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03.01.2013

08:02 Uhr

Milliarden-Deal

Starinvestor kauft Solarprojekt

Investorenlegende Warren Buffett glaubt an die Solarbranche. Ein Energieunternehmen aus seinem Firmenreich hat Sunpower ein Solarprojekt für 2,5 Milliarden Dollar abgekauft. Anleger reagierten sofort.

US-Investor Warren Buffett. dpa

US-Investor Warren Buffett.

Los AngelesDer Verkauf eines Solarprojekts an einen Stromversorger der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway spült dem US-Unternehmen SunPower bis zu 2,5 Milliarden Dollar in die Kassen. Sunpower teilte am Mittwoch mit, es habe sich von seinem 579-Megawatt Antelope Valley Solarprojekt in Kalifornien getrennt.

Berkshire Hathaway wird vom US-Investor Warren Buffett kontrolliert. Sunpower und der Berkshire-Versorger MidAmerican Energy Holdings bezeichneten das Vorhaben als weltgrößtes photovoltaisches Entwicklungsprojekt. Mit dem Aufbau der beiden dazugehörigen Anlagen soll noch in diesem Quartal begonnen werden. 2015 soll das Projekt fertiggestellt werden, teilte Sunpower mit. Ingrid Ekstrom, ein Sunpower-Sprecher, verweigerte jedoch Details bezüglich der Konstruktionskosten.

Kennzahlen à la Buffett, Teil I

Anleihe

Unternehmen mit einem dauerhaften Wettbewerbsvorteil haben nicht viele Anleihen emittiert, weil sie in der Regel nicht viele Schulden haben. Buffett achtet darauf, dass Unternehmen nicht viele Schulden haben.
Quelle: Mary Buffett, David Clark: So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen

Aufwendungen für Forschung und Entwicklung

Dieser Posten in der Bilanz sollte möglichst niedrig sein. Denn Unternehmen mit einem dauerhaften Wettbewerbsvorteil haben meist geringe oder gar keine Aufwendungen für Forschung und Entwicklung.

Bruttogewinn

Der Bruttogewinn ist der Erlös aus dem Verkauf von Produkten, d.h. Umsatz minus Umsatzkosten ist gleich Bruttogewinn. Warren Buffett gleicht den Bruttogewinn gegen andere Zahlen ab.

Bruttogewinnspanne

Je höher das Verhältnis aus Gesamtergebnis und Umsatz ist desto besser. Unternehmen mit dauerhaftem Wettbewerbsvorteil haben tendenziell eine hohe Bruttogewinnspanne.

Buchwert

Der Buchwert je Aktie ist ebenfalls eine wichtige Kennzahl bei der Bilanzanalyse. Die einfache Regel à la Buffett: Ein steigender Buchwert ist gut, ein sinkender Buchwert ist schlecht.

Dauerhafter Wettbewerbsvorteil

Der Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern, den das Unternehmen lange aufrechterhalten kann, ist das Geheimnis von Warren Buffetts Erfolg, sind Mary Buffett und David Clark überzeugt.

EBITDA

Unternehmen, die kein Geld verdienen, lieben das EBITDA, also der Gewinn vor Zinsen, Steuer und Abschreibung materieller und immaterieller Vermögensgegenstände). Warren Buffett hält nichts von dieser Kennzahl. Er ist überzeugt, wenn eine Unternehmensleitung vom EBITDA spricht, dann heißt das immer, dass der Konzern über keinen dauerhaften Wettbewerbsvorteil verfügt.

Eigene Anteile

Wenn ein Unternehmen eigene Anteile – Stammaktien des Unternehmens, die vom Unternehmen zurückgekauft worden sind – besitzt, ist das für Buffett ein Indiz, dass es einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil genießen könnte.

Eigenkapitalrendite

Die Eigenkapitalrendite, also der Reingewinn eines Unternehmens geteilt durch sein Aktionärskapital, ist eine der Kennzahlen, mit deren Hilfe Buffett feststellt, ob das Unternehmen einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil hat. Auch hier gilt: Je höher, desto besser.

Quelle: Mary Buffett, David Clark: So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen

„Verbraucher, Investoren und Banken sehen dies als Gütesiegel für SunPower an“, sagte Tom Werner in einem Interview, Vorstandsvorsitzender von Sunpower. „Es ist ein riesiger Deal für uns, der fast an die Größe unseres gesamten Unternehmens heran kommt.“

Buffett hat in letzter Zeit verstärkt in Wind- und Solarfarmen investiert und gründete dafür vergangenes Jahr speziell die MidAmerican Energy Holdings, um Übernahmen voranzutreiben. Bereits aufgekauft wurde die 550-Megawatt starke Topaz Solarfarm für 2,4 Milliarden Dollar. Kalifornien ist der größte Solarmarkt in den USA.

