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29.09.2014

07:40 Uhr

Mifa und Maschmeyer

Totalschaden in der Fahrradbranche

VonOliver Stock

ExklusivStunden nach seiner Hochzeit mit Veronika Ferres musste sich Carsten Maschmeyer um die Mitteldeutsche Fahrradfabrik kümmern, an der er beteiligt ist. Sie steht vor dem Aus. Das könnte ihn Millionen kosten.

Produktion von E-Bikes im Sangerhausener Mifa-Werk: schlechte Nachrichten. dpa

Produktion von E-Bikes im Sangerhausener Mifa-Werk: schlechte Nachrichten.

Deutschlands umtriebigster Investor Carsten Maschmeyer hat ein lebhaftes Wochenende hinter sich. Eigentlich wollte sich der Selfmade-Milliardär seinem persönlichen Glück widmen: Seit Monaten hatte eher die prächtige Hochzeit mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Veronika Ferres geplant: In Südfrankreich sollte es sein, nicht unter den Eichen seiner Heimatstadt Hannover, sondern unter den Palmen der Cote d'Azur.

Doch ein kriselndes Investment des Milliardärs verhinderte die ganz unbeschwerte Sause: Maschmeyer ist vor knapp zwei Jahren als Großinvestor bei der Mitteldeutschen Fahrradfabrik (Mifa) eingestiegen. Und dort läuft es alles andere als rund. Nach Handelsblatt-Informationen aus Finanzkreisen muss der Vorstand des Unternehmens voraussichtlich heute in Halle zum Amtsgericht und die Insolvenz beantragen.

Der Vorstand teilte am Montagmorgen mit, dass die Hälfte des Grundkapitals aufgebraucht sei. Das Eigenkapital im Halbjahresabschluss zum 30. Juni 2014 werde nach derzeitiger Einschätzung negativ sein. Der Vorstand muss aus diesem Grund unverzüglich eine Hauptversammlung einberufen.

Die Mifa ist mit rund 800 Mitarbeitern Deutschlands größte und traditionsreichste Fahrradfabrik. Allerdings macht ihr die asiatische, billigere Konkurrenz zu schaffen. Wie schlecht es um die Fabrik steht, war Maschmeyer bei seinem Einstieg nicht bekannt, weil das Unternehmen bei seinen Bilanzen getrickst hatte. Inzwischen ist der Schwindel bereinigt, Investoren aus Indien allerdings, die einsteigen und die Fabrik mit ihrem Geld wieder flott machen wollten, haben bis heute keinen Euro gezahlt.

Die Inder sind selbst vom Fach: Hero Cycles gehört zu den Weltmarktführern in der Fahrradbranche. Sie verhandeln seit 16 Monaten mit den Deutschen. Nachdem der Bilanzschwindel aufgeflogen war, waren sie nur noch bereit, 25 Millionen Euro für 90 Prozent des Unternehmens zu zahlen. Eine Einigung mit Anleihegläubigern, die Voraussetzung für den Verkauf war, konnte die Mifa Anfang des Monats bekanntgeben. Deswegen gingen alle Beteiligten davon aus, dass der Verkauf glatt über die Bühne gehen würde.

Doch das Geschäft kam nach Handelsblatt-Informationen bisher nicht zustande. Im Gegenteil: Die indischen Verhandlungspartner hätten sich genau umgeschaut, heißt es aus Kreisen des Mifa-Vorstands. Sie hätten sich Fertigungsprozesse und Know-how abgeschaut und bei dem Bau einer neuen Fabrik in Indien angewandt. Die Rede ist von Wirtschaftsspionage im großen Stil. Kopieren statt kaufen, so lautet der Vorwurf, zu dem Hero bisher nicht Stellung nahm.

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Bei der Mifa übernimmt am Mittwoch ein neuer Vorstandsvorsitzender das Ruder: Der Handels- und Industrieexperte Thomas Mayer (56) erbt den Chefposten von Hans-Peter Barth, der kürzlich mit sofortiger Wirkung abberufen wurde. Mayer sei künftig unter anderem für die finanziellen und rechtlichen Belange des Fahrradbauers verantwortlich. Im vergangenen Jahr machte Mifa einen Verlust von 13,2 Millionen Euro. Auch für das laufende Jahr wird mit einem negativen Ergebnis gerechnet.

