziehen. Manche Anwälte glauben jedoch, dies müsse noch keine Richtungsentscheidung sein. Enttäuschte VW-Kunden machen einen Wertverlust der Fahrzeuge geltend - etwa falls sich Leistungs- oder Verbrauchsdaten durch die notwendigen Umrüstungen verschlechtern. Volkswagen betonte allerdings mehrfach, alle betroffenen Autos seien „technisch sicher und fahrbereit“.

Sammelklagen

Viele Kanzleien buhlen darum, VW-Aktionäre und -Kunden vor Gericht vertreten zu dürfen. In den USA sind Sammelklagen ganz normal, in Deutschland können zumindest Aktionäre ein sogenanntes Musterverfahren beantragen. Dabei wird eine Klage verhandelt, an deren Ausgang sich dann andere Klagen orientieren. VW-Chef Matthias Müller hält das auch für ein Geschäftsmodell von Juristen: „Wir sehen dem ganz gelassen entgegen.“ Viele Autofahrer in Europa versuchen, ihre Verfahren über eine niederländische Stiftung bündeln zu lassen. Der US-Staranwalt Michael Hausfeld kündigte an, im Namen von Kunden und Unternehmen in Deutschland gegen den Konzern vorgehen zu wollen.

Klagen der US-Behörden

Zum Jahresbeginn hat das US-Justizministerium eine Klage gegen VW vorgelegt. Dabei geht es um die Manipulationen an Dieselautos, dem Konzern werden aber auch Tricksereien und Täuschung in der Aufarbeitung der Affäre vorgeworfen. Theoretisch drohen laut der Klageschrift 45 Milliarden Dollar Strafe plus eine möglicherweise milliardenschwere Zahlung im Ermessen des Gerichts. VW will sich mit Verweis auf die laufenden Verfahren nicht dazu äußern. Berichten zufolge weitete das Ministerium seine Ermittlungen nun auf den Verdacht auf Bankbetrug und mögliche Steuergesetzes-Verstöße aus. Volkswagens US-Chef Michael Horn trat überraschend zurück.

Betrugsanzeigen

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nach den Manipulationen von Stickoxidwerten gegen inzwischen 17 Beschuldigte wegen Verdachts auf Betrug und unlauteren Wettbewerb. Darunter ist nach wie vor kein Vorstandsmitglied. Gegen mindestens fünf Personen wird seit dem Herbst wegen möglicher CO2-Falschangaben ermittelt. Der Vorwurf lautet hier vor allem auf Steuerhinterziehung, weil sich die deutsche Kfz-Steuer stark am CO2-Ausstoß orientiert. Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass es noch länger dauert, bis Ergebnisse vorliegen. VW will sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Wegen drohender Milliardenstrafen und Schadenersatzzahlungen infolge der Manipulationen hat VW bisher noch keine Bilanz für 2015 vorgelegt. Nun habe der Aufsichtsrat seine für den 20. April angesetzten Beratungen über den Jahresabschluss 2015 um mindestens zwei Tage verschoben, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Konzernkreise. Hintergrund sei, dass sich die Gespräche mit US-Umweltbehörden über die technische Nachbesserung von rund einer halben Million Dieselautos in die Länge zögen. Ohne die Affäre, für deren Folgen der Konzern hohe Rückstellungen bilden muss, hätte sich im vergangenen Jahr ein Gewinn von rund zehn Milliarden Euro ergeben, berichtete "Bild am Sonntag" unter Berufung auf Geschäftszahlen, die der Konzern Ende April vorstellen werde.

Von

rtr

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