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19.11.2015

06:53 Uhr

Mercks Milliarden-Deal

Die größte Übernahme in der Firmengeschichte

VonSiegfried Hofmann

Merck macht die Übernahme von Sigma-Aldrich perfekt. Das Darmstädter Traditionsunternehmen wandelt sich so zum führenden Lieferant von Spezialchemikalien im weltweit 130 Milliarden US-Dollar großen Life-Science-Markt.

Der Pharmakonzern Merck hat eine Transformation erlebt. dpa

Merck

Der Pharmakonzern Merck hat eine Transformation erlebt.

FrankfurtFast vierzehn Monate nachdem Merck die größte Übernahme in seiner mehr als 300 Jahren langen Firmengeschichte vereinbart hat, macht der Pharmakonzern den Milliarden-Deal nun perfekt. Für umgerechnet etwa 13 Milliarden Euro übernimmt das Darmstädter Traditionsunternehmen den US-amerikanischen Laborzulieferer Sigma-Aldrich. Merck wird damit zu einem der führenden Anbieter von Chemikalien und anderen Produkten für die molekularbiologische Forschung und die Pharmaproduktion.

Mit künftig rund 4,6 Milliarden Euro Umsatz im Life-Science-Geschäft sehen sich die Darmstädter in dem etwa 130 Milliarden Dollar großen Markt nun als Nummer zwei nach dem US-Konkurrenten Thermo Fisher.

Mercks will Sigma-Aldrich mit seiner bisherigen Sparte Millipore zum neuen Unternehmens-Bereich „Life-Science“ zusammenfassen. „Wir sind nach wie vor vollständig begeistert von dieser Akquisition“, sagte Bernd Reckmann dem Handelsblatt. Er ist in Geschäftsleitung von Merck für die Bereiche Life-Science und Performance-Materials zuständig: „Es gibt mehrere Gründe, die den Kauf von Sigma-Aldrich so attraktiv machen. Das Füllen von Lücken im Produktportfolio, eine stärkere globale Präsenz und der Zugriff auf Fähigkeiten im Online-Handel. Alle haben sich bestätigt.“ Reckmann schätzt, dass der Life-Science-Markt langfristig um etwa vier bis fünf Prozent wachsen wird. Im laufenden Jahr dürfte er sogar noch etwas stärker zulegen.

Die Übernahme stellt für die Darmstädter den Abschluss einer mehrjährigen Transformationsphase dar. Sie ging mit einem Transaktionsvolumen von insgesamt 38 Milliarden Euro für Zukäufe und Desinvestitionen in den vergangenen zehn Jahren einher. In diesem Zeitraum erwarb der Merck neben Sigma-Aldrich auch den Pharmahersteller Serono, den Biotechzulieferer Millipore und den Elektronikchemikalien-Hersteller AZ.

Rechnet man die jüngsten Quartalszahlen von Sigma-Aldrich auf das Gesamtjahr hoch, dürfte Merck mit diesem Zukauf knapp 2,5 Milliarden Euro Jahresumsatz und 500 bis 600 Millionen Euro Betriebsgewinn hinzugewinnen. Aus der Integration des US-Unternehmens will Merck in den kommenden Jahren rund 260 Millionen Euro an Synergien herausholen. So sind Einsparungen in der Verwaltung und eine stärkere Nutzung des E-Commerce-Vertriebs von Sigma geplant. Diese Ziele hat Reckmann nun erneut bekräftigt.

Details der Zusammenführung beider Unternehmen sollen in den kommenden Monaten zehn Arbeitsgruppen erarbeiten. Die Kosten für die Eingliederung werden auf 400 Millionen Euro geschätzt und dürften teilweise bereits im Jahr 2015 verbucht werden. Geführt wird die neu formierte Sparte Life-Science von Udit Batra, der seit 2014 bereits für die Merck-Tochter Millipore verantwortlich ist.

Mit der Transaktion verlagert sich das Gewicht des Merck-Konzerns wieder stärker in den Chemiebereich. Gemessen an den Pro-forma-Zahlen für die ersten neun Monate 2015 inklusive Sigma wird die Gesundheitssparte von Merck (Pharma, rezeptfreie Gesundheitsprodukte) künftig nur noch etwa 46 Prozent zum Konzernumsatz beisteuern. Der Bereich Life-Science macht 37 Prozent, der Bereich Performance-Produkte (Flüssigkristalle, Elektronik-Chemikalien, Pigmente) 17 Prozent aus.  

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