Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.12.2015

15:10 Uhr

Meyer Werft Papenburg

Mächtig Ärger beim Luxusliner-Bauer

Schlagzeilen machte die Meyer Werft lange nur mit luxuriösen Kreuzfahrtschiffen. Vor Gericht wurde nun aber um die Kündigung von Betriebsratschef Ergin verhandelt – das Urteil soll in nächster Instanz angefochten werden.

Der Kreuzfahrtschiff-Neubau „Norwegian Escape“ der Meyer-Werft in Papenburg. Bei dem Luxusliner-Bauer hängt der Haussegen schief. dpa

Meyer Werft

Der Kreuzfahrtschiff-Neubau „Norwegian Escape“ der Meyer-Werft in Papenburg. Bei dem Luxusliner-Bauer hängt der Haussegen schief.

LingenEs war der 18. September, als sich die Welt auf der Meyer Werft änderte. An jenem Freitag ließ die Geschäftsführung des bekannten Kreuzfahrtschiff-Bauers dem Betriebsrat eine Mitteilung zukommen: Es ging um die Anhörung zur fristlosen Kündigung von Betriebsratschef Ibrahim Ergin. Grund waren Vorwürfe von Werft-Mitarbeitern, Ergin habe sie in den Jahren 2011 und 2012 genötigt, in die IG Metall einzutreten – Vorwürfe, die Ergin bestreitet. Die anderen Betriebsräte lehnten die Zustimmung zur Kündigung ab.

Ergin hat den Rechtsstreit um seine fristlose Kündigung in erster Instanz aus formalen Gründen gewonnen. Das Arbeitsgericht Lingen lehnte am Donnerstag den Antrag der Werft auf Entlassung des Mannes ab. Die Geschäftsleitung habe nicht vollständig ihre Pflicht erfüllt, den Betriebsrat über den Grund der Kündigung zu informieren, sagte der Direktor des Arbeitsgerichtes, Christoph Schmedt. Der Geschäftsführer der Meyer Werft, Lambert Kruse, kündigte an, die nächste Instanz anzurufen.

Der 40-jährige Ergin ist seit März Betriebsratsvorsitzender der Meyer Werft. Schon wenige Monate nach seinem Amtsantritt kam die Werft in schwere See. Die Geschäftsführung kündigte an, die gemeinsame Holding für die Meyer Werft in Papenburg und die Neptun-Werft in Rostock in Luxemburg anzusiedeln. Nicht aus steuerlichen Gründen, sondern um keinen Aufsichtsrat einrichten zu müssen. Werftenchef Bernard Meyer will das Kontrollgremium nicht, weil er Behinderungen fürchtet, etwa wenn es um Verhandlungen für Neuaufträge geht.

Die größten Reedereien der Welt

Platz 10

OOCL – 104 Schiffe

Die Orient Overseas Container Line wurde 1947 in Shanghai durch den Unternehmer Tung Chao Yung unter dem Namen „Orient Overseas Line“ gegründet. Noch im selben Jahr begann Tung regelmäßiger Routen nach Nordamerika und Europa zu etablieren. Auf der Flucht vor den Kommunisten siedelte Tung mit seinem 1949 nach Hongkong um. 1969 wurde das Unternehmen zur „Orient Overseas Container Line“ und transportierte als erste asiatische Reederei regelmäßig Containerfracht über den Pazifik. Von 1979 bis 1989 stand mit dem Öltanker Seawise Giant das bis heute größte jemals (nicht an einem Stück) gebaute Schiff im Dienst der Flotte.

Quelle: Alphaliner, Stand 06. Januar 2016

Platz 9

CSCL - 124 Schiffe

Die China Shipping Container Lines (CSCL) gehören zu den jüngsten Reedereien der Containerschifffahrt und gehört zur China Shipping Group. Seit 1997 expandiert die chinesische Reederei massiv – und steuert alleine in China über 40 Häfen an.

Platz 8

Hamburg Süd – 134 Schiffe

Es ist ein Unternehmen mit Tradition: Hamburg Süd ging 1871 aus dem Zusammenschluss von elf Hamburger Handelsgesellschaften hervor. Heute gehört die Reederei zum Oetker-Konzern. Im März 2015 übernahm sie den chilenischen Konkurrenten CCNI.

Platz 7

PIL – 147 Schiffe

Mit der Küstenschifffahrt und kleinen Liniendiensten von Singapur in die Häfen Südostasiens begann 1967 die Erfolgsgeschichte der Pacific International Lines. In den folgenden Jahrzehnten dehnte die Reederei ihr Containerliniennetz von Asien nach Europa und schließlich in die ganze Welt aus. Bis heute ist PIL ein Familienunternehmen.

Platz 6

Cosco - 169 Schiffe

Die China Ocean Shipping Company wurde in Europa bekannt, weil die Reederei in der Finanzkrise 50 Prozent der Anteile am Hafen in Piräus übernommen hat. In der Containerschifffahrt haben die Chinesen ihr weltweites Netz in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut.

