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27.09.2015

16:34 Uhr

Mexiko unterstützt Volkswagen

Mexikanische Polizei soll VW helfen

VonKlaus Ehringfeld

Wegen der Diesel-Krise bei VW fürchtet der Gouverneur des mexikanischen Bundesstaats Puebla um Arbeitsplätze. Um dem deutschen Konzern zu helfen, kündigt er eine Bestellung an. Die Polizisten vor Ort dürfte das freuen.

Zwischen Mexiko und Volkswagen gab es schon immer eine enge Verbindung. 2003 rollte hier der letzte VW-Käfer vom Band. ap

VW-Käfer-Produktion in Mexiko

Zwischen Mexiko und Volkswagen gab es schon immer eine enge Verbindung. 2003 rollte hier der letzte VW-Käfer vom Band.

Mexico-StadtGuten Freunden steht man in schweren Zeiten bei. Das ist auch in Mexiko nicht anders. Und daher kündigte der Gouverneur des Bundesstaates Puebla, Rafael Moreno Valle, Mitte vergangener Woche an, dem örtlichen Volkswagenwerk, das stark von der Diesel-Krise in Mitleidenschaft gezogen wird, helfend unter die Arme greifen zu wollen.

In einem Treffen mit Vertretern des Vorstands von VW de México sagte der Gouverneur, er wolle auf Staatskosten Fahrzeuge bei dem deutschen Autobauer bestellen. „In diesem schweren Moment für das Unternehmen ist es für mich wichtig, Volkswagen meine Unterstützung zu versichern“, äußerte Moreno Valle gegenüber örtlichen Medien. Vor allem denke er dabei an die rund 11.000 Arbeiter des Werkes.

Der VW-Abgasskandal - eine Chronik

Freitag, 18. September

Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren.

Samstag, 19. September

Die Deutsche Umwelthilfe fordert angesichts der VW-Manipulationsvorwürfe ein Fahrverbot für Dieselautos. Das Problem bestehe nicht nur in den USA, sondern noch stärker in Europa.

Sonntag, 20. September

Winterkorn kündigt eine umfassende Aufklärung an. „Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben“, teilte er mit und erklärt das Thema zur „höchsten Priorität“. Später räumt ein Konzernsprecher ein, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist.

Montag, 21. September

Volkswagen stoppt den Verkauf von Dieselwagen mit Vierzylinder-Motoren in den USA. Betroffen sind dort Modelle der Kernmarke VW und der Tochter Audi. Die Vorzugsaktie von VW bricht zeitweise um mehr als ein Fünftel ein. In den USA entschuldigt sich VW-Regionalchef Michael Horn: „Wir haben Mist gebaut.“

Dienstag, 22. September

Auch in Absatzmärkten außerhalb der USA gibt es Forderungen, Klarheit über das Ausmaß der Affäre zu schaffen. VW gibt eine Gewinnwarnung heraus und kündigt Milliarden-Rückstellungen an. In einem Video bittet Winterkorn um Entschuldigung.

Mittwoch, 23. September

Winterkorn tritt zurück. „Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“, erklärt er seinen Schritt. Der Aufsichtsrat kündigt eine Entscheidung über die Nachfolge an.

Donnerstag, 24. September

Die Affäre bringt die gesamte Industrie in Bedrängnis. Vorwürfe werden laut, auch andere Hersteller könnten manipuliert haben. Viele dementieren das. Daneben gibt es etliche Personalspekulationen rund um VW. Medien berichten, Porsche-Chef Matthias Müller habe die besten Chancen, Winterkorn zu beerben.

Freitag, 25. September

Der VW-Aufsichtsrat wählt Matthias Müller zum neuen Konzernchef.

Montag, 28. September

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitet Ermittlungen ein.

Dienstag, 29. September

Volkswagen legt einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselwagen mit manipulierter Software vor und will fünf Millionen Fahrzeuge der Kernmarke VW in die Werkstätten holen.

Mittwoch, 30. September

Das Präsidium des Aufsichtsrates tagt. Es schlägt vor, die im November geplante außerordentliche Aufsichtsratssitzung abzusagen. Trotz der Affäre soll der langjährige VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch weiterhin neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden.

Die VW-Finanztochter verhängt einen Einstellungsstopp bis zum Jahresende, auslaufende Zeitverträge werden nicht verlängert.

Donnerstag, 1. Oktober

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig rudert zurück: Entgegen früheren Angaben führt sie kein formelles Verfahren gegen Winterkorn. Neuer VW-Finanzchef wird nach dem Wechsel von Hans Dieter Pötsch in den Aufsichtsrat der Leiter der Finanzsparte, Frank Witter.

Freitag, 2. Oktober

Der US-Kongress teilt mit, dass sich VW-Landeschef Michael Horn am 8. Oktober den Abgeordneten in einer Befragung stellen muss. Auf speziellen Internetseiten können Kunden von VW und Audi prüfen, ob ihr Wagen die Manipulations-Software verwendet.

Dienstag, 6. Oktober

Betriebsratschef Bernd Osterloh und Müller sprechen bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg zur Belegschaft. Osterloh betont, bisher gebe es noch keine Konsequenzen für Jobs - laut Müller stellt die Abgas-Affäre aber bereits geplante Investitionen infrage.

Ein Sprecher von VW de México bestätigte, dass die Provinzregierung den Kauf in Aussicht gestellt habe. Es gehe dabei vor allem um rund hundert bis 200 Polizeifahrzeuge. Es sei im Wesentlichen eine „symbolische Aktion“, betonte der Sprecher gegenüber dem Handelsblatt. Diese Geste zeige die Verbundenheit, die der Bundesstaat rund 120 Kilometer südöstlich von Mexiko-Stadt mit dem Unternehmen habe. „Wenn es Volkswagen gut geht, geht es auch Puebla gut“, ist eines der geflügelten Worte des Gouverneurs.

Denn Gouverneur Moreno Valle weiß um die Bedeutung des Automobilsektors im Allgemeinen für seinen Bundesstaat und Volkswagen im Besonderen. Ein Viertel der Wirtschaftskraft des Staates hängt an der Fabrik und seinen knapp hundert Zulieferern in der Umgebung, die nochmal rund 40.000 Arbeiter und Angestellte beschäftigen.

Angst vor hohen Folgekosten: Investoren ziehen bei VW die Reißleine

Angst vor hohen Folgekosten

Premium Investoren ziehen bei VW die Reißleine

Noch im Frühjahr bezahlten Käufer für die VW-Aktie mehr als 250 Euro. Am Mittwoch notierte sie kurzzeitig zweistellig. Auch weil viele Vermögensverwalter die Titel verkaufen – denn sie befürchten unkalkulierbare Risiken.

2016 will auf die Ingolstädter VW-Tochter Audi in Puebla fertigen. Ab Frühjahr soll in dem gerade entstehenden Werk in dem Ort San José Chiapas der Geländewagen Q5 vom Band rollen.

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