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08.05.2012

13:25 Uhr

Metallbranche

Rheinmetall konzentriert sich auf Rüstung

Das Düsseldorfer Unternehmen zieht sich aus der Autobranche zurück und konzentriert sich auf das Waffengeschäft. Die Konzern-Tochter KSPG geht an die Börse - davon profitierte die Rheinmetall-Aktie deutlich.

Panzer „Fuchs“: Wird vom Düsseldorfer Konzern Rheinmetall produziert. obs

Panzer „Fuchs“: Wird vom Düsseldorfer Konzern Rheinmetall produziert.

DüsseldorfDeutschlands größter Rüstungshersteller Rheinmetall zieht sich schrittweise aus dem Autogeschäft zurück. Mit dem geplanten Börsengang des Tochterunternehmens KSPG AG (früher Kolbenschmidt Pierburg) bekommt der Düsseldorfer Konzern einen größeren Spielraum für den Ausbau seiner Geschäfte mit gepanzerten Fahrzeugen, Flugabwehrsystemen, Waffen und Munition. „Die Stärkung der Wehrtechniksparte wird auch in Zukunft im Mittelpunkt stehen“, sagte ein Konzernsprecher am Dienstag der dpa. Der Börsengang ermögliche auch dem Autozulieferer größeren Handlungsspielraum.

Die KSPG AG (Neckarsulm) soll bis Ende Juni 2012 an die Börse gebracht werden. „Nach einem Börsengang wird Rheinmetall zunächst mehrheitlich an KSPG beteiligt bleiben, beabsichtigt aber in Schritten die Kontrolle abzugeben“, gab die Rheinmetall AG am Montagabend nach einer Aufsichtsratssitzung in Düsseldorf bekannt.

Die Pläne kamen an der Börse gut an. Die Rheinmetall-Aktie legte am Dienstag nach Handelsbeginn zeitweise um mehr als 4 Prozent auf knapp 40 Euro zu und gehörte damit zu den stärksten Werten im Aktienindex MDAX. Die Details des geplanten Börsengangs der KSPG AG werden in den kommenden Wochen erwartet. In Branchenkreisen wird der Gesamtwert der KSPG auf ungefähr 1 Milliarde Euro geschätzt.

Der Düsseldorfer Konzern verabschiedet sich mit dem Börsengang der Tochter perspektivisch von seiner Zwei-Säulen-Strategie, die der Vorstand 2011 auf den Prüfstand gestellt hatte. Gemessen am Umsatz sind die Rüstungssparte und die Autozuliefersparte fast gleich groß. Größter Kunde der Rüstungssparte ist mit einem Umsatzanteil von etwa 30 Prozent die Bundeswehr, der Anteil ausländischer Kunden wächst. Die Autozuliefersparte KSPG stellt vor allem Motorteile und Abgassysteme her und gehört mit 30 Standorten auf der ganzen Welt zu den Top 100 der Autozulieferer. Rheinmetall baute die Tochter in der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise um, schloss ein Werk in Hamburg und baute weltweit einige hundert Arbeitsplätze ab. Die Sparte schrieb im Jahr 2009 rote Zahlen und kehrte 2010 in die Gewinnzone zurück.

Die aktuell 11 700 Mitarbeiter zählende Autozuliefersparte nimmt mit Rekordmarken im Rücken Kurs auf die Börse: 2011 kletterte der Umsatz um fast 17 Prozent auf 2,31 Milliarden Euro. Damit wurde der Umsatzhöchststand vor der Wirtschaftskrise von 2,25 Milliarden Euro übertroffen. Der operative Gewinn (EBIT) stieg 2011 um 86 Prozent auf 151 Millionen Euro. Das war ebenfalls ein neuer Höchststand. Die Anfänge reichen über 100 Jahre zurück: Pierburg wird 1909 als Stahlhandel gegründet, Kolbenschmidt startet ein Jahr später als Hersteller von Anlagen zur Metallschmelze. Doch beide Unternehmen entwickeln sich schnell in Richtung Auto. Pierburg feiert Erfolge mit seinen Vergasern, Kolbenschmidt - wie der Name schon sagt - verlegt sich auf Kolben. Es folgt eine wechselvolle Geschichte mit mehreren Besitzerwechseln und dem zwischenzeitlichen Gang an die Börse. 1986 beziehungsweise 1998 schlüpfen die zwei Firmen schließlich unter das Rheinmetall-Dach, seit 2007 gehören sie zu 100 Prozent dem Konzern.

Von

dpa

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