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27.11.2013

19:50 Uhr

Mehr Leiharbeitsplätze

Daimler reagiert auf Kritik an Werkverträgen

Der Daimler-Betriebsrat hat im Streit um umstrittene Werkverträge einen Sieg errungen. Rund 1400 externe Mitarbeiter sollen künftig als Leiharbeiter beschäftigt werden - und erhalten so mehr Rechte.

Produktion in Sindelfingen. dpa

Produktion in Sindelfingen.

StuttgartNach monatelanger Kritik will der Autohersteller Daimler rund 1400 Mitarbeiter in Werkverträgen künftig als Leiharbeiter beschäftigen. Nach Informationen des Gesamtbetriebsrats sollen Beschäftigungsverhältnisse vor allem in der Entwicklung, aber auch in der IT umgewandelt werden. Eine Betriebsratssprecherin bestätigte entsprechende Berichte „Stuttgarter Nachrichten“ und „Stuttgarter Zeitung“ (Donnerstag).

Firmen kaufen über Werkverträge Dienstleistungen von anderen Unternehmen ein. In jüngster Zeit war seitens der Gewerkschaft der Vorwurf des Lohndumping aufgekommen. Denn im Gegensatz zu Leiharbeitern unterliegen externe Mitarbeiter in Werkverträgen weder tarifvertraglichen Regelungen, noch Branchenzuschlägen oder Betriebsvereinbarungen. So hat der Betriebsrat kein Mitspracherecht.

„Wir überprüfen derzeit sehr genau die laufenden Werkverträge“, sagte Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm. Die nun angekündigte Umwandlung sei eine Reaktion darauf und das Ergebnis der öffentlichen Debatte. „Der Druck des Betriebsrats hat nicht unmerklich zur Einschätzung des Unternehmens beigetragen, dass diese Werkverträge auf Dauer nicht haltbar sind“, sagte Klemm den „Stuttgarter Nachrichten“. Nach seinen Worten sind 600 Verträge bereits unterschrieben, die übrigen 800 stehen kurz bevor.

Die zehn größten Autohersteller Europas

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,35 Millionen (-2,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,43 Millionen (- 2,0 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,56 Millionen (+5,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,62 Millionen (- 8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,64 Millionen (+ 0,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,75 Millionen (-4,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,8 Millionen (- 5,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 0,89 Millionen (+1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,11 Millionen (-10,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,49 Millionen (-2,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle


Ein Daimler-Sprecher wollte die Zahlen nicht bestätigen. Daimler unterziehe seit einigen Monaten alle Werkverträge einer gründlichen Überprüfung. Vor diesem Hintergrund seien einige nicht verlängert oder ausgesetzt worden - darunter auch Verträge, deren rechtliche Klärung noch ausstehe. Hier stelle Daimler im Zweifelsfall die Mitarbeiter fest ein oder setze Zeitarbeit ein.

Daimler war in den vergangenen Monaten wegen umstrittener Werkverträgen in die Kritik geraten. Zwei bei Dienstleistern beschäftigte IT-Spezialisten hatten vor dem Landesarbeitsgericht in Stuttgart auf Einstellung geklagt und damit Erfolg. Daraufhin hatte der Konzern ein Expertenteam zur Überprüfung der Werkverträge ins Leben gerufen und soziale Mindeststandards festgelegt. Diese gehen dem Betriebsrat aber nicht weit genug.

Die 1400 neuen Leiharbeiter haben nach dem Tarifvertrag für Leiharbeit auch Anspruch auf eine Übernahme nach zwei Jahren. Das sieht ein Tarifvertrag zur Leiharbeit vor. So bekommen weitere 100 Entwickler in Sindelfingen, die seit 18 Monaten als Leiharbeiter bei Daimler sind, demnach 2014 feste Arbeitsverträge.


Von

dpa

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

27.11.2013, 21:01 Uhr

Man sollte mal die 1400 fragen ob sie lieber auf Tagessatzbasis frei sind oder gegen fragwürdige Rechte Gewerkschaftern ausgeliefert.

Account gelöscht!

28.11.2013, 09:06 Uhr

Das stimmt. Für die immerhin mind. 900 Euro brutto mehr im Monat als Leiharbeiter darf ich nicht mal mehr so lang schaffen (35 statt 39h) und es wird vielleicht sogar erwartet, dass ich Beiträge bei der Gewerkschaft zahle. Da gehen auch noch mal 30 Euro im Monat drauf.

Was mach ich denn mit der Freizeit, dem Geld und den Nächten, die ich wieder durchschlafen kann, weil ich keinen Angst mehr um meinen Arbeitsplatz haben mus?

Ironie aus ...

Dino

28.11.2013, 11:55 Uhr

Unser LAND hat sich u.a. zum asozialen Arbeitgeber-"Staat" entwickelt !

Vom Arbeitnehmer 3.Klasse in die 2. Klasse, hübscher "Aufstieg" !

Warum lassen es sich Menschen im 21. Jahrhundert noch gefallen ?

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