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15.10.2015

23:42 Uhr

Medikamentenpreise

Politik vergrault Pharma-Investoren

VonAstrid Dörner, Maike Telgheder

Der kanadische Hersteller Valeant hat wegen drastischer Preiserhöhungen den Zorn der Politik auf sich gezogen. Nun laufen Untersuchungen. Das wirft Schatten auf die ganze Branche.

Das kanadische Pharma-Unternehmen Valeant zieht den Unmut amerikanischer Politiker auf sich. ap

Valeant

Das kanadische Pharma-Unternehmen Valeant zieht den Unmut amerikanischer Politiker auf sich.

New York, FrankfurtDie demokratischen Politiker in den USA haben die Pharmabranche zum neuen Lieblingsfeind erklärt. Bei der ersten Fernsehdebatte der Präsidentschaftskandidaten am Dienstag zählten sowohl Hillary Clinton als auch ihr Konkurrent Bernie Sanders die Medikamentenhersteller zu den Feinden, auf die sie am meisten stolz sind. Schon seit Wochen machen sie Stimmung gegen teure Medikamente. Das verschreckt Pharma-Investoren, die härtere Regulierungen fürchten, falls ein neuer Demokrat auf Präsident Obama folgt.

Nun gießt eine neue Untersuchung Öl ins Feuer. Staatsanwälte aus New York und Massachusetts untersuchen die Preispolitik des kanadischen Pharma-Konzerns Valeant und haben entsprechende Dokumente eingefordert. Valeant ist bekannt dafür, regelmäßig die Preise seiner Medikamente anzuheben. Der Hersteller war zuletzt jedoch wegen zwei ganz besonders drastischen Anhebungen in die Kritik geraten.

Valeant übernahm im Februar die Rechte für die zwei etablierten Herz-Medikamente Isuprel und Nitropress und hob die Preise um 500 und 200 Prozent an. Die Mittel werden zwar lediglich von Krankenhäusern verabreicht, sie würden so jedoch die ohnehin schon hohen Krankenhausrechnungen noch teurer machen, kritisierten Demokraten in einem Ausschuss des Repräsentantenhauses und forderten Valeant auf, das Verhalten zu erklären.

Der Konzern teilte mit, die Staatsanwälte interessierten sich vor allem für die Preisgestaltung, den Vertrieb und die Programme zur finanziellen Unterstützung, mit denen einkommensschwachen Patienten den Zugang zu bestimmten Medikamenten erleichtert wird. „Wir in der Valeant-Familie befürworten starke regulatorische und finanzielle Kontrollen und glauben, dass wir unser Unternehmen entsprechend aller Compliance-Vorschriften führen“, sagte Konzern-Chef J. Michael Pearson.

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Über Nacht wird ein US-Medikament 55-mal teurer. US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton reagiert empört – und kündigt Regulierungen an. Das reicht, um Pharmakurse ins Minus zu drücken – auch in Deutschland.

In den USA können Pharma-Firmen frei gestalten. Viele Hersteller argumentieren, dass sie dadurch ihre hohen Forschungs- und Entwicklungskosten finanzieren, die für neue Medikamente nötig sind. Hillary Clinton hat im September jedoch eine Offensive gegen die große Preis-Freiheit angekündigt und damit einen Kursrutsch bei Pharma- und Biotech-Aktien ausgelöst. Angestoßen hatte die Debatte der 32-Jährige Chef der Pharmafirma Turing. Er hatte die Rechte an Daraprim gekauft, einem Medikament gegen gefährliche Infektionskrankheiten, und den Preis sofort um über 5000 Prozent angehoben. „Niemand in Amerika sollte sich fragen müssen, ober er mit seinem Geld besser seine Medikamente oder seine Miete bezahlt“, stellt Clinton in einem politischen Werbespot klar.

Die Valeant-Aktie lag am Donnerstagnachmittag in New Yorker Handel gut fünf Prozent im Minus und hat seit Juli knapp 30 Prozent an Wert verloren. Der Biotech-Index der Nasdaq ist seit Juli gut 20 Prozent im Minus, obwohl sich an den fundamentalen Daten der meisten Hersteller gar nichts verändert hat. „Die Volatilität könnte in den nächsten Wochen anhalten“, heißt es in einer Analyse der Investmentbank Jeffries. Dabei waren die vergangenen vier Jahre außerordentlich gut für die Biotech-Unternehmen.

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