Es sieht deswegen alles danach aus, als sei der Gang zum Insolvenzrichter heute unvermeidlich. Der Termin beim Amtsgericht ist bereits eingetragen. Der Millionen-Verlust, den Maschmeyer macht, dürfte die Kosten der Traumhochzeit deutlich übersteigen. Als Trost bleibt vielleicht, dass einem die schönen, und vergleichsweise günstigen Dinge oft länger und klarer in der Erinnerung bleiben, als die unschönen.

Kommentare (11)

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Herr Norbert Wolter

29.09.2014, 08:01 Uhr

Mifa hat versucht in jeder Sparte, ob Trekking, Rennräder, Cruiser/Retro, Kinder-/Jugendfahrräder,E-Bikes, mit günstigen Preisen am Ball zu bleiben und die Masse zu bedienen. Ging in die Hose. Warum? Zum einen weil die Inder billiger produzieren, aber auch weil die angebotenen Fahrräder einfach langweilig sind, wenn man sie sich genauer anschaut. Speichen, Felgen, Kettenschutz, Lenkrad, Design, einfach nur "gähn". Wenn schon Konkurrenz aus Asien, dann sollte man Räder, auch Singlespeeds, Fixies, auch mit Stahlrahmen, entsprechend "pimpen", und zwar nach den Wünschen und Vorstellungen des Kunden. Jedes Rad quasi ein Unikat. Nicht mehr die Masse bedienen, sondern zahlungskräftige Kundschaft, die bereit ist für ein Bike nach eigenen Vorstellungen auch tiefer in die Tasche zu greifen. Mensch, da gibt es so geile Kettenblätter in den herrlichsten Farben und Formen , Speichen, Reifen etc., man muss nur die Phantasie sprechen lassen. Diese handgemachten, individuellen, farblich gestalteten Bikes gehen weg wie warme Semmel.
Ach so, das Firmenlogo "MiFA" klingt irgendwie nach "Mief".

Herr Ich und Ich

29.09.2014, 08:52 Uhr

Meine Meinung, ist dass man wusste das die Inder nicht einsteigen werden. Aus diesen Grund hat man die Anleihgläubiger zu einem hohen Selbstverzicht ihrer Forderungen gebracht.

Jetzt sollte dieses Tränenkabinett aufhören und den Gläubigern für ihre Anteile neue Aktien im Tausch dieser ausgeben.

Hintergrund:

Der starke Euro wird nicht mehr existieren. Draghi verwässert den Euro der Art stark, dass nicht mal davon ausgegangen werden kann, dass der Euro sich bei einer Dollarparität halten könnte, denn die USA verwenden zukünftig das alte strategische DMark-Modell.

Eine Sanierung durch den Tausch von Anleihen in neue Aktien wäre daher ein guter positiver Schritt für alle Beteiligten.

Ich persönlich würde zu einem Nennwert von 10% der Anleihe diese kaufen. Den Preis halte ich für fair.

Mit freundlichem Gruß

Herr Peter Lorenz

29.09.2014, 08:57 Uhr

Leider irren Sie sich hier. Mifa hatte Steppenwolf übernommen, einen bayerischen Hersteller, der eben dieses Prinzip verfolgte. Es gab zwar das Fahrrad von der Stange, es konnte aber auch vollständig konfiguriert werden. Ich selbst besitze ein Steppenwolf. 2012 ging der Hersteller in Insolvenz.

http://www.dgap.de/news/corporate/mifa-uebernimmt-premiumhersteller-steppenwolf_1133_729996.htm

Im Rahmen meines Studiums simulierten wir mit EIS einen Fahradhersteller. Dabei wurden zwei Strategien verfolgt, Premium oder Masse. Hier zeigten sich schon die Schwierigkeiten bei drei Herstellern. Heute gibt es davon zu viele, die doch alle das selbe Produkt anbieten. Spielraum gibt es da nur sehr wenig.

Der Trend geht zur Konsolidierung. Insb. Unternehmen wie die Accell Group oder Trek spielen dabei eine große Rolle. Kleine, traditionsreiche unternehmen bleiben dabei auf der Strecke. Fahrrad ist heute nicht mehr gleich Fahrrad, sondern High Tech. Und das können die kleineren Unternehmen nicht mehr bedienen.

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