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10.05.2012

18:01 Uhr

Medienberichte

Opel will Zafira-Entwicklung ins Ausland verlegen

Die Sanierung von Opel trifft das Stammwerk offenbar härter als angenommen. Neben der Produktion des Astra könnte auch die Entwicklung des Zafira ins Ausland verlagert werden. Hunderte Arbeitsplätze wären dadurch bedroht.

Opel-Werk in Rüsselsheim: Großer Umbau. dapd

Opel-Werk in Rüsselsheim: Großer Umbau.

Frankfurt, BerlinDie Sanierung von Opel könnte das Stammwerk Rüsselsheim Medienberichten zufolge weitaus härter treffen als angenommen. Neben der Produktion des viel verkauften Modells Astra könne die Entwicklung des Familienwagens Zafira weg von Rüsselsheim ins Ausland verlagert werden, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf ein Schreiben von Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Demnach könnte die Aufgabe der französische Hersteller PSA Peugeot Citroën übernehmen, der mit der Opel-Mutter General Motors kooperiert.

Die gesamte Entwicklung der nächsten Generation des Zafira inklusive des Getriebes drohe von PSA Peugeot Citroën übernommen zu werden, zitierte die „FAZ“ aus dem Schreiben des Betriebsrates, der die Belegschaft von Opel zu einer Betriebsversammlung am Montagmorgen in Rüsselsheim aufruft. Eingeladen sind demnach auch die Ministerpräsidenten von Hessen und Rheinland-Pfalz, Volker Bouffier (CDU) und Kurt Beck (SPD). Nach Angaben von „Spiegel Online“ vom Donnerstag sind durch die Verlagerung "mehrere hundert Arbeitsplätze“ im Entwicklungszentrum Rüsselsheim bedroht.

„Der Betriebsrat und die Beschäftigten haben bisher keine offene und umfassende Information des Vorstandes über die Zukunft des Unternehmens und des Standortes Rüsselsheim erhalten“, zitierte die „FAZ“ aus dem Schreiben des Betriebsratschefs. „Geltende Verträge werden verletzt, Gesetze und Vorschriften missachtet.“

Opel-Sprecher Stefan Weinmann wollte die Berichte zur Zukunft der Entwicklung des Zafira nicht bestätigten. Zwar hätten General Motors (GM) und PSA Peugeot Citroën zum Beginn ihrer Zusammenarbeit im Februar verkündet, in verschiedenen Produktbereich in Europa zusammenarbeiten zu wollen. „Es ist jedoch noch keine Entscheidung darüber gefallen, wie eine Zusammenarbeit aussehen kann.“ Eines der Fahrzeugsegmente, die zum Zweck einer Zusammenarbeit untersucht würden, sei jedoch die Klasse des Zafira.

„Es wird aufgrund der Allianz kein einziger Arbeitsplatz hier im Entwicklungszentrum verloren gehen“, betonte der Opel-Sprecher. Über Wege, profitabler zu werden, verhandle der kriselnde Autobauer jedoch mit Vertretern der Belegschaften in allen seinen Werken.

Seit Wochen wird wieder um die Zukunft von Opel und seiner Werke spekuliert. Zu Wochenbeginn waren Gerüchte aufgetaucht, die Produktion des viel verkauften Modells Astra könne vom Stammwerk Rüsselsheim abgezogen und ins Ausland verlagert werden. Die IG Metall befürchtete, dass zum Ausgleich die Produktion des Zafira vom Werk Bochum nach Rüsselsheim verlagert werden könnte. Dies könnte nach Angaben der Gewerkschaft das Aus für das Ruhrgebietswerk bedeuten.

Allianzen der Autobauer

Daimler/ Chrysler

In der Vergangenheit hatte vor allem die Achterbahnfahrt von Daimler und Chrysler lange für Schlagzeilen gesorgt. 1998 gaben die Daimler-Benz AG und Chrysler Corporation die Fusion zur DaimlerChrysler AG bekannt. Der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp übernahm Chrysler für knapp 40 Milliarden Dollar. Doch das US-Unternehmen entpuppte sich als milliardenschwerer Sanierungsfall. 2007 wurde das Ende der Allianz besiegelt. Chrysler wird nun vom italienischen Autobauer Fiat kontrolliert.

