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06.02.2013

20:07 Uhr

Meyer Werft

Kreuzfahrtkonzern will sich gesund sparen

Meyer-Werft-Chef Meyer will den Kurs wechseln, um sein Unternehmen aus der Krise zu steuern. Darum soll jetzt die Produktion des Kreuzfahrtspezialisten umgestellt werden.

Mit einem Sparprogramm und einem flexiblen Arbeitszeitmodell will die Meyer Werft das Abdriften in die Verlustzone vermeiden. dpa

Mit einem Sparprogramm und einem flexiblen Arbeitszeitmodell will die Meyer Werft das Abdriften in die Verlustzone vermeiden.

PapenburgDer Kreuzfahrtspezialist Meyer Werft muss kräftig gegensteuern, um rote Zahlen zu umfahren. Das familiengeführte Unternehmen aus dem emsländischen Papenburg wolle bei Investitionen sparen, Arbeitsabläufe und Baustrategien ändern, kündigten die Geschäftsführer Bernard Meyer und Lambert Kruse am Mittwoch an.

Die rund 2500 Beschäftigten hatten zuvor über den gemeinsam mit dem Betriebsrat und der IG Metall ausgehandelten Sparplan abgestimmt und mit großer Mehrheit zugestimmt, sagte Betriebsratschef Thomas Gelder. Meyer muss in diesem Jahr 51 Millionen einsparen, um keine Verluste zu machen.

Firmenchef Meyer betonte, dass es um die Sicherung der Überlebensfähigkeit des Unternehmens gehe. Er verglich die Situation mit der eines Tankers, der seinen Kurs ändern müsse, um nicht auf Grund zu laufen. „Wir sehen eine ganz große Chance, dieses Unternehmen in eine langfristige Zukunft zu führen“, sagte er.

Die größten Werft-Pleiten Deutschlands

Mai 1996

Der Bremer Vulkan geht als größter deutscher Werftenverbund in Konkurs. Knapp 2000 Beschäftigte verlieren ihren Job. Der Konzern hatte umgerechnet mindestens 435 Millionen Euro Subventionen zweckentfremdet, die eigentlich für Tochterfirmen in Ostdeutschland bestimmt waren. Der im Herbst 1995 zurückgetretene Vorstandschef Friedrich Hennemann und zwei weitere Mitarbeiter werden später wegen Untreue zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Februar 2004

Die Lloyd Werft Bremerhaven mit rund 500 Beschäftigten beantragt Insolvenz. Die finanziellen Probleme entstanden vor allem durch die Havarie des gekenterten Kreuzfahrtschiffes „Pride of America“. In der Folgezeit gelingt die Sanierung des Unternehmens, 2006 steigen die italienische Staatswerft Fincantieri und eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes Bremen als Gesellschafter ein. 2011 arbeiten 200 Menschen bei Lloyd.

September 2008

Die Kieler Traditionswerft Lindenau stellt Insolvenzantrag. Die auf Doppelhüllen-Tanker spezialisierte Werft verfügt nach eigenen Angaben über Aufträge von zusammen 225 Millionen Euro. Anfang 2012 geht der Millionenauftrag für eine größere Reparatur des Marine-Segelschulschiffes Gorch Fock an die Konkurrenz. Von den ehemals 370 Beschäftigten arbeiten noch 38 bei Lindenau.

Januar 2009

Die Bremerhavener Schichau Seebeck Werft meldet Insolvenz an. Offene Verbindlichkeiten bei Lieferanten konnten trotz eines gut gefüllten Auftragsbuches nicht beglichen werden. Auf der Werft arbeiten mehr als 300 Beschäftigte. Kurz darauf wird die Werft geschlossen.

Juni 2009

Für die Wadan-Werften in Wismar und Rostock-Warnemünde wird trotz staatlich verbürgter Kredite in dreistelliger Millionenhöhe Insolvenz beantragt. Es scheitern zunächst alle Versuche, vorhandene Aufträge zu sichern und neue Investoren zu finden. Im August stimmt der Gläubigerausschuss dem Verkauf an den russischen Investor Igor Jussufow zu, der mit 40,5 Millionen Euro einsteigt. Auf den später in Nordic Yards umbenannten Werften arbeiten 2011 noch knapp 970 der einst 2400 Beschäftigten.

November 2011

Deutschlands älteste Werft, die Hamburger Sietas-Gruppe, geht in die Insolvenz. Im Juni 2012 wird das Unternehmen zerschlagen: Die Sietas-Werft geht an die niederländische Veka-Gruppe. Die Bremer Lürssen-Gruppe übernimmt die Reparaturwerft Norderwerft. Die norwegische TTS Group ASA erhält den Zuschlag für die Neuenfelder Maschinenfabrik. Seit dem Insolvenzantrag sind 350 der ehemals 1000 Arbeitsplätze gestrichen worden.

29. August 2012

Die P+S-Werften stellen beim Amtsgericht Stralsund einen Insolvenzantrag für die beiden Schiffbaubetriebe in Stralsund und Wolgast. Knapp 2000 Beschäftigte bangen um ihre Jobs.

Im Gegensatz zu den Märkten für Tanker oder Containerschiffe wachse der Markt für Kreuzfahrtschiffe zwar noch mit einer Rate von zwei Prozent im Jahr, sagte Meyer. Es würden aber vermehrt Werften aus Asien auf den Kreuzfahrtschiffmarkt drängen. Er habe keinen Zweifel daran, dass ein Hochtechnologiekonzern wie Samsung aus Korea auch Kreuzfahrtschiffe bauen könne, betonte Meyer.

Die Mitarbeiter sollen beim Einsparen einen Beitrag von rund 10 Millionen Euro leisten. Geplant sei eine Wahlarbeitszeit zwischen 20 und 40 Stunden und eine flexible Arbeitszeit, bei der Minusstunden durch Mehrarbeit ausgeglichen werden können. Die Beschäftigten sollen auch unentgeltliche Mehrarbeit dem Unternehmen „schenken“, was aber bei einem guten Jahresergebnis über eine Erfolgsbeteiligung wieder ausgeglichen werden solle.

Die Werft hat zwar noch Aufträge bis 2015, leide aber derzeit dennoch an Überkapazitäten, räumten die Geschäftsführer ein. Um das auszugleichen, soll das Forschungsschiff „Sonne“ nicht bei der Rostocker Schwesterwerft Neptun gebaut werden, sondern in Papenburg. Auch ein neuer Auftrag für ein Binnenkreuzfahrtschiff solle nach Niedersachsen und nicht nach Mecklenburg-Vorpommern gehen. Das gehe aber nicht zulasten des Schwesterunternehmens, betonte Meyer: „Papenburg hat schon oft Neptun geholfen, jetzt hilft Neptun Papenburg.“ In der Rostocker Werft arbeiten 500 Beschäftigte.

Von

dpa

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