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25.01.2010

07:20 Uhr

MEMC-Streit

Milliardenentlastung lässt Conergy-Aktie hochschießen

Das Solarunternehmen Conergy hat sich mit dem Zulieferer MEMC geeinigt und einen langen Streit über einen kostspieligen Liefervertrag damit beendet. Conergy-Chef Dieter Ammer spricht deshalb gar von einem Befreiungsschlag.

Conergy-Chef Dieter Ammer im Gespräch. dpa

Conergy-Chef Dieter Ammer im Gespräch.

HB HAMBURG. Das Solarunternehmen Conergy feiert einen wichtigen Befreiungsschlag: Nach monatelangen Verhandlungen haben sich die Hamburger im Streit mit ihrem Zulieferer MEMC aus den USA geeinigt. Der ursprünglich acht Mrd. $ schwere Liefervertrag für Siliziumwafer sei nun viel flexibler und an den tatsächlichen Bedarf der Conergy-Fabrik in Frankfurt (Oder) angepasst worden, teilte die im TecDax notierte Gesellschaft am Sonntagabend in Hamburg mit. Die Preise orientierten sich nun am Marktniveau. Die Börse reagierte begeistert. Zum Handelsauftakt am Montag sprang die Aktie um rund 25 Prozent nach oben.

„Mit der jetzt ausgehandelten Einigung haben wir es geschafft, unser Unternehmen von einer wesentlichen Bürde zu befreien“, erklärte Conergy-Chef Dieter Ammer. Wie ein Damoklesschwert habe der Streit über dem mit Verlusten kämpfenden Unternehmen geschwebt. Die Conergy-Zukunft hing maßgeblich vom Ausgang der Verhandlungen ab.

Der 2007 noch von Ammers Vorgänger Hans-Martin Rüter geschlossene Liefervertrag galt als zu groß, zu teuer und zu unflexibel.

Ursprünglich hatte der Kontrakt ein Volumen von bis acht Mrd. Dollar für zehn Jahre. Seitdem änderte sich die Marktlage aber dramatisch. Die Marktpreis für die einstige Mangelware Silizium ist eingebrochen. Bereits 2008 gelang Ammer ein Abbau des Volumen auf vier Mrd. Dollar. Das reichte aber nicht. Zu den alten Bedingungen wäre für Conergy ein rentabler Betrieb der Fabrik in Frankfurt nicht möglich gewesen. MEMC sperrte sich jedoch lange gegen einen neuen Kontrakt, so dass Conergy im April 2009 Klage auf Vertragsauflösung bei einem New Yorker Gericht einreichte und sämtliche Zahlungen einstellte.

MEMC erklärte sich nun bereit, einige bittere Pillen zu schlucken. So akzeptierten die Amerikaner, dass künftig ein Mindestbetrag von nicht einmal mehr eine Milliarde Dollar für die verbliebene Vertragslaufzeit von rund neun Jahren übrig blieb. Der variable Vertrag sieht zudem vor, dass sich die Laufzeit verlängert, wenn Conergy die vereinbarten jährlichen Mengen nicht wie vorgesehen abnimmt.

Kommentare (2)

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Horst Balonier, Neckarstrasse 2 Pfungstadt

26.01.2010, 12:52 Uhr

Herzlichen Glückwunsch und meinen Respekt vor
Herrn Ammer, einem Macher. Ebenso davor, dass die
börsianer reagierten. besonders ist dem US-Management der Siliziumlieferanten zu danken, dass diese die beidseitigen Notwendigkeiten sahen. Schade,dass man solche Verträge nicht unter Geschäftspartnern schneller regeln konnte. Wenn
der Lieferant nicht entgegen gekommen wäre, hätte dies auch dem US- Partner geschadet. Also kommt man sich entgegen und handelt partnerschaftlich.

Horst (George) balonier
Neckarstrasse 2
64319 Pfungstadt

Horst Balonier, Neckarstrasse 2 Pfungstadt

26.01.2010, 13:23 Uhr

Die Verhandlungen waren nicht nur für CONERGY ein befreiungsschlag, sondern auch für MEMC. Selbst dort
hat man dies erkannt, sich aber zunächst einmal quer
gestellt, mit dem Hintergedanken, eventuell Anteile
zu übernehmen oder das Hamburger Unternehmen mit
einem zweiten investor zu schlucken.

Vorstände, die einen 10 Jahresvertrag mit Zulieferern dieser branche abschließen und keine
gestaffelten konjunkturellen Möglichkeiten in die
Verträge einbeziehen, handeln grob fahrlässig.
Abweichungen jeglicher Art sind immer möglich, weil
es zu viele Entscheidungsparameter gibt, die ebenso
mit hochsignifikanten Risikoeinflussmöglichkeiten
bedenkt werden müssen. Gute Geschäftspartner wählen
Konfidenzintervalle und sprechen miteinander. Was
wäre denn gewesen, wenn Ammer das "Unternehmen hätte an die Wand laufen lassen?" Nicht in seinem
Sinne, da er selbst auch Aktien zeichnet. Aber falls er dies getan hätte, wäre MEMC auch nicht
geholfen gewesen. Dennoch unklug, wie sich das
Zulieferunternehmen verhalten hatte. Solange die
nicht benötigte Ware nicht oder nur in geringeren Mengen geliefert worden wäre, mit einem geänderten
Vertrag von beiden Seiten, sosind nur bestimmte Kosten für MEMC entstanden, die Ammer sicherlich
mit seinem Partner besprochen hätte, um eine sinnvolle gemeinsame Lösung zu finden.

Ammer hat Stehvermögen und sagt was er denkt. Ebenso würde er sogar bereit sein, zu eigenen Fehlern zu stehen und dies zu korrigieren. Dies zeichnet ihn aus meiner Sicht aus, glaub w ü r d i g
zu sein. Hoffentlich steht er CONERGY noch lange vor
und zeigt weiterhin vorbildlich, wer der Herr im Hause ist, ohne mit RAMbOMANiEREN zu arbeiten. Was notwendig ist, wird und muss notwendigerweise von
ihm erledigt werden. Genau dies tut er. Er ist
verlässlich und verliert keine bodenhaftung. Ebenso
zeigt er keine Überheblichkeiten. Selbst wenn er auf Gewinnerseiten arbeitet. Das macht den wahren
Manager aus. Weiter so, Herr Ammer.

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