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21.10.2012

18:59 Uhr

Medienberichte

TNK-BP-Milliarden-Deal rückt näher

Verkauft BP seine Anteile an dem Joint-Venture TNK-BP an Rosneft, wäre dies der größte Deal in der Ölbranche seit Jahren. Angeblich sind die Würfel gefallen – laut Medienberichten ist das Geschäft in trockenen Tüchern.

Das BP-Logo an einer Tankstelle in St. Petersburg. Reuters

Das BP-Logo an einer Tankstelle in St. Petersburg.

London/MoskauDie Spitze des britischen Energiekonzerns BP soll Zeitungsberichten zufolge zu einem milliardenschweren Ölgeschäft mit dem russischen Staatskonzern Rosneft bereit sein. Die Zustimmung zu dem Milliarden-Deal sei groß, berichtete die Zeitung „Financial Times“ (Samstag). Es seien aber noch einige Fragen zu klären, zitierte das Blatt eine nicht näher genannte Quelle. Der BP-Vorstand sei am Freitag zusammengetroffen.

Der jahrelange Krimi um den Ölriesen TNK-BP

2003

Der britische Ölkonzern BP und ein Konsortium aus vier russischen Oligarchen mit dem Namen AAR gründen den Gemeinschaftskonzern TNK-BP. Die Konzerne legen damit ihre Förderanlagen, Raffinerien und Pipelines in Russland und der Ukraine zusammen.

2004

Russlands Präsident Putin will einen nationalen Energiekonzern schmieden. Er drängt den Gasriesen Gazprom und den Ölkonzern Rosneft zu einem Zusammenschluss. Doch die damals rund 7,6 Milliarden Dollar schwere Fusion scheitert. Die beiden Konzerne können sich nicht auf die Bedingungen eines Zusammenschlusses einigen.

2008

Zwischen den TNK-BP-Eignern BP und AAR entbrennt ein Streit über die Ausrichtung und Strategie des Gemeinschaftsunternehmens. Der Konflikt eskaliert, sogar der Kreml schaltet sich ein. BP-Techniker dürfen nicht mehr in Russland arbeiten.
Im Juni wird sogar dem damaligen BP-Manager und TNK-BP-Chef Bob Dudley das Visum entzogen. Er flieht aus Russland und leitet den Konzern fünf Monate lang von einem geheimen Ort aus.
Nach langen Verhandlungen unterzeichnen AAR und BP ein Memorandum, das die Streitigkeiten beilegen soll. Dudley tritt zurück und die russischen Oligarchen installieren einen eigenen Konzernchef. Heute ist Dudley Vorstandschef von BP.

2010

Der Streit zwischen den TNK-BP-Eignern scheint beigelegt. BP-Manager und AAR-Vertreter treten erstmals seit dem Streit wieder gemeinsam in der Öffentlichkeit auf.

2011

BP und Rosneft Unternehmen wollen gemeinsam Öl- und Gasvorkommen in der Arktis ausbeuten. Doch der Milliardendeal scheitert am Widerstand von TNK-BP-Aktionären, die sich übergangen fühlten. BP hätte laut Aktionärsvertrag zunächst TNK-BP das Geschäft vorschlagen müssen. Der TNK-BP-Minderheitsaktionär Andrej Prochorow verklagt BP auf elf Milliarden Dollar.

Juli 2012

Ein Schiedsgericht in der sibirischen Stadt Tjumen gibt der Klage des TNK-BP-Minderheitsaktionärs Andrej Prochorow Recht. BP will seinen Anteil an TNK-BP inzwischen verkaufen. Mal will das Oligarchen-Konsortium AAR zugreifen und sich das Gemeinschaftsunternehmen komplett aneignen. Mal signalisiert aber der Ölkonzern Rosneft Interesse.

Oktober 2012

Der Energieriese Rosneft könnte sowohl den BP-Anteil an TNK-BP, als auch den AAR-Anteil übernehmen.

Die Moskauer Zeitung „Kommersant“ berichtete unter Berufung auf Informanten, BP habe dem Deal bereits zugestimmt. Demnach sollen die Briten für ihren 50-Prozent-Anteil an TNK-BP etwa 17 Milliarden US-Dollar (13 Mrd Euro) sowie 13 Prozent der Rosneft-Aktien erhalten. Damit würde BP größter Aktionär bei den Russen nach dem Staat. Eine offizielle Stellungnahme gab es zunächst nicht. Am Sonntagabend meldete auch die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Berufung auf informierte Kreise, dass Rosneft den Vertragsbedingungen von BP zugestimmt hat.

Rosneft soll sich für 28 Milliarden US-Dollar bereits die zweite Hälfte an TNK-BP gesichert haben, die einem Konsortium russischer Oligarchen gehört. Mit der Gesamtübernahme würde Rosneft zum größten börsennotierten Ölförderer der Welt.

Betrugsvorwurf: TNK-BP-Manager vor Milliardendeal festgenommen

Betrugsvorwurf

TNK-BP-Manager festgenommen

Der Pressechef des Ölkonzerns TNK-BP ist wegen Betrugs festgenommen worden.

BP-Chef Bob Dudley habe verschiedene Möglichkeiten für die Zukunft des Unternehmens in Russland aufgezeigt, schrieb die „Financial Times“. So sei über den Verkauf an Rosneft, aber auch eine weitere Zusammenarbeit bei TNK-BP mit den derzeitigen Partnern gesprochen worden.

Experten weisen darauf hin, dass sich der Verkauf für BP auch deshalb lohne, weil der Konzern auf lukrative Projekte in Russland hofft. Zweifel gibt es aber am Nutzen des Geschäfts für Rosneft, dessen Vorsitzender Igor Setschin ein enger Vertrauter von Kremlchef Wladimir Putin ist, sowie die russische Wirtschaft. Das Unternehmen übernehme auch hohe Schulden von TNK-BP, meinen Analysten in Moskau.

