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05.01.2010

14:09 Uhr

Militärtransporter

EADS steigert den Druck beim A400M

Ohne zusätzliche Hilfe der Regierung ist das Projekt A400M für EADS nicht zu retten. Deswegen hat Airbus-Chef Thomas Enders wiederholt darauf hingewiesen, den Militärtransporter notfalls fallen zu lassen, wenn sich die beteiligten Regierungen nicht bewegen. Die müssen sich nun rasch entscheiden.

Fliegen kann der A400M inzwischen, aber zu welchem Preis. Quelle: dpa

Fliegen kann der A400M inzwischen, aber zu welchem Preis.

HB Paris. Im Streit um den Militärtransporter A400M erhöht der Hersteller den Druck auf die staatlichen Auftraggeber. Airbus-Sprecher Stefan Schaffrath sagte am Dienstag in Paris, ein Ausstieg aus der Produktion des im Dezember erstmals gestarteten Flugzeugs sei ein mögliches Szenario. Das Unternehmen rief die an dem Programm beteiligten Regierungen auf, bis Ende des Monats eine Entscheidung zur weiteren Finanzierung zu treffen.

Airbus habe bereits Pläne aufgestellt, wie die mit dem A400M beschäftigten Ingenieure anderweitig beschäftigt werden könnten, falls der Bau des Militärtransporters weiterhin Verluste bringen sollte, sagte der Sprecher. Die Ingenieure sollten dann zu zivilen Airbus-Modellen versetzt werden.

Airbus fordert von den Regierungen einen Erhöhung ihres finanziellen Beitrags für den A400M. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, die Türkei, Belgien und Luxemburg hatten im Jahr 2003 insgesamt 180 Militärtransporter zum Gesamtpreis von 20 Milliarden Euro in Auftrag gegeben. Die tatsächlichen Kosten werden aber voraussichtlich um rund 5 Milliarden Euro höher ausfallen, wie aus einem vorläufigen Bericht des Wirtschaftsprüfers Pricewaterhouse Coopers hervorgeht. Die Verzögerung des Flugzeugprojekts beträgt mindestens drei Jahre.

Die „Financial Times Deutschland“ (FTD) berichtete, Airbus-Chef Thomas Enders bezweifle, dass mit den Bestellerländern bis Ende Januar eine Einigung über die Mehrkosten gefunden werden könne. Enders habe bereits beim Weihnachtsessen mit dem Topmanagement gesagt, dass er „nicht mehr an eine erfolgreiche Programmfortführung glaubt“, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Eine Einstellung des Projekts würde EADS 5,7 Milliarden Euro an Vorauszahlungen kosten, die die Regierungen bereits geleistet haben. Für mögliche Verluste hat Airbus bereits 2,4 Milliarden Euro zurückgestellt. Zudem wäre eine Einstellung mit dem Verlust von Arbeitsplätzen bei Airbus verbunden.

Die beteiligten Staaten haben den A400M als Transportflugzeug für Militäreinsätze in zerklüfteten Regionen wie Afghanistan in Auftrag gegeben. Als möglicher Ersatz sind die beiden US-Flugzeuge Lockheed Martin C-130J und Boeing C-17 Globemaster III denkbar. Die C-130J hat aber nur eine halb so hohe Transportkapazität wie der A400M, und der C-17 fehlt dessen taktische Vielseitigkeit. Für Airbus wäre eine Einstellung des Projekts nicht zuletzt ein erheblicher Prestigeverlust.

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