Kennzahlen à la Buffett, Teil II

Einbehaltener Gewinn

Solides Wachstum der einbehaltenen Gewinne ist eines der Kennzeichen von Unternehmen mit dauerhaftem Wettbewerbsvorteil. Auf Dividendenausschüttungen hingegen legt Warren Buffett keinen großen Wert.
Quelle: Mary Buffett, David Clark: So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen

Fremdfinanzierungsgrad

Wenn über lange Zeit ein hoher Fremdfinanzierungsgrad vorliegt, heißt das normalerweise, dass das Unternehmen über keinen dauerhaften Wettbewerbsvorteil verfügt. Aktien solcher Firmen meiden Buffett.

Langfristige Verschuldung

Unternehmen mit einem dauerhaften Wettbewerbsvorteil haben meistens wenige oder gar keine langfristigen Schulden. Langfristig sind Schulden dann, wenn ihr Fälligkeitsdatum weiter als ein Jahr in der Zukunft liegt

Reingewinn/ Nettoergebnis

Warren Buffetts einfache Regel: Je höher der Reingewinn, umso besser. Je beständiger der Reingewinn, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen über einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil verfügt.

Umlaufende Aktien

Eine dramatische Zunahme der umlaufenden Aktien über mehrere Jahre, ohne dass der Unternehmensgewinn steigt, ist ein Warnsignal für Buffett. Denn das bedeutet gewöhnlich, dass das Unternehmen zur Stärkung der Kapitalbasis neue Aktien verkauft, um die Mittelmäßigkeit auszugleichen. Buffett hält sich von mittelmäßigen Unternehmen fern.

Unterbewertetes Unternehmen

Benjamin Graham, der Vater des Value Investors und Lehrmeister Buffetts, kaufte unterbewertete Unternehmen und verdiente daran Millionen. Warren kaufte Unternehmen mit einem dauerhaften

Wettbewerbsvorteil und verdiente daran Milliarden.

Zinsaufwendungen

Unternehmen ohne dauerhaften Wettbewerbsvorteil haben meistens hohe Zinskosten, weil sie viele Schulden haben. Unternehmen mit einem dauerhaften Wettbewerbsvorteil haben meistens keine Schulden und somit

geringe oder gar keine Zinsaufwendungen.

Quelle: Mary Buffett, David Clark: So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen

Sunpower gehört zu 66 Prozent dem französischen Energieriesen Total und hat einen Marktwert von 732 Millionen US-Dollar. Anleger honorierten die Meldung mit Käufen. Die Sunpower-Aktie stieg um 9,1 Prozent auf 6,13 Dollar. Die Berkshire-Anteilsscheine legten um 4,1 Prozent auf 139.610 Dollar zu.

Wer ist Warren Buffett?

Die Grundlagen

Warren Buffett, geboren am 30. August 1930 in Omaha, Nebraska, war seit frühester Kindheit von Zahlen fasziniert. Sein Vater besaß ein Lebensmittelgeschäft und war Aktienhändler. Mit acht Jahren las er Bücher über die Börse, mit elf arbeitete er in einem Brokerhaus.

Der Förderer

Buffett verschlang das Buch von Professor Benjamin Graham „Intelligent Investieren“ und ging zu ihm an die Columbia Business School. Graham gefiel der junge Mann auch und er lud ihn ein, mit in seinem Unternehmen zu arbeiten. Als sich Graham 1956 zur Ruhe setzte, ging Buffett mit dem verdienten Geld sowie geliehenem zurück nach Omaha und gründete mit 25 Jahren eine Investment-Beteiligungsgesellschaft.

Buffett Partnership , LTD

Die Gesellschaft hatte sieben Teilhaber, die zusammen gut 100.000 Dollar einzahlten. Sie bekamen jährlich sechs Prozent ihrer Anlagesumme und 75 Prozent des Gewinns. Die übrigen 25 Prozent gingen an Buffett.

Der Aufstieg

Obwohl der Dow Jones in fünf der nächsten 13 Jahre fiel, vermehrte er das Geld um knapp 30 Prozent jährlich. Kein Wunder, dass immer mehr bei ihm investieren wollten. 1962 begann er außerdem, Aktien von Not leidenden Firmen zu kaufen. So auch die einer Textilfirma namens Berkshire Hathaway.

Berkshires Umwandlung

Nachdem sich die Buffett Partnership aufgelöst hatte und alle Gesellschafter ausgezahlt worden waren, übernahm Buffett Berkshire Hathaway mit seinem Anteil von 25 Millionen Dollar. Damit begann eine Erfolgsgeschichte, die inzwischen 40 Jahre währt und legendär geworden ist. Berkshire wurde von der Textilfirma zur Beteiligungsgesellschaft.