Platz 5

Hapag-Lloyd - 172 Schiffe

Hapag-Lloyd ging 1970 aus der Fusion von Hapag und Norddeutschem Lloyd hervor. 2014 übernahm der Konzern den chilenischen Konkurrenten CSAV, um im Wettbewerb der Großen mithalten zu können. Muttergesellschaft ist der Tui-Konzern.

Platz 4

Evergreen - 192 Schiffe

Anders als der Name vermuten lässt, kommt die Reederei Evergreen aus China, genauer: aus Taipeh. Zum Konzern gehören die Uniglory Marine aus Taiwan, die Evergreen Marine UK (vorher: Hatsu Marine) aus Großbritannien und die Lloyd Triestino (einst Österreichischer Lloyd, seit 2006 Italia Marittima). Darüber hinaus hält die Reederei Beteiligungen an der Fluggesellschaft Eva Air und an der Hotelkette Evergreen Laurel.

Platz 3

CMA CGM - 461 Schiffe

Aus Compagnie Générale Maritime (CGM) und der Compagnie Maritime d'Affrètement (CMA) entstand 1999 die größte Reederei Frankreichs, die auch weltweit in der Top drei landet. Mit der CMA CGM Marco Polo betreibt das Unternehmen eines der größten Containerschiffe der Welt, an Bord ist Platz für über 16.000 Container.

Platz 2

MSC - 487 Schiffe

Eine der größten Reedereien der Welt kommt ausgerechnet aus der Schweiz. Die Mediterranean Shipping Company (MSC) aus Genf wuchs jahrelang rasant durch den Kauf gebrauchter Containerschiffe, bestellt mittlerweile aber auch neue Schiffe. Wichtigster Umschlagplatz ist der Hafen in Antwerpen, weltweit steuert die Reederei 270 Häfen an.

Platz 1

APM-Maersk - 585 Schiffe

Das größte Containerimperium der Welt wird von Kopenhagen aus gesteuert. Seit 1904 sind die Dänen im Frachtgeschäft tätig und unterhalten mittlerweile Niederlassungen in 135 Ländern. Neben der Containerschifffahrt gehört auch die Öl- und Gasförderung zum Geschäft von Maersk.

Eigentlich hätte die Arbeitnehmerseite schon längst einen Aufsichtsrat durchsetzen können. Allerdings habe es ein „Stillhalteabkommen“ mit der IG Metall in dieser Frage gegeben, sagt der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel.

Ein Aufsichtsrat wäre allerdings unumgänglich geworden, nachdem Meyer die Werft im finnischen Turku vom koreanischen STX-Konzern übernommen hatte. Unbemerkt von der Öffentlichkeit und auch vom Betriebsrat schuf Meyer Fakten und gründete die Holding in Luxemburg. Nicht nur die niedersächsische Landesregierung protestierte, auch die IG Metall sowie Ergin kritisierten Meyer öffentlich für diesen Schritt.

Reederei Rickmers: Rost unter dem Anstrich

Reederei Rickmers

Premium Rost unter dem Anstrich

Der Großreederei Rickmers schwindet das Vermögen – doch in dieser schwierigen Phase zwackt der Firmeninhaber weitere Millionen für sich ab, etwa für die Nutzung seines Namens. Am Ende könnten Anleihebesitzer die Gelackmeierten sein.

Nach Ansicht von Hickel zielt der Streit mit Ergin damit auch auf den Einfluss der IG Metall auf die Werft ab. „Vielleicht hängt es damit zusammen, dass die Interessenvertretung profunder geworden ist, härter geworden ist in der Auseinandersetzung“, sagt der Werftenexperte, der sich vergeblich als Schlichter im Streit um Ergin angeboten hatte.

In der Vergangenheit war die Werft stets um einen guten Draht zu Betriebsrat, IG Metall und der Landesregierung bemüht. Denn sie braucht Verbündete: Seit Jahrzehnten kritisieren Naturschützer die Schiffsüberführungen auf der Ems. Um die langen Luxuspötte von Papenburg in die rund 40 Kilometer lange Emsmündung zu bringen, muss der kleine Fluss aufgestaut werden. Dadurch verschlickt er – was im Prinzip den ökologischen Tod des Gewässers in diesem Abschnitt bedeutet.

Die Werft könne nur überleben, weil sie einen Sonderstatus bei der Nutzung der Ems habe, sagt Hickel. Die Landesregierung habe sich in der Vergangenheit trotz kritischer Stimmen vor die Werft gestellt. Jetzt kämen erste Überlegungen, warum man das alles mache.

Das Arbeitsgericht in Lingen muss sich auch mit einer Klage Ergins gegen seinen Arbeitgeber auf Schadenersatz und Schmerzensgeld befassen - der Personalchef der Werft hatte die Vorwürfe gegen Ergin auf Facebook veröffentlicht und damit gegen seine Fürsorgepflicht für seinen Angestellten verstoßen, sagt Ergins Anwalt.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×