Die größten börsennotierten Ölkonzerne der Welt

Die größten Öl- und Gaskonzerne

Sie fördern und raffinieren Erdöl oder Gas und betreiben riesige Tankstellennetze. Wie viel die zehn größten Öl- und Gaskonzerne der Welt an der Börse wert sind.

Quelle: Bloomberg, Stand: 26.7.2012

Platz 10

ENI (Italien)

Der italienische Öl- und Gaskonzern erreicht mit einer Marktkapitalisierung von 70 Milliarden Dollar Rang zehn unter den Energiekonzernen. Das Unternehmen mit Sitz in Rom ist der größte Gasversorger Italiens. Neben dem Öl- und Gasgeschäft mit Exploration, Förderung, Raffinerie und Vertrieb sind die Italiener auch im Stromgeschäft aktiv.

Platz 9

Sinopec (China)

Der chinesische Mineralölriese zählt zu den größten Energiekonzernen des Landes und erreicht an der Börse eine Marktkapitalisierung von 80,9 Milliarden Dollar. Das Unternehmen mit Sitz in Peking ist im Hang-Seng-Index notiert.

Platz 8

Total (Frankreich)

Die Franzosen betreiben in Europa ein dichtes Tankstellennetz. In mehr als 30 Ländern fördert der Konzern Öl und Gas. Der Konzern mit Sitz in Courbevoie nahe Paris erreicht einen Börsenwert von 124 Milliarden Dollar.

Platz 7

Gazprom (Russland)

Der russische Konzern rangiert an der Weltspitze der Gasförderer. Das Moskauer Unternehmen ist an der Börse mit 116 Milliarden Dollar bewertet. Gazprom kontrolliert fast die gesamte Erdgasförderung Russlands.

Platz 6

Petrobras (Brasilien)

Der halbstaatliche Konzern mit Sitz in Rio de Janeiro hat eine Marktkapitalisierung von 125,1 Milliarden Dollar. Die Brasilianer sind besonders in der Offshore-Förderung von Öl stark. Der Konzern wurde ursprünglich zur Abwehr von US-Konzernen gegründet.

Platz 5

BP (Großbritannien)

Die Katastrophe im Golf von Mexiko hat den Konzern in Bedrängnis gebracht. Aktuell ist das Unternehmen mit 129,1 Milliarden Dollar bewertet. In Deutschland wird Benzin und Diesel unter der Marke Aral vertrieben.

Platz 4

Chevron (USA)

Der US-Konzern ist auf dem Parkett 213,4 Milliarden Dollar wert. Die Hauptsitze sind im kalifornischen San Ramon sowie im brasilianischen Fortaleza. Der Konzern ist im Bereich der geothermischen Energiegewinnung führend.

Platz 3

Royal Dutch Shell (Großbritannien)

Das Unternehmen mit Sitz in London und Den Haag zählt zu den drei größten Öl- und Gaskonzernen der Welt. Shell ist in mehr als 180 Ländern aktiv. An der Börse ist der Konzern mit 216,4 Milliarden Dollar bewertet.

Platz 2

PetroChina (China)

Die Chinesen schoben sich auf rang zwei der größten Öl- und Gaskonzerne vor. An der Börse ist der Konzern 249,2 Milliarden Dollar wert. Das Unternehmen ist besonders im Sudan aktiv und steht deswegen in der Kritik.

Platz 1

Exxon Mobil (USA)

Die Spitze der Öl- und Gaskonzerne erobert Exxon Mobil mit einer Marktkapitalisierung von 399,7 Milliarden Dollar. Das Unternehmen entstand 1999 durch den Zusammenschluss von Exxon mit Mobil Oil. Das Unternehmen gilt als Nachfolger der Standard Oil Company des legendären Milliardärs John D. Rockefeller.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

20.10.2012, 14:07 Uhr

Naja, ob Russland und England in den nächsten Jahren tatsächlich sooo davon profitieren?

http://www.vorweggehen.de/erneuerbare-energien/bio-sprit-aus-spanischen-algen/

Öl konnte schon bald sehr viel billiger werden, und nicht mehr so weltweiten Spekulanten, Oligarchen, Finanzzersetzern und Umweltzersetzern Millarden einbringen, weil immer weniger auf diese Ex- und Importe angewiesen sind.

Oel_Ali

20.10.2012, 16:12 Uhr

Über Öl-Substitute würde ich mir weniger Gedanken machen, denn diese Technologien sind - so zeigt es die jüngste Geschichte - i. d. R. viel weiter von der Praxis entfernt, als erhofft.

Die Frage ist, warum der Aktienkurs von BP nicht durch die Decke geht, denn dieser Deal ist, trotz aller Risiken, das beste, was BP passieren konnte. Die Chancen sind immens für ein Unternehmen, das ohne rohstoffreichen Heimatmarkt den Anschluss zu verlieren drohte...

Account gelöscht!

20.10.2012, 17:26 Uhr

"Über Öl-Substitute würde ich mir weniger Gedanken machen, denn diese Technologien sind - so zeigt es die jüngste Geschichte - i. d. R. viel weiter von der Praxis entfernt, als erhofft."

Stimmt, aber ich denke die Zeit ist nicht weit weg.
Noch müssen sich erst die Investitionen für die Vergasung der Lebensmittel rentieren, dann wird man das Augenmerk genau auf diese Produkte richten, die CO2-Neutraler verbrannt werden können.
Und wenn der Benzinpreis weiter so durch die Decke schießt, gehts noch schneller.

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