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16.07.2012

11:42 Uhr

Milliarden-Fusion

Glaxo kann Human Genome übernehmen

Der britische Pharmariese Glaxo-Smithkline bietet rund 14 Dollar pro Aktie der amerikanischen Biotech-Firma Human Genome Sciences. Eine feindliche Übernahme ist mit diesem Kaufangebot vom Tisch.

Human Genome akzeptiert das Übernahmeangebot von rund 14 Dollar pro Aktie von GlaxoSmithKline. Reuters

Human Genome akzeptiert das Übernahmeangebot von rund 14 Dollar pro Aktie von GlaxoSmithKline.

New YorkNach monatelangem Ringen ist für den britischen Pharmariesen GlaxoSmithKline Kreisen zufolge jetzt der Weg zur Übernahme der US-Biotechfirma Human Genome frei. Bereits am Montag solle eine Vereinbarung zum Kauf des Unternehmens für rund 2,8 Milliarden Dollar verkündet werden, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von mit der Situation vertrauten Personen.

Human Genome habe sich im Grundsatz mit einer aufgestockten Offerte von rund 14 Dollar je Aktie einverstanden erklärt. Glaxo hatte bislang 13 Dollar je Anteilsschein geboten. Die Einigung solle noch vor Eröffnung des Aktienhandels in den USA bekanntgegeben werden, hieß es weiter. Bislang hatte Human Genome dem größten britischen Pharmakonzern die kalte Schulter gezeigt und alle Avancen abgelehnt.

GlaxoSmithKline lehnte eine Stellungnahme zu den Informationen ab. Bei Human Genome war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

Den Kreisen zufolge arbeiteten beide Seiten noch an den letzten Details einer Vereinbarung. Human Genome stand unter starkem Einigungsdruck durch seine eigenen Aktionäre, nachdem sich mit Celgene unlängst ein möglicher Interessent nach Angaben aus Branchenkreisen auf Druck von Analysten und Investoren zurückgezogen hatte. Damit blieb nur die Übernahmeofferte von GlaxoSmithKline übrig. Human-Genome-Aktionäre hatten das Management zu einer Einigung gedrängt, da sie bei Ausschlag des einzigen Angebots einen Kurssturz befürchteten. Dies hatte letztendlich zu den Verhandlungen am Wochenende geführt.

Human Genome hatte im April die damals 2,6 Milliarden Dollar hohe Offerte von Glaxo als zu niedrig verworfen. Stattdessen initiierte das Management eine eigene Verkaufsauktion, die aber in der Branche auf nur wenig Interesse stieß. Denn GlaxoSmithKline ist schon seit langem Partner von Human Genome bei wichtigen Medikamenten und besitzt daher Rechte an den Präparaten der Biotechfirma. Dies hat andere Pharmakonzerne abgeschreckt, da sie dann bei den wichtigsten Medikamenten stets Glaxo mit im Boot hätten. Human Genome hatte sich eine Frist bis zum 16. Juli gesetzt, um höhere Offerten zu finden.

GlaxoSmithKline will sich mit dem Kauf von Human Genome den Zugriff auf eine Reihe vielversprechender Wirkstoffe in der Entwicklung sichern. Dazu gehören neue Medikamente gegen Herzerkrankungen und Diabetes. Beide Arzneimittelhersteller arbeiten unter anderem bei dem neuen Medikament Benlysta zur Behandlung der Autoimmunerkrankung Lupus zusammen, dem Analysten Milliardenumsätze zutrauen. Durch die Übernahme der in Rockville im US-Bundesstaat Maryland ansässigen Firma würde sich Glaxo das volle Zugriffsrecht auf diese Wirkstoffe sichern.

In der jüngsten Zeit gab es eine Reihe von Übernahmen in der Biotechbranche. Bei großen Pharmakonzernen laufen derzeit viele Patente auf umsatzstarke Arzneien aus. Mit der Übernahme von Biotechfirmen hoffen die Konzerne, eigene Lücken in der Medikamentenentwicklung zu stopfen und damit die Folgen der Patentabläufe abzufedern. So hatte der US-Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb kürzlich angekündigt, das Biotechnologieunternehmen Amylin Pharmaceuticals für rund 5,3 Milliarden Dollar zu übernehmen.

Zudem will Bristol-Myers mit dem britisch-schwedischen Pharmariesen AstraZeneca zusammenarbeiten bei der Weiterentwicklung der Wirkstoffe von Amylin. Einige Monate zuvor hatte AstraZeneca vereinbart, die Biotechfirma Ardea Biosciences für 1,26 Milliarden Dollar zu übernehmen. Dagegen war der Schweizer Pharmariese Roche zuletzt mit seinem Versuch gescheitert, sich die US-Gentechnikfirma Illumina einzuverleiben.

Von

rtr

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