Buffetts Bilanz

Buffetts wesentliches Ziel war lange Jahre, den Buchwert von Berkshire Hathaway um jährlich 15 Prozent zu steigern. Doch das übertraf er bei weitem. Innerhalb von 40 Jahren steigerte sich das Eigenkapital zudem von 22 Millionen Dollar auf 69 Milliarden Dollar, der Buchwert pro Aktie von 19 auf knapp 60.000 Dollar. Dabei unterliegt Berkshire Hathaway der Einkommen- wie auch der Kapitelertragsteuer.

Das Prinzip

Buffett mag es, „Gewissheiten mit Abschlag“ zu kaufen, wie er es formuliert. Ihm liegt also viel daran, dass die Vorhersehbarkeit der Entwicklung eines Unternehmens vorhanden ist. Und Buffett kauft nur dort, wo er das Geschäftsmodell vollkommen versteht. Das nennt er „Kompetenzradius“. Ihm liegt viel an geringen Schulden, hoher Kapitalrendite und einer guten Führungsmannschaft.

Das Dilemma

Buffett hat sehr oft ein Problem: Die Aktien, die er kaufen will, werden nur selten mit Preisabschlägen gehandelt. Zumindest in den Branchen, wo sein „Kompetenzradius“ liegt. So viel Glück wie bei Amex hat man eben nur selten.

American Express

Das erste und wichtigste Investment war American Express (Amex). 1962 fiel die Aktie der Kreditkartenfirma nach einem Skandal über Nacht von 65 auf 33 Dollar. Buffett hielt Amex grundsätzlich aber für stark und handelte zielstrebig. Er nahm 13 Millionen Dollar in die Hand – immerhin 40 Prozent des Gesamtvermögens seiner Gesellschaft. Der Börsenkurs stieg und Buffett sackte allein in den ersten beiden Jahren einen Profit von 20 Millionen Dollar ein.

Das Versicherungsgeschäft

Im März 1967 kauft Berkshire Hathaway für 8,6 Millionen Dollar Aktien von zwei Versicherern: National Indemnity Company und National Fire and Marine Insurance Company. Es war der Beginn einer phänomenalen Erfolgsstory in dieser Branche. Sie passte perfekt zu Buffetts Anlagestrategie. Es folgten weitere Zukäufe, unter anderem auch bei Rückversichern wie General Re. 

Washington Post

Buffetts Geschichte mit dem Medienkonzern ist in zweifacher Hinsicht eine besondere: Zum einen half er der Geschäftsführung in schwierigen Zeiten entscheidend weiter, zum anderen mehrte der spätere Erfolg sein Vermögen. Die Investition hat sich ungefähr verfünfzigfacht. Aber vor allem „zementierte“ die Post laut Finanzjournalisten Buffetts Ruf als „Meister-Investor“ in den 70er-Jahren.

Coca-Cola

Buffett liebte Coca-Cola seit Leben lang. Doch die ersten Aktien kaufte er erst 1988. Das Unternehmen passt perfekt zu Buffetts Vorliebe, große Kapitalmengen mit hoher Investitionsrendite einsetzen zu können. Die bekannteste Marke der Welt ist für Bufett auch das wertvollste Geschäftskonzept der Welt. Cherry Coke ist heute übrigens das offizielle Getränk der Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway.

Gillette

Rasierklingen brauchen die Menschen auch in Krisenzeiten. Buffetts Interesse an Gillette erwachte in den 80er-Jahren. Damals galt das Unternehmen an der Wall Street als reifes, langsam, aber stetig wachsendes Unternehmen – also perfekt für eine Übernahme durch Berkshire Hathaway. Als Gillette 1991 einen Aktiensplit vornahm, bekam Berkshire Hathaway für seine Vorzugsaktien elf Prozent der Stammaktien. Der Wert der Investition stieg innerhalb von zwei Jahren von 600 Millionen auf 875 Millionen Dollar.

Fruit of the Loom

Fruit of the Loom gehört seit 2002 zu Berkshire Hathaway. Das Unternehmen stellt rund ein Drittel der Herren- und Jugendwäsche her, die in den USA verkauft wird. Buffett gab 835 Millionen Dollar für Fruit of the Loom aus.

Clayton Homes

Ebenfalls im Jahr 2002 entschied sich Buffett, Clayton Homes zu übernehmen. 1966 durch den Sohn eines Farmpächters gegründet, ist das Unternehmen heute der größte Fertighaushersteller der USA. Die Idee entstand übrigens auch, weil sich Buffett über die „fürchterlichen Verbraucherfinanzierungs-Praktiken“ aufregte.

Wells Fargo

Im Oktober 1990 hat Berkshire Hathaway für 289 Millionen Dollar Aktien an Wells Fargo erworben. Das war damals sehr mutig, denn viele „Bären“ an der Wall Street wetteten auf den Niedergang der kriselnden Bank aus San Francisco. Doch Wells Fargo überstand die kritische Phase und war 2003 die einzige US-Bank mit dem Top-Kreditrating AAA.

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