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21.12.2016

14:00 Uhr

Medikamente

Neue Waffen gegen den Krebs

VonMaike Telgheder

Weil die Deutschen immer älter werden, steigt die Zahl der Tumorerkrankungen. Jedes dritte neue Medikament, das auf den Markt kommt, ist ein Mittel gegen Krebs. Für die Erkrankten ist das ein gutes Zeichen.

Zehn neue Krebsmittel wurden in diesem Jahr neu in Deutschland auf den Markt gebracht. Onkologie ist für die Arzneimittelindustrie das umsatzstärkste Therapiegebiet. imago/StockTrek Images

Krebszellen

Zehn neue Krebsmittel wurden in diesem Jahr neu in Deutschland auf den Markt gebracht. Onkologie ist für die Arzneimittelindustrie das umsatzstärkste Therapiegebiet.

FrankfurtDer Trend vergangener Jahre setzt sich fort: Die meisten Medikamente, die in diesem Jahr mit neuem Wirkstoff auf den deutschen Markt gekommen sind, sind Mittel gegen Tumorerkrankungen. Nach der aktuellen Statistik des Verbandes der Forschenden Pharmaunternehmen (vfa) sind ein Drittel der insgesamt 30 neu eingeführten Medikamente Krebsmittel. Die Palette reicht von einem neuen Impfstoff zur Prävention von Gebärmutterhalskrebs bis zu verschiedenen personalisierten Therapien beispielsweise gegen Brust und Lungenkrebs, vor deren Einsatz der Nachweis einer bestimmten Mutation des Krebsgens mit einem Test nachgewiesen werden muss.

Auch ein weiterer Vertreter der neuen Generation von Krebsmedikamenten, ein so genanntes Immuntherapeutikum, ist in Deutschland auf dem Markt gekommen. Das gentechnisch hergestellte Mittel Darzalex von Jansen wird zu Behandlung von Knochenmarkkrebs (Multiples Myelom) eingesetzt. Es erzeugt eine Immunreaktion des Körpers gegen die Erkrankung.

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Weltweit stellen Krebsmedikamente seit Jahren die umsatzstärkste Therapieklasse, vor Arzneimitteln gegen Diabetes und Schmerzmitteln. Nach Zahlen des Marktforschungsinstituts Quintiles IMS wuchsen die Verkäufe von Krebsmedikamenten zwischen 2010 und 2015 um fast 40 Prozent auf 79 Milliarden Dollar, und damit deutlich schneller als der Gesamtmarkt, der in dieser Zeit um knapp 17 Prozent zulegte. 2021 sollen mit Krebstherapien weltweit Umsätze zwischen 120 und 135 Milliarden Dollar erreicht werden.

Diese Entwicklung hat verschiedene Ursachen: Zum einen steigt mit der Alterung der Gesellschaft in den Industrienationen die Zahl der Krebserkrankungen deutlich an. Der kürzlich vorgestellte Krebsbericht vom Bundesgesundheitsministerium und Robert Koch Instituts zeigt eine klare Entwicklung für Deutschland: Seit 1970 hat sich die absolute Zahl von Krebsneuerkrankungen in Deutschland nahezu verdoppelt, etwa 482.500 Menschen erkrankten im Jahr 2013 an Krebs.

Formen der Krebs-Therapie

Operation

Bei einer Operation wird der Tumor entfernt, häufig auch die umliegenden Lymphknoten um eine Streuung zu vermeiden. Eine Operation allein reicht meist nicht aus.

Quelle: Bayerische Krebsgesellschaft

Chemotherapie

Dabei kommen bestimmte Medikamente, sogenannte Zytostatika, zum Einsatz. Sie können bösartige Tumoren zerstören oder zumindest ein weiteres Wachstum verhindern. Die Medikamente greifen in den Zell-Stoffwechsel ein. Weil sie aber nicht zwischen gesunden Zellen und Tumorgewebe unterscheiden können, kommt es zu Nebenwirkungen, etwa Haarausfall, Erbrechen, Immunschwäche. Weil sich das Normalgewebe aber schneller regeneriert, wirkt die Chemotherapie auf Krebszellen stärker.

Strahlentherapie

Der Tumor wird vor, nach oder anstelle einer Entfernung mit energiereicher Strahlung beschossen. Die Bestrahlung kommt nur lokal zum Einsatz und kann das Wachstum des Tumors bremsen, indem die Tumorzellen zerstört werden.

Molekularbiologische Therapie

Es handelt sich um einen jungen Therapieansatz, auch "targeted therapy" (zielgerichtete Therapie) genannt. Hierunter fällt die in der US-Studie erforschte Blockierung des Ral-Proteins. Spezifische Wirkstoffe sollen zielgenau die Krebszellen angreifen.

Hormontherapie

Hierbei werden Antihormone gegeben. Sie können vor allem Tumoren der Geschlechtsorgane und Brustkrebs im Wachstum stoppen oder verlangsamen.

Hyperthermie

Hierunter versteht man die Überwärmung des Körpers oder einzelner Körperteile. Dies kommt beispielsweise ergänzend zu einer Strahlentherapie zum Einsatz, und kann ihre Wirkung verstärken.

Andererseits steigt durch die Erfolge in der Behandlung auch die Lebenserwartung vieler Erkrankter. Weil die Krankheit besiegt ist, oder auch, weil Krebs über viele Jahre als eine Art chronische Erkrankung behandelbar ist. Menschen, die heute in Deutschland an Krebs sterben, werden im Mittel etwa 74 Jahre alt und damit vier Jahre älter als noch 1980.

Viele namhafte Pharmaunternehmen haben im vergangenen Jahrzehnt ihre Forschungsaktivitäten hin zur Onkologie verlagert. Die genetische Erforschung von Krebs hat zahlreiche neue Behandlungsansätze eröffnet. Zudem ist der Bedarf an erfolgsversprechenden Therapien bei vielen Tumorerkrankungen immer noch groß. So konzentrieren sich derzeit 30 Prozent der knapp 2000 fortgeschrittenen Arzneimittelforschungsprojekte auf Onkologie, zeigt die Statistik der Marktforscher von Quintiles.

Kommentare (3)

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21.12.2016, 15:51 Uhr

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21.12.2016, 17:54 Uhr

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