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20.04.2014

11:34 Uhr

Messe in Peking

Autobauer setzen voll auf China

Die großen Autohersteller aus der ganzen Welt produzieren nicht nur in China, sie setzen dort auch immer mehr ihrer Wagen ab. Der Boom geht weiter, meinen Experten. Die aktuelle Automesse in Peking soll das beweisen.

BMW präsentiert auf der Pekinger Automesse sein Konzeptauto "Vision Future Luxury". Wie alle großen Autobauer setzen auch die Bayern auf einen weiter boomenden Markt. dpa

BMW präsentiert auf der Pekinger Automesse sein Konzeptauto "Vision Future Luxury". Wie alle großen Autobauer setzen auch die Bayern auf einen weiter boomenden Markt.

PekingDie Autowelt dreht sich um China: Reißender Absatz, täglich neue Händler und jetzt auch die Elektroautos. Während die Talsohle in Europa noch durchschritten werden muss, winkt das Reich der Mitte unverändert mit traumhaften, zweistelligen Wachstumsraten. Bei der Eröffnung der Pekinger Automesse zeigten sich die Chefs der großen Autobauer mit Gespräch mit der Welt am Sonntag überzeugt, dass der Boom auf ihrem größten Markt in China weitergeht. Die Gefahr einer zu großen Abhängigkeit wiesen sie zurück. „Das Risiko, nicht hier zu sein, ist größer als die Gefahr, hier zu sein“, sagte Audi-Chef Rubert Stadler.

Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche verwarf solche Befürchtungen. „Die Konsequenz wäre doch, dass wir weniger Autos verkaufen - ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist“, sagte Zetsche. Ähnlich äußerte sich der China-Vorstand von Volkswagen, Jochem Heizmann: „Die Frage ist doch eher: Wie gehen wir mit den Chancen und Risiken in China um?“ BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson sagte, die Münchner Nobelmarke suche „eine Balance zwischen Risiken und Möglichkeiten“: „Wir legen nicht alle Eier in ein Nest.“

Automesse Peking

VW will in China Elektrooffensive starten

Der Volkswagen-Konzern will in China eine Offensive für Elektroautos starten. "Der Volkswagenkonzern übernimmt erneut eine Vorreiterrolle in China und startet die größte Initiative für E-Mobilität in Chinas automobiler Geschichte", erklärte VW-Vorstandschef Martin Winterkorn am Wochenende anlässlich der 13. Auto-Show in Peking. Den Auftakt dafür sollten noch in diesem Jahr die Modelle electric up und der e-Golf bilden. "Wir beschreiten nun auch hier in China den Weg zur langfristig emissionsfreien Mobilität", sagte Winterkorn dazu nach VW-Angaben weiter. Im kommenden Jahr will VW demnach in China zudem mit dem Audi A3 e-tron sowie dem Golf GTE zwei Hybridfahrzeuge auf den Markt bringen. Weitere Hybridfahrzeuge seien für 2016 vorgesehen. "Dank unserer Modularen Baukästen, die wir auch in unseren chinesischen Fabriken implementieren, können wir nahezu jedes Fahrzeug unserer Modellpalette elektrifizieren, vom Kleinwagen bis zur großen Limousine", erläuterte der Konzern-Chef. Er wies darauf hin, dass bereits heute 17 VW-Modelle die chinesischen Anforderungen für besonders energiesparende Fahrzeuge erfüllten. Unterdessen treibt VW offenbar auch seine Vorbereitungen für ein neues Billigauto vor allem für den chinesischen Markt voran. Über den Start des sogenannten "Budget Car" werde in Kürze entschieden, hieß es in der "Automobilwoche". "Wir sind mit dem neuen Auto sehr gut unterwegs und rechnen für die kommenden Wochen mit der finalen Freigabe", zitierte die Branchenzeitung VW-Projektleiter Hans Demant. Das neue Auto soll demnach etwa 7000 Euro kosten und voraussichtlich Ende 2016 oder Anfang 2017 zunächst in China, später aber auch auf anderen asiatischen Märkten angeboten werden. afp

Daimler erwartet kräftiges Absatzwachstum

Daimler erwartet in China trotz der dortigen Konjunkturabkühlung in diesem Jahr einen kräftig steigenden Autoabsatz. Er gehe von einem prozentual zweistelligen Wachstum des chinesischen Pkw-Marktes aus, sagte Konzernchef Dieter Zetsche am Sonntag auf der Pekinger Automesse. Dabei werde der Premium-Markt stärker zulegen. Daimler selbst erwarte ein höheres Absatzwachstum als im vergangenen Jahr als die Marke Mercedes-Benz ein Plus von elf Prozent verzeichnet hatte. Im nächsten Jahr sei sogar ein noch stärkerer Zuwachs möglich, da Mercedes dann die Umstellung auf die neue C-Klasse hinter sich habe. rtr

Chinas Autobauer Qoros kündigt für 2015 Markteintritt in Europa an

Nach einer Bestnote bei einem europäischen Crashtest hat der chinesische Autobauer Qoros für das kommende Jahr seinen Einstand in Europa angekündigt. „Wir kommen zunächst klein und 2016 dann größer“, sagte der stellvertretende Vorstandschef Volker Steinwascher der Nachrichtenagentur dpa am Rande der Automesse in Peking. Die Gründung eines israelischen Finanzkonsortiums und des chinesischen Herstellers Chery hatte in den vergangenen Monaten bereits mehrfach öffentlich über einen Markteintritt in Europa spekuliert. In Peking stellte das Unternehmen mit dem Qoros 3 Hatch einen Fünftürer vor, den Autoexperten als möglichen Golf-Konkurrenten handeln. Steinwascher machte jedoch keine Angaben zu Daten oder Modellen für den europäischen Markt. Bisher waren die Versuche chinesischer Autobauer, in Europa Fuß zu fassen, unter anderem am schlechten Abschneiden bei Crashtests gescheitert. dpa

