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01.01.2017

16:50 Uhr

Metallindustrie

Experten rechnen mit geringem Wachstum

Krisen in aller Welt sind Risiken für die Geschäfte der Metallindustrie. Experten rechnen deshalb mit einem geringen Wachstum in diesem Jahr. Doch Gesamtmetall-Präsident Dulger treibt vor allem eine andere Sorge um.

Unabhängig von den Krisenherden in der Welt hält der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Rainer Dulger, die schwache Produktivität derzeit für das größte Problem. dpa

Deutsche Metallindustrie rechnet mit Mini-Wachstum

Unabhängig von den Krisenherden in der Welt hält der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Rainer Dulger, die schwache Produktivität derzeit für das größte Problem.

BerlinSchwaches Wachstum, keine neuen Arbeitsplätze – die Metall- und Elektroindustrie erwartet ein bescheidenes Jahr 2017. Unabhängig von den zahlreichen Krisenherden in der Welt hält der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Rainer Dulger, die schwache Produktivität derzeit für das größte Problem. Von der nächsten Bundesregierung verlangt er Impulse für die Wirtschaft.

„Wir rechnen für 2017 im besten Fall mit Wachstum von einem Prozent“, sagte Dulger der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Für 2016 werde wohl eine Produktionserhöhung von etwa 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresniveau herauskommen. „Wir erleben im Moment eine Wellblech-Konjunktur. Wir haben Berge und Täler, und die Abstände zwischen Bergen und Tälern werden immer kürzer“, beschrieb er die Lage.

„Meine größte Sorge ist die weiter schwache Produktivität in unserem Land, auch in der Metall- und Elektroindustrie. Das ist die eigentliche Bedrohung, auf die wir immer wieder aufmerksam machen müssen“, stellte der Unternehmer aus Heidelberg fest. Seit der akuten Finanzmarktkrise im Herbst 2008 seien „die Löhne und Gehälter um fast 25 Prozent gestiegen, aber die Produktivität nur um zwei Prozent“. Die Produktivität sei „entscheidend dafür, wie zukunftsfähig ein Unternehmen ist“, sagte der Metall-Präsident

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Der Zuwachs an Arbeitsplätzen dürfte sich nicht fortsetzen. „Sofern nicht ein unerwarteter Konjunkturimpuls kommt, ist ein weiterer Aufbau von Beschäftigung 2017 angesichts eines schwachen Produktionszuwachses eher nicht zu erwarten“, sagte Dulger.

Im vergangenen Jahr habe die Branche von Januar bis September etwa 25.000 Beschäftigte zusätzlich eingestellt. „Die aktuellen Beschäftigungspläne der Unternehmen signalisieren aber Zurückhaltung bei weiteren Neueinstellungen. Für das Gesamtjahr 2016 rechnen wir mit etwa 27.000 neuen Stammarbeitsplätzen, 2015 waren es etwa 40.000“, fasste Dulger zusammen.

Mit Blick auf die Bundestagswahl im Herbst appellierte der Verbandspräsident an die künftige Bundesregierung: „Wir sollten in der nächsten Legislaturperiode mehr Wirtschaft wagen. Die Belange der Wirtschaft haben in dieser Legislaturperiode faktisch keine Rolle gespielt.“ Im europäischen Vergleich sei Deutschland „ein Hort der Stabilität. Und für diese Stabilität sorgen vor allem unsere Industrie-Arbeitsarbeitsplätze.“

Das hätten „weder die Kanzlerin noch die große Koalition in dieser Legislaturperiode honoriert“. Stattdessen habe die Gesetzgebung zu Renten, Zeitarbeit und Werkverträgen die Abläufe der Wirtschaft erschwert.

Von

dpa

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