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29.04.2011

15:50 Uhr

Mezzanine-Zertifikate

Ermittler knöpfen sich die Commerzbank vor

VonReuters

Hat die Commerzbank Anleger mit windigen Finanzprodukten über den Tisch gezogen? Am Freitagnachmittag bestätigte die Essener Staatsanwaltschaft eine Durchsuchung bei der Bank. Ein Rechtsanwalt sieht sich nach Kauf wertloser Zertifikate als Opfer. Er hat 50.000 Euro verloren wirft dem Institut vor, ihre eigenen Berater zu wenig informiert zu haben.

Am Freitagnachmittag bestätigte die Essener Staatsanwaltschaft eine Durchsuchung bei der Bank. Quelle: dapd

Am Freitagnachmittag bestätigte die Essener Staatsanwaltschaft eine Durchsuchung bei der Bank.

Frankfurt

Die Commerzbank ist wegen des Verkaufs verbriefter Mittelstandskredite ins Visier der Ermittlungsbehörden geraten. Die Staatsanwaltschaft Essen bestätigte am Freitag eine Durchsuchung bei der Commerzbank, die im Zusammenhang mit dem Vorwurf des Kapitalanlagebetrugs gegen einen Kundenberater der Bank stehe. Hintergrund ist die Klage eines Mandanten des Bochumer Rechtsanwalts Thomas Durchlaub, der eine Rückabwicklung der Verträge fordert.

Der Kläger wirft der Bank vor, ihn nicht richtig über die sogenannten "MezzCap"-Zertifikate aufgeklärt zu haben, in die der Mann mehr als 50.000 Euro investiert habe. Geschäftsbanken sehen sich selten mit dem Straftatbestand des Anlagebetrugs konfrontiert. Die Commerzbank behindere die Aufklärung, indem sie jeden einzelnen Anleger zwinge, seine Klage vor Gericht zu bringen, und nicht zu einer außergerichtlichen Einigung bereit sei, sagte der Rechtsanwalt der Nachrichtenagentur Reuters. Die Bank wollte sich nicht äußern, weil es sich um ein laufendes Verfahren handele.

Die Commerzbank hatte 2006 knapp 200 Millionen Euro Mezzanine-Kapital an 35 mittelständische Unternehmen in Form von Genussrechten vergeben. Die Risiken daraus hatte sie in sechs Tranchen an institutionelle und private Anleger verkauft, die dafür nach Risiko gestaffelte Zinsen erhielten. Die Verbriefung von Risiken war damals in Mode gekommen, weil die Banken die Darlehen dadurch nicht mit Eigenkapital unterlegen mussten. Viele Mezzanine-Finanzierungen müssen in diesem und den nächsten Jahren refinanziert werden, was eine große Zahl von Mittelständlern nach Ansicht von Experten vor Probleme stellen wird.

Der Kläger, nach Angaben seines Anwalts ein durchaus kapitalmarkterfahrener Mann, hatte die sechste und am wenigsten gut abgesicherte Tranche gewählt, die neun Millionen Euro schwer war. Der erste Kreditnehmer, der Plüschtierhersteller Nici, sei schon vor der Emission zahlungsunfähig geworden. Durchlaub sagte, sein Mandant habe bereits hohe Verluste erlitten, und die Prognosen für den Rest der Laufzeit seien schlecht. Er habe beim Kauf der Zertifikate nur eine Präsentation gezeigt bekommen. Den 213 Seiten starken Prospekt habe er sich im Nachhinein mühevoll beschaffen müssen.

Kommentare (1)

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Volkswirt

29.04.2011, 16:28 Uhr

Wenn der besagte Rechtsanwalt nicht genau wusste, was er da kauft, warum kauft er es dann? Hat er meines Erachtens doch selbst Schuld, wenn er statt dem erhofften Gewinn Verlust macht. Wenn ich keine Ahnung von bestimmten Produkten haben, dann lasse ich halt die Finger davon! Der Kapitalmarkt bietet doch genügend andere Investitionsmöglichkeiten.

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