Subventionen verbilligen Daimlers Elektroauto Denza in China

Daimler setzt beim Verkauf seines neuen Elektroautos Denza in China auf Impulse durch staatliche Förderung. Der Staat steuere rund ein Drittel des Preises von umgerechnet 43 000 Euro bei, erklärte Daimler am Sonntag auf der Automesse in Peking. Das batteriebetriebene Fahrzeug sei das erste, das Daimler zusammen mit seinem chinesischen Partnerunternehmen BYD komplett außerhalb Deutschlands entwickelt habe, sagte Forschungsvorstand Thomas Weber. Der Denza soll im September auf den Markt kommen. China will mit strengeren Klimavorschriften die starke Luftverschmutzung eindämmen und fördert deshalb auch die abgasfreien Elektroautos. Die staatliche Förderung soll dazu beitragen, bis 2020 fünf Millionen Elektroautos auf die Straße zu bringen. Die Subventionen gelten nur für Fahrzeuge, die in China hergestellt wurden. Bisher ist die Nachfrage allerdings noch gering, da die Autos vergleichsweise teuer und das Netz von Ladestationen noch grob ist. Der Denza hat eine Reichweite von 300 Kilometern. Bei einer durchschnittlichen Fahrstrecke von 50 bis 80 Kilometern täglich müsse die Batterie nur zwei Mal wöchentlich geladen werden, rechnete Daimler vor. rtr

Siemens will mit chinesischem Partner Elektro-Antriebe produzieren

Siemens will mit dem chinesischen Partner Beijing Automotive (BAIC) elektrische Fahrzeugantriebe herstellen. Zum Auftakt der Automesse in Peking am Sonntag gründeten sie ein Joint-Venture. Die neue Firma soll Motoren sowie Komponenten für Hybrid- und reine Elektro-Fahrzeuge produzieren. Noch für dieses Jahr sind Prototypen und eine Kleinserie geplant. Im nächsten Jahr sollen Produktionsstätten mit einer Kapazität von 100 000 Antriebseinheiten eröffnet werden. Die BAIC-Gruppe ist einer der größten Autohersteller Chinas und will die neuen Antriebe künftig in ihren Autos verbauen. dpa

Toyota baut neue Hybrid-Modell komplett in China

Toyota will mit der kompletten Produktion von Hybridautos in China hohe Importzölle für eingeführte Motorenteile sparen. Der Weltmarktführer von Hybridautos kündigte am Sonntag auf der Automesse in Peking an, im kommenden Jahr Hybridversionen seiner Modelle Corolla und Levin auf den Markt zu bringen. Die Japaner produzieren bereits den Prius und den Camry mit kombiniertem Antrieb von Batterie und Verbrennungsmotor in China, müssen dafür aber Komponenten teuer importieren. Um das zu vermeiden, sollen Batterien und Getriebe der mit Strom und Gas laufenden Fahrzeuge lokal hergestellt werden, wie Vizepräsident Yasumori Ihara erklärte. Der weltgrößte Autobauer peilt für dieses Jahr einen Absatz in der Volksrepublik von 1,1 Millionen Fahrzeugen an. Längerfristig soll die Zwei-Millionen-Marke geknackt werden. Ihara sagte allerdings nicht, bis wann Toyota das erreichen will. Die Millionenmarke wollten die Japaner bereits vor vier Jahren überspringen. Im vergangenen Jahr bremste allerdings der Streit Japans und Chinas über eine Inselgruppe den Absatz, weil chinesische Kunden japanische Autos aus politischen Gründen verschmähten. Im vergangenen Jahr steigerte Toyota den Verkauf von umweltschonenden Hybrid-Autos in China sprunghaft auf 20 400 Stück gegenüber knapp 8000 im Jahr zuvor. Der Hersteller setzt darauf, dass die schärferen Klimavorschriften in China die Nachfrage nach Autos mit CO2-armen Motoren ankurbelt. rtr

Auf der Messe in Peking, die nach Detroit, Genf und Frankfurt, zum Mekka der internationalen Autobauer aufgestiegen ist, buhlen mehr als 2000 Aussteller aus 14 Ländern um den Milliardenmarkt. In einer Weltpremiere präsentierten Daimler und sein chinesischer Partner BYD (Build Your Dreams) ihr gemeinsam entwickeltes Elektroauto Denza. Es hat eine Reichweite bis zu 300 Kilometern. Der Fünfsitzer wird 369 000 Yuan kosten (42 800 Euro). Mit den chinesischen Subventionen kann der Preis auf weniger als 30 000 Euro fallen. Zudem zeichnen sich leichtere Zulassungen in Städten mit Beschränkungen für Nummernschilder, wie Peking oder Shanghai, ab.

Ein Konzeptauto für luxuriöse Zukunftsträume präsentierte BMW mit dem „Vision Future Luxury“. Die Edelkarosse, die in der Fachpresse als „9er BMW“ beschrieben wird, zielt auch auf den chinesischen Markt. „Große Autos sind in China wichtig“, sagte BMW-Vorstand Robertson der Nachrichtenagentur dpa. Jeder zweite 7er BMW werde schon in China verkauft. Er kündigte an, dass die Münchner ihre Kapazitäten im Reich der Mitte „mittelfristig“ von 300 000 auf 400 000 hochfahren werden.

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