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22.01.2010

11:58 Uhr

Messe Boot

Bootsmarkt sucht Kurs in stürmischer Zeit

VonAxel Granzow

Am Samstag beginnt in Düsseldorf die „Boot“. Die Branche ist nicht in bester Laune: Die Krise hat zu einem Einbruch bei Produktion und Umsatz der Werften geführt. Ein Viertel der Beschäftigten in der Branche verloren ihren Job. Auch die Zeit der Superyachten mit über 24 Meter Länge ist vorbei. Jetzt steht die Konsolidierung des Marktes an.

Vorbereitung auf die Messe Boot: Yachten werden poliert, die Branche sortiert sich. dpa

Vorbereitung auf die Messe Boot: Yachten werden poliert, die Branche sortiert sich.

DÜSSELDORF. Der Bootsbranche bläst zur Zeit ein sehr rauer Wind ins Gesicht. Im vergangenen Jahr ist die Produktion von Booten und Yachten regelrecht eingebrochen und um 60 Prozent zurückgegangen. Nur, weil auch aus den Lagern verkauft wurde, beschränkte sich das Minus im Umsatz mit Booten auf 25 Prozent. Er fiel auf 415 Millionen Euro.

"Es hat nur deshalb keine spektakulären Zusammenbrüche gegeben, weil die vielen Mittelständler der Branche flexibel reagieren konnten", meinte Jürgen Tracht, Geschäftsführer des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft (BVWW) im Hinblick auf die Messe Boot, die vom 23. bis 31.1. in Düsseldorf stattfindet. Dennoch hätten die Unternehmen etwa 25 Prozent der Arbeitsplätze abgebaut.

Laut Tracht zählt die Branche vom Servicebetrieb bis hin zur Serienwerft 2 500 Unternehmen mit 10 000 bis 12 000 Beschäftigten. Den Umsatz der gesamten Wassersportbranche, inklusive der konjunkturell stabileren Bereiche Tauchen, Surfen und Dienstleistungen, bezifferte er auf 1,65 Milliarden Euro. Hier betrug der Rückgang lediglich 10,5 Prozent.

Von einst drei größeren Serien-Yachtbauern sind allerdings nur noch zwei übrig geblieben - Hanse Yachts aus Greifswald und Bavaria. Beide behaupten sich mehr oder weniger. Die 1963 gegründete Dehler-Werft aus dem sauerländischen Freienohl ist dagegen gerade als selbstständiges Unternehmen untergegangen und unter das Dach der Hanse Yachts (Hanse, Fjord, Moody) geschlüpft. Diese hat Dehler aus der Insolvenz heraus Mitte vergangenen Jahres übernommen und führt die Werft nun als eigene Marke. In Freienohl ist nur noch der Bau kleiner und moderner Küstenkreuzer zwischen fünf und zehn Metern vorgesehen. Die Produktion größerer Yachten wandert nach Greifswald und lastet dort die Kapazitäten aus.

Finanzinvestoren retteten Bavaria

Konkurrent Bavaria Yachtbau konnte sich nur mit Hilfe von zwei US-Fonds über Wasser halten und will damit nun aber wieder neu durchstarten, wenn auch auf kleinerer Flamme. Zuvor hatte sich ein Finanzinvestor an der Werft verhoben. Auf der Düsseldorfer Bootsmesse stellen sowohl Dehler als auch Bavaria wieder einige Neuheiten im unteren und mittleren Preissegment vor.

Tracht räumt dann auch ein, dass die Zeiten der großen Yachten vorüber sind. "Je größer die Schiffe sind, desto schwieriger ist das Geschäft." Besonders bei den Superyachten mit über 24 Meter Länge sei das Geschäft schlecht. Das ist die Domäne großer Werften wie der Familienunternehmen Abeking & Rasmussen aus Lemwerder bei Bremen oder Lürssen aus Bremen, die vornehmlich mit der Marine im Geschäft sind, aber auch des 1970 gegründeten Bremer Familienunternehmens Drettmann, das allerdings im Ausland, beispielsweise in Taiwan, produzieren lässt.

Auch die Düsseldorfer Bootsmesse hat die Krise der Wassersportbranche zu spüren bekommen, wie Messe-Chef Werner Dornscheidt sagte. Es kommen 1 550 Aussteller - knapp 100 weniger als im Vorjahr. Das Angebot reicht vom Angelhaken bis zur Großyacht.

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