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18.01.2010

21:10 Uhr

Merckle-Imperium

Teva und Pfizer ringen um Ratiopharm

VonSiegfried Hofmann

ExklusivBeim geplanten Verkauf des Pharmaherstellers Ratiopharm zeichnet sich ein Bieterwettbewerb zwischen den Arzneimittelherstellern Teva und Pfizer ab. Wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr, gehören die beiden Pharmakonzerne zusammen mit dem schwedischen Finanzinvestor EQT zu den drei Bietern in der Endrunde des Verfahrens.

Objekt der Begierde: Drei Bieter sind noch im Rennen um den Pharmahersteller Ratiopharm. Quelle: ap

Objekt der Begierde: Drei Bieter sind noch im Rennen um den Pharmahersteller Ratiopharm.

FRANKFURT. Sie sollen bis Anfang Februar verbindliche Angebote vorlegen. Alle anderen Interessenten sind offenbar aus dem Rennen. Fachleute, die mit den Vorgängen vertraut sind, erwarten den Preis für Ratiopharm bei etwa 2,8 bis drei Mrd. Euro. Der Erlös aus dem Verkauf dürfte damit höher ausfallen als noch zu Beginn des Verkaufsverfahrens im vergangenen Sommer erwartet. Er soll weitgehend zur Entschuldung des bisherigen Eigners, der Ulmer Merckle-Gruppe, verwendet werden, die sich vor gut einem Jahr auf Druck ihrer Gläubigerbanken zum Verkauf von Ratiopharm verpflichtet hat. Das Verkaufsverfahren startete offiziell im vergangenen Juni und wird von Commerzbank und Royal Bank of Scotland koordiniert. Die Merckle-Gruppe und die beteiligten Unternehmen wollten gestern zum Stand der Verkaufsverhandlungen nicht Stellung nehmen. Mit einem Abschluss wird weiterhin noch im ersten Quartal gerechnet.

Nummer fünf des Markts

Ratiopharm erzielte 2009 nach eigenen Angaben mit rund 5 300 Beschäftigten einen Umsatz von rund 1,6 Mrd. Euro und einen stabilen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 300 Mio. Euro. Das Ulmer Unternehmen gilt damit als fünftgrößter Hersteller von patentfreien Nachahmermedikamenten (Generika), mit deutlichem Abstand hinter den Branchenführern Teva mit rund 9,3 Mrd. Euro Umsatz und Novartis/Sandoz mit rund fünf Mrd. Euro.

Merckle profitiert bei den Verkaufsverhandlungen offenbar davon, dass sich die Bewertungen für Generikafirmen von einem Tiefpunkt im Frühjahr 2009 in den letzten Monaten wieder spürbar erholt haben. Mit knapp dem zweifachen Umsatz und dem zehnfachen Ebitda bewegt sich der erwartete Preis für Ratiopharm in etwa auf dem aktuellen Bewertungsniveau von börsennotierten Generikafirmen wie Mylan, Watson oder Stada. Bei größeren Transaktionen der letzten Jahre wurden dagegen zum Teil deutlich höhere Preise gezahlt. Allerdings entpuppten sich etliche dieser Deals, so etwa die Übernahme von Ranbaxy durch die japanische Daiichi Sankyo und der Kauf von Hexal durch Novartis, als überteuert.

Bei der Konsolidierung der Generikaindustrie in den letzten Jahren haben durchweg strategische Käufer wie Teva, Mylan oder Novartis den Ton angegeben. Das dürfte auch bei Ratiopharm so sein. Dem Private-Equity-Fonds EQT räumen Beobachter nur geringe Chancen ein, da die Konkurrenten aus der Pharmabranche über das größere strategische Interesse, höheres Synergie-Potenzial und die stärkere Finanzkraft verfügen.

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