BMW/ Rover

Auch BMW musste für die Übernahme der britischen Rover Lehrgeld zahlen. Der damalige Vorstandschef Bernd Pischetsrieder fädelte 1994 die Fusion ein. BMW zahlte zwei Milliarden DM und steckte erhebliche Summen in die Entwicklung neuer Modelle. Als diese sich nicht verkaufen ließen, stieg BMW 2000 wieder aus.

Renault/ Nissan

Segensreich für beide Partner war dagegen die Liaison des Renault-Konzerns mit dem japanischen Autobauer Nissan. 1999 wurde die französische Nummer zwei größter Anteilseigner bei Nissan und machte aus dem angeschlagenen Hersteller ein ertragreiches Unternehmen.

Renault-Nissan/ Daimler

Renault-Nissan verbündete sich 2010 zudem mit Daimler. Renault und Nissan halten 3,1 Prozent an Daimler und die Schwaben wiederum halten 3,1 Prozent an Renault und 3,1 Prozent an Nissan. Die zwei Seiten versorgen sich gegenseitig mit Antrieben und Antriebsteilen.

Volkswagen/ Porsche

Volkswagen konnte erst nach einem erbitterten Übernahme- Machtkampf mit Porsche das Rennen für sich entscheiden. Zwar ist eine geplante Fusion wegen milliardenschwerer Schadensersatzklagen geplatzt. VW will aber nun die Porsche AG - in der das Autogeschäft gebündelt ist - schrittweise übernehmen. Derzeit hält VW 49,9 Prozent Volkswagen baut sein Imperium mit Milliardeninvestitionen massiv aus.

Volkswagen/ Suzuki

Im Dezember 2009 beteiligte sich der VW-Konzern für 1,7 Milliarden Euro mit knapp 20 Prozent an Japans viertgrößtem Autobauer Suzuki. Mittlerweiler gibt es allerdings reichlich Ärger. Suzuki Motor will seine Kooperation mit Volkswagen nach Vorwürfen des gegenseitigen Vertragsbruchs beenden und den eigenen Anteil von rund 20 Prozent von VW zurückkaufen. Doch die Deutschen stellen sich quer. Im November haben die Japaner deswegen ein Schiedsgericht angerufen.

GM und PSA hatten Ende Februar eine weltweite strategische Allianz angekündigt. Zugleich hatte GM mitgeteilt, mit sieben Prozent bei dem französischen Autobauer einzusteigen. Geplant waren zunächst vor allem der gemeinsame Einkauf von Material und Dienstleistungen und die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugplattformen. Zudem wollen die beiden Autohersteller nach Angaben von GM-Chef Dan Akerson auch gemeinsame Modelle entwickeln. Welche Rolle dabei die kriselnde GM-Konzerntochter Opel spielt, ist bislang noch weitgehend offen. Jetzt werden die Pläne offenbar konkreter.

Von

afp

Kommentare (5)

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Diana

10.05.2012, 18:21 Uhr

GM soll endlich den Weltmarkt für Opel öffnen, insbesondere China, Indien, Brasilien und die USA.

Dann würde es auch wieder besser laufen!

Aber ich habe den Eindruck, dass General Motors Opel bewusst klein halten will.

lamefe

10.05.2012, 18:47 Uhr

Das Griechenland der Automobilindustrie. Jahrelange Misswirtschaft gefördert durch leistungsungerechte Privilegien. Mein Mitleid mit den Opel-Bürgern hält sich in Grenzen. Der Türke aus Korea wertet übrigends gerade auf.

Nachwuchs

10.05.2012, 19:12 Uhr

Die Rückrufaktionen zeigen doch, bei Opel kann oder will man keine Qualität leisten. Gerade darauf haben die Kunden aber Anspruch zu Niedrigstpreisen. Wieso Gewinne nur für das unfähige, versagende Management? Die Ausländer können und wollen vielleicht Qualität leisten (KIA, Dacia)!

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