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07.09.2014

16:55 Uhr

Medienbericht

VW fährt Produktion in Russland zurück

Der russische Markt, einst Hoffnungsträger für die Autobranche, entwickelt sich immer mehr zum Problem. VW schraubt seine Produktion vor Ort zurück. Besonders hart trifft es jedoch einen anderen deutschen Hersteller.

Produktion im VW-Werk im russischen Kaluga: Besorgniserregende Entwicklung. Reuters

Produktion im VW-Werk im russischen Kaluga: Besorgniserregende Entwicklung.

FrankfurtVolkswagen fährt einem Zeitungsbericht zufolge wegen der Schwäche des Rubels und der Auswirkungen der Ukraine-Krise seine Produktion in Russland zurück. Im Werk in Kaluga sollen 2014 nur noch 120.000 Fahrzeuge statt der ursprünglich geplanten 150.000 vom Band rollen, wie die Branchen- und Wirtschaftszeitung „Automobilwoche“ am Sonntag vorab berichtet. In dem Werk rund 200 Kilometer südwestlich von Moskau werden die Modelle Polo, Tiguan, Skoda Fabia und Octavia gebaut. Der Absatz der Wolfsburger in Russland schrumpfte bis Ende Juli um zehn Prozent, die Auslieferungen aller deutschen Hersteller waren in den ersten sieben Monaten 2014 um 14 Prozent zurückgegangen. Ein VW-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. Er betonte jedoch, dass die Produktion im Werk Kaluga ab Montag für zehn Tage ruhen wird.

Besonders hart trifft es in Russland die Opel-Group, zu der dort seit kurzem auch Chevrolet gehört. Bis Ende Juli verlor die Marke Opel dem Bericht zufolge 17 Prozent, Chevrolet 23 Prozent. „Die Lage in Russland ist zweifellos besorgniserregend. Der Markt ist in den vergangenen Monaten stark geschrumpft und die Ukraine-Krise schürt zusätzliche Unsicherheit“, sagte Gruppen-Vertriebschef Peter Christian Küspert.

Vom Hoffnungsträger zum Problemkind

Der russische Pkw-Markt ist fast so groß wie der deutsche und galt lange Zeit als Hoffnungsträger in Europa, wo Länder mit kräftigen Zuwächsen rar sind. Ausländische Autobauer haben seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts rund fünf Milliarden Dollar in den Aufbau lokaler Fertigungsstrukturen investiert. Allein VW steckte zwischen 2006 und 2013 nach eigenen Angaben rund 1,3 Milliarden Euro in die lokale Produktion und in neue Modelle für Russland; bis 2018 sollen weitere 1,2 Milliarden dazukommen, vor allem für ein neues Motorenwerk in Kaluga.

Die profitabelsten Autokonzerne der Welt

Platz 10

Fiat-Chrysler - 2,15 Milliarden Euro Gewinn im Jahr 2013

Durch die Fusion mit dem US-Autoriesen retten sich auch die Italiener in die Gewinnzone. Ohne Chrysler stünde unterm Strich ein Verlust von 188 Millionen Euro.

Platz 9

Nissan - 3,28 Milliarden Euro Gewinn

Die Japaner können beim Gewinn wieder leicht zulegen. Unterm Strich steht ein Plus von etwa zwei Prozent.

Platz 8

Ford - 4,2 Milliarden Euro Gewinn

Der operative Gewinn fällt bei Ford etwa sieben Prozent niedriger aus als im Vorjahr. Dabei haben die Amerikaner mit dem Pickup F-150 das meistverkaufte Auto in den USA in ihren Reihen.

Platz 7

General Motors - 4,68 Milliarden Euro Gewinn

Eine Rückrufserie erschüttert derzeit das Vertrauen der Amerikaner in ihren größten Autokonzern. 2013 war davon noch nichts zu spüren. Der operative Gewinn legt um 13 Prozent zu.

Platz 6

Honda - 4,87 Milliarden Euro Gewinn

Bei den Japanern sorgt der schwache Yen für Rückenwind im Export. Der operative Gewinn legt um satte 35 Prozent zu.

Platz 5

Hyundai/Kia - 7,16 Milliarden Euro Gewinn

Das koreanische Duo kann beim operativen Gewinn nicht an die Vorjahre anknüpfen. Bei Hyundai sinkt der operative Gewinn um ein Prozent, bei Kia sogar um zehn Prozent.

Platz 4

Daimler - 7,61 Milliarden Euro Gewinn

Beim Profit verpassen die Schwaben das Treppchen nur knapp. Vor allem weil der operative Gewinn bereinigt um den Verkauf der EADS-Aktien um 14 Prozent sinkt.

Platz 3

BMW - 7,99 Milliarden Euro Gewinn

Auch bei den Münchener fällt der operative Gewinn um drei Prozent niedriger aus. Das reich aber immer noch für die Bronzemedaille.

Platz 2

Volkswagen - 11,67 Milliarden Euro Gewinn

Im Zwölf-Marken-Reich des VW-Konzerns geht es auch beim Profit leicht nach vorne. Zwei Prozent Plus stehen markenübergreifend unterm Strich. Für die Spitzenposition reicht das nicht.

Platz 1

Toyota - 16,91 Milliarden Euro Gewinn

Beim Profit kann kein anderer Hersteller den Japanern das Wasser reichen. Im Jahr 2013 steigt der operative Gewinn von Toyota um satte 132 Prozent.

Quelle

Studie von Ernst & Young "Die größten Automobilhersteller weltweit" im April 2014.

Automobilexperte Stefan Bratzel schließt eine Verschärfung der Lage nicht aus. „Viele der von uns befragten mittelständischen Zulieferer wollen nicht mehr wie geplant in Russland investieren“, sagte Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, der Zeitung. „Es besteht die Gefahr, dass sich das Lieferantennetzwerk dort nicht mehr weiterentwickelt. Die Idee, dort eine Autoindustrie aufzubauen, wird in den nächsten Jahren nicht umsetzbar sein.“

Amerika hat für VW oberste Priorität

Unterdessen will Volkswagen in Amerika mit zwei neuen Modellen und sieben Milliarden Dollar Investitionen bis 2018 wieder angreifen. „Amerika hat bei VW im Augenblick die oberste Priorität“, sagte der neue VW-USA-Chef Michael Horn der „Automobilwoche“. 2018 wollen die Wolfsburger in den USA 800.000 Fahrzeuge verkaufen, in den ersten sieben Monaten dieses Jahres waren es nur 207.900. Mit zwei neuen Baureihen, die jeweils größer und trotzdem günstiger als Tiguan und Touareg sein sollen, solle der Absatz angekurbelt werden.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Peter Hubich

08.09.2014, 10:35 Uhr

Diese Regierung unter Kanzlerin Merkel würgt die Wirtschaft ab, alles um den USA zu gefallen. Aber wie sagt sie so schön:"uns geht es gut, Deutschland geht es gut." und Gabriel:" das kann sich Deutschland leisten." ja dann.

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