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11.04.2006

21:32 Uhr

Mehr Attraktivität angestrebt

Hauptversammlung der Zukunft

VonUlf Sommer

Seit Jahren sinken die Besuchszahlen: Wenn Hauptversammlungen künftig nicht unter Ausschluss ihrer Eigentümer stattfinden sollen, müssen sie attraktiver werden. Die Ideen reichen von einem endlosen Fragerecht bis hin zu Abstimmungen per Internet.

DÜSSELDORF. Was und wie lange darf der kritische Aktionär fragen? Wenn Hauptversammlungen künftig nicht unter Ausschluss ihrer Eigentümer stattfinden sollen, müssen sie attraktiver werden. Darin sind sich alle einig. Bundesregierung und EU-Kommission kommen dazu mit Initiativen und Gesetzen. Sie haben zwar dasselbe Ziel, zielen aber in die entgegengesetzte Richtung. Gegen die Pläne aus Brüssel nach einem unbeschränkten Fragerecht der Aktionäre laufen Deutschlands Unternehmen Sturm.

Wenn Daimler-Chrysler morgen in Berlin zur Hauptversammlung lädt, werden die Aktionäre Punkt Acht der Tagesordnung wohl schnell abhaken. Die geplante Anpassung der Satzung an das Gesetz zur Unternehmensintegrität und Modernisierung des Anfechtungsrechts (Umag) klingt unspannend. Das Management erhofft sich mit Hilfe des Wortungetüms, die Frage- und Redezeit allzu aufmüpfiger Aktionäre künftig „angemessen“ beschränken zu können.

Fast alle Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) werden bei ihren diesjährigen Hauptversammlungen im April und Mai entsprechende Beschlüsse der Bundesregierung umsetzen. Danach können die Versammlungsleiter ein Zeitlimit setzen. Üblich dürften 15 Minuten pro Beitrag werden. Langweilige Mammut-Veranstaltungen oder Wortmeldungen alkoholisierter Aktionäre könnten dann ein Relikt vergangener Zeiten sein.

Könnten. Denn die EU-Kommission will die Rechte des Aktionärs stärken, um so mehr spannende Reden und wieder volle Ränge zu bekommen. Denn seit Jahren sinken die Besuchszahlen auf den Hauptversammlungen. Die Ideen reichen von einem endlosen Fragerecht bis hin zu Abstimmungen per Internet. Der Richtlinienentwurf sieht vor, dass Aktionäre mehr und offenere Fragen stellen und auf elektronischem Wege an den Hauptversammlungen teilnehmen und abstimmen dürfen. Bei einem zeitlich unbeschränkten Fragerecht soll künftig europaweit jeder Anteilseigner zu Wort kommen, egal ob er amTagungsort präsent ist oder sich – kurzzeitig – per Internet zuschaltet.

Daran entzündet sich Kritik. Fast alle Dax-Konzerne lehnen nach einer Handelsblatt-Umfrage das von der EU-Kommission geplante erweiterte Fragerecht ab. „Bereits heute werden auf unseren Hauptversammlungen zirka 350 Fragen gestellt. Das derzeit vorgesehene weitergehende elektronische Fragerecht lässt eine Frageflut befürchten, die ab einem bestimmten Umfang nicht mehr bewältigt werden kann“, sagt ein Daimler-Chrysler-Sprecher. In den vergangenen Jahren dauerten Aktionärstreffen des Automobilkonzerns in der Regel länger als zehn Stunden. Legendär ist, wie der Aufsichtsratsvorsitzende Hilmar Kopper den Daueropponenten Ekkehard Wenger aus dem Saal tragen ließ.

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