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02.04.2011

09:26 Uhr

Medizintechnik-Hersteller

Ein „Nicht-Braun“ will Geschichte schreiben

Er ist der erste „Nicht-Braun“ an der Spitze des Familienunternehmens B. Braun. Doch Heinz-Walter Große will an die erfolgreiche Arbeit seiner Vorgänger anknüpfen und mit dem Medizintechnik-Hersteller weiter wachsen.

Der (Ex-)Chef und sein Nachfolger. Ludwig Georg Braun (links) übergibt die Unternehmensführung an den bisherigen Vize- und Finanzvorstand Heinz-Walter Große. Quelle: dpa

Der (Ex-)Chef und sein Nachfolger. Ludwig Georg Braun (links) übergibt die Unternehmensführung an den bisherigen Vize- und Finanzvorstand Heinz-Walter Große.

MelsungenAusruhen auf Erfolgen ist nicht. Der neue Chef des Medizintechnik-Herstellers B. Braun, Heinz-Walter Große, will weiter. Er ist der erste „Nicht-Braun“ an der Spitze in der 172-jährigen Geschichte des Familienunternehmens. „Wir wollen organisch weiter wachsen. Unsere Zielvorgabe ist, bis 2015 einen Jahresumsatz von sechs Milliarden Euro zu erwirtschaften“, sagt Große. Das ist immerhin ein Zuwachs von mehr als einem Drittel zum bisherigen Rekordjahr 2010. „Wir müssen uns weiter anstrengen.“

Große tritt in große Fußstapfen: Sein Vorgänger Ludwig Georg Braun (67) hatte sich Ende März mit einem Rekordumsatz und -gewinn als Konzernchef verabschiedet und wechselte in den Aufsichtsrat. Im Vergleich zum Vorjahr war der Umsatz 2010 um 9,8 Prozent auf 4,42 Milliarden Euro gestiegen. Der Jahresüberschuss legte nach 239,6 Millionen Euro im Vorjahr auf 277,4 Millionen Euro zu. Zu den Verkaufsschlagern gehören Infusionen und die Dauerinfusionsnadel „Braunüle“.

Wie der 58-jährige Große den Umsatzsprung schaffen will? Mit Innovationen, Investitionen und der Weiterbildung von Mitarbeitern.

Er betont, es sei wichtig, die Produkte weiterzuentwickeln, von Infusionspumpen über Mikro-Gefäßstützen (Stents) bis zu Operationstechnik.

Die Neuerungsrate - also B.-Braun-Produkte, deren Markteinführung nicht länger her ist als fünf Jahre - liegt bei rund 25 Prozent. Mit neuen Produkten sind auf dem Markt höhere Preise zu erzielen. Große sagte, zudem brauche das Unternehmen neue Produktionskapazitäten, denn in den „wesentlichen Standardprodukten“ sei B. Braun in den vergangenen 16 Monaten weitgehend ausverkauft gewesen.

Bereits für 2011 habe das Unternehmen die Ausgangsposition durch neue Produktionsstätten verbessert. „Ich möchte diese Themen im Sinne von Ludwig Georg Braun weiter nach vorne bringen. Dafür werden wir bis 2015 rund 2,3 Milliarden Euro investieren“, sagt Große. Der begeisterte Golfer ist bereits seit 32 Jahren „Braunianer“ und war bisher Vize-Chef und Finanzvorstand. Er ging in Kassel zur Schule, arbeitete für B. Braun in den USA und Österreich.

„Bei Investitionen ist Deutschland immer gut weggekommen“, sagt er. Allerdings müssen die Mitarbeiter auch ihren Teil leisten. „Nur wegen Lohnkostenvorteilen in Billiglohnländer zu gehen, ist langfristig keine gute Entscheidung.“ Die zusätzlichen Kosten muss B.

Braun an anderer Stelle hereinholen. Die B.-Braun-Mitarbeiter müssen sich weiterbilden. „Produktivitätssteigerung erreichen wir nicht, weil sich die Maschinen schneller drehen.“ Eine verbesserte Ertragskraft sei nötig, um die Arbeitsplätze zu sichern, sagt Große.

Zum Jahresende 2010 beschäftigte B. Braun fast 42.000 Mitarbeiter, davon rund 11.200 in Deutschland, 5.600 in Melsungen. Insgesamt wurden im abgelaufenen Jahr 561 Mitarbeiter eingestellt.

Das FDP-Mitglied Ludwig Georg Braun hatte das 1839 gegründete Unternehmen in der fünften Generation geführt und war von 2001 bis 2009 auch Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Beides ist für Große keine Option. „Ich habe nicht vor, in die Politik einzusteigen.“ Stattdessen hat er schon immer gern und oft Zeit mit seiner Familie verbracht - und das soll auch so bleiben.

„Das hab' ich in den vergangenen Jahrzehnten ganz gut hingekriegt.“ Leiden unter dem neuen Job könnte allerdings sein Posaunenspiel. „Die 19.00-Uhr-Probe wird oft schwierig zu schaffen sein.“

Von

dpa

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