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14.03.2006

07:24 Uhr

Merck greift nach Schering

Schach mit Kley als König

VonMatthias Eberle und Siegfried Hofmann

Ein Unternehmen mit 300-jähriger Tradition plant Milliardengeschäfte wie die Schering-Übernahme nicht von heute auf morgen. Der Vorsitzende des Merck-Familienrates, Jon Baumhauer, betonte am Montag, der Deal sei von langer Hand geplant gewesen. Insider sind sicher, dass die ersten Schachzüge auf dem Personaltableau sogar einige Jahre zurückreichen.

Der bisherige Lufthansa-Finanzchef Karl-Ludwig Kley soll Merck und Schering zusammenführen. Foto: dpa

Der bisherige Lufthansa-Finanzchef Karl-Ludwig Kley soll Merck und Schering zusammenführen. Foto: dpa

FRANKFURT. Das Spiel beginnt im April 2004, als die beiden starken Männer der Familie, Baumhauer und Frank Stangenberg-Haverkamp, ihre erste Figur in Stellung bringen. Der frühere Eon-Chef Wilhelm Simson wird in den Aufsichtsrat der Merck KGaA geholt und später zum Vorsitzenden des Gremiums berufen. Simson bringt umfangreiche Fusionserfahrung aus dem Zusammenschluss von Viag und Veba mit und soll dieses Know-how bei der Integration von Schering nutzen. Zusätzliche Pharma-Expertise holt sich Merck im Jahr darauf mit Rolf Krebs, dem früheren Chef von Boehringer Ingelheim.

Im Nachhinein scheint es fast, als sei die Trennung von Bernhard Scheuble ein Opfer, das man auf der Zielgeraden vor der Schering-Übernahme bringen musste. Als Scheuble im November 2005 überraschend bei Merck ausscheidet, interpretieren das viele Beobachter als Indiz dafür, dass er mit einem größeren Deal am Widerstand der Familie gescheitert war. Tatsächlich war es wohl umgekehrt: Die Familie hatte längst Schering ins Visier genommen – ein spektakuläres Manöver, das Scheuble nicht mittragen wollte. Der nüchterne und ehrgeizige Analytiker hatte Merck auf stärkere Kapitalmarktorientierung getrimmt und die Bilanz des Darmstädter Konzerns über viele Desinvestitionen für strategische Vorhaben gerüstet. Aber eine große Übernahme im Inland war nicht nach seinem Geschmack.

Da passte Michael Römer (59), der im November die Führung übernahm, schon eher. Ebenso wie Scheuble in der Chemiesparte von Merck groß geworden, verkörperte er mit seiner entspannten und kommunikativen Art in mancher Hinsicht fast das Gegenteil von Scheuble. Doch Römer galt von Beginn an nur als Übergangskandidat – inzwischen ist die nächste starke Figur im Schachspiel der Mercks gezogen.

Avanciert Karl-Ludwig Kley, bisher Finanzchef des Lufthansa-Konzerns, vom Springer zum König? Zunächst soll er ab 1. September als Nummer zwei im Konzern „die Integration von Schering steuern“, wie es offiziell heißt: In der Branche wird jedoch spekuliert, dass Kley noch im laufenden Jahr auf den Chefposten rücken könnte. Baumhauer sagte gestern: „Jüngere Mitglieder der Geschäftsleitung sind eher Kandidaten als ältere.“

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