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15.11.2011

13:32 Uhr

Milliarden-Auftrag

Chef von Scheich-Fluglinie stänkert gegen Airbus

Was für eine Blamage: Der Chef von Qatar Airways verspottet den europäischen Flugzeugbauer in der Öffentlichkeit. Einen Riesenauftrag ließ er beinahe platzen. Was er sagte - und wieso der Schaden für Airbus so groß ist.

Der Chef von Qatar Airways Akbar al Baker. Pressefoto Qatar Airways

Der Chef von Qatar Airways Akbar al Baker.

DubaiChaos auf der Luftfahrtmesse in Dubai: Der Flugzeugbauer Airbus musste vorübergehend um eine milliardenschwere Bestellung aus dem Emirat Katar bangen. Eine angesetzte Pressekonferenz, auf der der Auftrag verkündet werden sollte, platzte am Dienstagmorgen.

EADS-Aktionärsstruktur mit politischer Brisanz

European Aeronautic Defence and Space Company

EADS mit seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern. Die börsennotierte Aktiengesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Der Konzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.

Die französische Seite

Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt er auf 22,45 Prozent der EADS-Aktien, wobei die Anteile in der Gesellschaft Sogeade gebündelt sind. Der Chef der Mediengruppe, Arnaud Lagardère, will seine 7,5 Prozent der Anteile mittelfristig verkaufen, erhebt aber seinen Anspruch auf den Mitte 2012 freiwerdenden Chefposten im Verwaltungsrat des Konzerns.

Die deutsche Seite

Mit 22,45 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielt DaimlerChrysler 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken 7,5 Prozent. Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss 22,5 Prozent der Stimmrechte und blieb so größter stimmberechtigter EADS-Einzelaktionär. 7,5 Prozent der EADS-Anteile soll nun die Staatsbank KfW übernehmen, so dass sich der Daimler-Anteil auf 7,5 Prozent reduziert.

Die spanische Seite

Weitere 4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, der Rest der Anteile in Höhe von 49,6 Prozent liegt im Streubesitz.

Der Aktionärspakt

Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS auf einen Pakt („Contractual Partnership“) verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten.

Die Machtzentren

Die EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam, in Paris und München sind die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. Hamburg wiederum ist der Sitz der deutschen Airbus-Tochtergesellschaft, die für die deutschen Werke zuständig ist.

Stattdessen spottete der Chef von Qatar Airways, Akbar Al Baker, Airbus sei „immer noch dabei zu lernen, wie man Flugzeuge baut“. Airbus zufolge war der Auftrag zu heiß, um rechtzeitig unterzeichnet zu werden. Ein Sprecher der EADS-Tochter verwies auf zwei geplante Pressekonferenzen in Dubai an diesem Dienstag. Dann könnte es neue Informationen geben. Airbus hatte zuvor einen Milliardenauftrag für 30 Flugzeuge des Typs A320neo aus den USA bekanntgegeben.

Um die Großaufträge wird mit harten Bandagen gerungen. Gestritten wird meist um Lieferbedingungen und Rabatte. Qatar-Chef Al Baker sagte, er habe einen sehr großen Auftrag für Airbus verkünden wollen. Weshalb dies am Vormittag scheiterte, ließ er offen.

Erst nach stundenlanger Hängepartie hat Qatar Airways den erwarteten Milliardenauftrag dann doch noch erteilt. Die arabische Fluglinie gab eine Festbestellung über 50 Mittelstreckenmaschinen des Typs A320neo und fünf Exemplare der doppelstöckigen Großraumfliegers A380 ab. Laut Qatar Airways kommen zu den Festaufträgen noch Optionen für 30 A320neo und die Aussicht auf eine Order für weitere drei A380 hinzu. Laut Preisliste haben die fest bestellten 55 Maschinen einen Gesamtwert von 6,4 Milliarden US-Dollar (4,7 Milliarden Euro). Allerdings sind bei Flugzeugbestellungen Nachlässe im zweistelligen Prozentbereich üblich.

Lob gab es dagegen vom Qatar-Airways-Chef für den Airbus-Erzrivalen Boeing. Bei dem US-Hersteller orderte die arabische Fluggesellschaft zwei Frachtflugzeugen vom Typ 777. Das Boeing-Modell sei der beste Frachter der Welt, sagte Al Baker. Laut Preisliste haben die Maschinen einen Gesamtwert von 560 Millionen US-Dollar (409 Millionen Euro). Allerdings sind bei Flugzeugbestellungen Nachlässe im zweistelligen Prozentbereich üblich. Am Sonntag hatte die Fluglinie Emirates bereits 50 Passagierflieger aus der 777-Familie fest bestellt.

Kommentare (22)

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Moika

15.11.2011, 12:50 Uhr

Diesen Spruch hat sich der Scheich von Boing sicher fürstlich honorieren lassen.

Account gelöscht!

15.11.2011, 12:55 Uhr

Wenn da nicht die amerikanische Politik die Finger im Spiel hat. Diese kleine Despoten sind abhängig von Amerika, besonders wenn eine Gefahr aus dem Nachbarländern inszeniert werden.

MIsterX

15.11.2011, 12:56 Uhr

Die Fluglinen am Golf werden genauso landen wie die Immobilien-Spekulanten in Dubai. Einfach mal abwarten....

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