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22.01.2010

13:51 Uhr

Militärtransporter

EADS pokert um A400M

VonMarkus Fasse, Rüdiger Scheidges

Die Auslieferung des Militärtransporters A400M hat sich mittlweile um vier Jahre verzögert. Nun bietet die Airbus-Mutter EADS den sieben Abnehmerstaaten eine Tranchenlösung. Deutschland reagiert verhalten, doch ein Scheitern der Verhandlungen könnte das Machtgleichgewicht des Konzerns nachhaltig zu Gunsten Frankreichs verschieben.

Poker um den Militärtransporter A400M: EADS bietet den Abnehmerstaaten eine Tranchenlösung an. Ein Scheitern der Verhandlungen könnte für den Konzern existenzbedrohend sein. dpa

Poker um den Militärtransporter A400M: EADS bietet den Abnehmerstaaten eine Tranchenlösung an. Ein Scheitern der Verhandlungen könnte für den Konzern existenzbedrohend sein.

MÜNCHEN/BERLIN. Im Streit um die Beschaffung des Militärtransporters A400M bietet der Hersteller EADS eine Tranchenlösung an. Demnach könnten die sieben Abnehmerstaaten zunächst eine geringere Anzahl statt der vereinbarten 180 Maschinen bestellen. Voraussetzung sei allerdings, dass zu einem späteren Zeitpunkt auch die restlichen Maschinen gekauft werden, damit die Industrie Kalkulationssicherheit habe, hieß es am Donnerstag aus Verhandlungskreisen. Einen ähnlichen Vertrag hat EADS bereits mit den europäischen Regierungen für das Kampfflugzeug Eurofighter abgeschlossen. Der Vorschlag werde von Spanien und Frankreich unterstützt.

Vorerst beißt der Konzern in Berlin aber auf Granit. Am Donnerstagnachmittag trafen sich EADS-Chef Louis Gallois und Airbus-Chef Tom Enders mit den Staatssekretären der sieben Bestellnationen in Berlin - am Abend vertagte sich die Runde auf den heutigen Freitag. Seit Wochen pokert EADS mit sieben Regierungen um das derzeit wichtigste europäische Rüstungsprojekt. Missmanagement und technische Probleme bei Airbus haben die Entwicklung der Maschine um vier Jahre verzögert, die erste A400M wird frühestens 2013 ausgeliefert. Knackpunkt sind die Mehrkosten. Ursprünglich hatte EADS einen Festpreis von 20 Milliarden Euro für die Flugzeuge zugesagt, verlangt aber jetzt 5,1 Milliarden Euro zusätzlich. Ansonsten droht der Konzern mit dem Abbruch der Entwicklung - und indirekt mit einer Kapitalerhöhung, die das deutsch-französische Gleichgewicht der Airbus-Mutter gefährden könnte.

In Berlin reagierten die Verantwortlichen bereits am Vormittag sehr verhalten auf die neuen EADS-Vorschläge. Deutschland ist der größte A400M-Kunde. "Wir beharren weiterhin auf zwei Grundvoraussetzungen der Zusammenarbeit mit EADS: Die Verhandlungsbasis ist der Vertrag und unser nicht umstößlicher operationeller Bedarf von 60 Maschinen," heißt es offiziell im Verteidigungsministerium. Nach Informationen des Handelsblatts haben sich die sieben Vertragsstaaten zwar auf eine gemeinsame Verhandlungsstrategie inklusive Sprachregelung verständigt. "Das schließt jedoch nicht aus, dass am Ende auch bilaterale Abkommen mit der Industrie die jeweils eigenen Bedürfnisse befriedigen können."

Kapitalerhöhung hätte Auswirkung auf Machtgleichgewicht bei EADS

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte am Abend zuvor die Marschrichtung ausgearbeitet: "Die Verantwortung und auch das damit verbundene unternehmerische Risiko für Entwicklung und Produktion des A400M liegt gemäß des 2003 geschlossenen Vertrags ausschließlich bei der Industrie." Ein vom Handelsblatt am Mittwoch veröffentlichter Prüfbericht von Pricewaterhouse-Coopers (PWC) hatte EADS gravierende Managementfehler attestiert, die wesentlich zur Kostenexplosion des Projekts beigetragen hätten.

Die Bundesregierung sieht sich allerdings auch einem industriepolitischen Dilemma ausgesetzt. Platzen die A400M-Verhandlungen, muss EADS sofort fast sechs Millliarden Euro Entwicklungskosten zurückzahlen. Laut PWC-Gutachten würde dies zu einer existenzgefährdenden Situation für den Konzern führen - die sich nur mit einer Kapitalerhöhung der Großaktionäre abwenden ließe.

Anders als die Bundesregierung ist der französische Staat direkt an EADS beteiligt. Paris steht im Gegensatz zum deutschen Großaktionär Daimler einer Kapitalerhöhung jedoch nicht ablehnend gegenüber. Eine Kapitalerhöhung könnte das Machtgleichgewicht bei der Airbus-Mutter nachhaltig zu Gunsten Frankreichs verschieben.

Kommentare (2)

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Rüdiger Böltge

22.01.2010, 15:40 Uhr

Hier sieht man mal wieder die ganze, eigentlich unfassbare, blödheit der deutschen Politiker.
Die Franzosen sind hier deutlich cleverer und beteiligen sich direkt an dem Unternehmen.

Nikolaus Wulff

23.01.2010, 02:22 Uhr

ich teile Herrn böltge's Einschätzung. Daimler hat
ganz andere Probleme, als daß es sich der Konzern leisten könnte, eine anstehende Kapitalerhöhung mitzutragen.

Dieses Land leidet seit Jahren unter dem provinziellen Niveau seiner bundesregierungen. Dies ist immer noch die größte Ökonomie in Europa und die bundesregierung ist unfähig, das in machtpolitische Strategien umzusetzen.

in der Richtung sind uns die Franzosen um Lichtjahre voraus.

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