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24.10.2012

13:45 Uhr

Milliarden-Hilfe

Peugeot-Citroën gerät unter Staatseinfluss

VonThomas Hanke

Mit den Milliarden-Garantien für Peugeot erhält die französische Politik großen Einfluss beim Autobauer. In einem neuen Kontrollgremium muss der Staat alles abnicken. Genau das wollte die Eigentümerfamilie verhindern.

Frankreichs Präsident Francois Hollande vor einem Peugeot 3008 Hybrid: Der Autobauer gerät unter Staatseinfluss. Reuters

Frankreichs Präsident Francois Hollande vor einem Peugeot 3008 Hybrid: Der Autobauer gerät unter Staatseinfluss.

ParisFrankreichs größter Autohersteller Peugeot-Citroën (PSA) muss künftig bei wesentlichen Entscheidungen die Zustimmung des Staates einholen. Finanzminister Pierre Moscovici und Industrieminister Arnaud Montebourg gaben Mittwoch bekannt, dass der Staat Anleihen der PSA-Bank im Umfang von sieben Milliarden Euro garantieren wird. Im Gegenzug werde ein Kontrollgremium eingerichtet, das „jeder Operation, die sich auf die Größe und Zusammensetzung der Gruppe und ihrer wichtigsten Filialen bezieht, sowie auf die Entwicklung ihrer wichtigsten Aktivitäten zustimmen“ müsse.

Zusätzlich werden zwei neue Posten im Aufsichtsrat geschaffen. Der eine wird von einem „Unabhängigem im engen Einvernehmen mit dem Staat“ besetzt, der besondere Befugnisse erhalten und dem Strategieausschuss des Aufsichtsrats angehören werde. Der zweite wird ein Arbeitnehmervertreter sein.

Bündnis mit GM: Peugeot setzt auf Staatshilfe und Allianz

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Die Finanztochter des Autobauers Peugeot bekommt Hilfe vom französischen Staat.

Außerdem verpflichte PSA sich, seine französischen Zulieferer besonders zu fördern. Das könnte aufgrund der Einkaufskooperation mit GM eventuell zu Konflikten führen, da GM allein daran interessiert ist, die günstigsten Konditionen zu erhalten – egal ob es sich um französische oder andere Zulieferer handelt.

Mit der neuen Aufsichtsstruktur gerät PSA faktisch unter Staatsaufsicht – eine Veränderung, die die Eigentümerfamilie Peugeot seit der Ankündigung eines Sanierungsplanes im Sommer befürchtet und zu verhindern gesucht hatte.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

PSA-Chef Philippe Varin bemühte sich am Mittwoch vor der Presse, die Veränderungen herunterzuspielen. Es sei „völlig normal“, dass ein Kontrollgremium eingerichtet werde, um zu prüfen, was mit den Staatsgarantien geschehe. Anders als die Minister sagte Varin, der Ausschuss könne lediglich „Stellungnahmen formulieren“.

Mit der EU-Kommission werde es wegen der Staatsgarantien keine Probleme geben, fügte Finanzchef Jean-Baptiste de Chatillon hinzu: „Der größte Teil des neuen Finanzpaktes kommt von den Banken, nämlich 11,5 Milliarden an zusätzlichen Kreditlinien, so dass es sich nicht um eine Staatshilfe im Sinne der EU-Vorschriften handelt“. Man wird sehen, ob die EU-Kommission dieselbe Interpretation vornimmt.

PSA kündigte am Mittwoch auch die nächsten Schritte seiner Allianz mit GM an. Bis 2016 sollen vier neue, gemeinsame Plattformen für Modelle entstehen. In drei Fällen geht es um Autos, die von PSA und Opel/Vauxhall gemeinsam für den europäischen Markt gebaut werden. Nur in einem Fall, ein emissionsarmer Kleinwagen, ist ein Modell betroffen, das auch in den wachstumsstarken Märkten außerhalb Europas angeboten werden könnte.

Allianzen der Autobauer

Daimler/ Chrysler

In der Vergangenheit hatte vor allem die Achterbahnfahrt von Daimler und Chrysler lange für Schlagzeilen gesorgt. 1998 gaben die Daimler-Benz AG und Chrysler Corporation die Fusion zur DaimlerChrysler AG bekannt. Der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp übernahm Chrysler für knapp 40 Milliarden Dollar. Doch das US-Unternehmen entpuppte sich als milliardenschwerer Sanierungsfall. 2007 wurde das Ende der Allianz besiegelt. Chrysler wird nun vom italienischen Autobauer Fiat kontrolliert.

BMW/ Rover

Auch BMW musste für die Übernahme der britischen Rover Lehrgeld zahlen. Der damalige Vorstandschef Bernd Pischetsrieder fädelte 1994 die Fusion ein. BMW zahlte zwei Milliarden DM und steckte erhebliche Summen in die Entwicklung neuer Modelle. Als diese sich nicht verkaufen ließen, stieg BMW 2000 wieder aus.

Renault/ Nissan

Segensreich für beide Partner war dagegen die Liaison des Renault-Konzerns mit dem japanischen Autobauer Nissan. 1999 wurde die französische Nummer zwei größter Anteilseigner bei Nissan und machte aus dem angeschlagenen Hersteller ein ertragreiches Unternehmen.

Renault-Nissan/ Daimler

Renault-Nissan verbündete sich 2010 zudem mit Daimler. Renault und Nissan halten 3,1 Prozent an Daimler und die Schwaben wiederum halten 3,1 Prozent an Renault und 3,1 Prozent an Nissan. Die zwei Seiten versorgen sich gegenseitig mit Antrieben und Antriebsteilen.

Volkswagen/ Porsche

Volkswagen konnte erst nach einem erbitterten Übernahme- Machtkampf mit Porsche das Rennen für sich entscheiden. Zwar ist eine geplante Fusion wegen milliardenschwerer Schadensersatzklagen geplatzt. VW will aber nun die Porsche AG - in der das Autogeschäft gebündelt ist - schrittweise übernehmen. Derzeit hält VW 49,9 Prozent Volkswagen baut sein Imperium mit Milliardeninvestitionen massiv aus.

Volkswagen/ Suzuki

Im Dezember 2009 beteiligte sich der VW-Konzern für 1,7 Milliarden Euro mit knapp 20 Prozent an Japans viertgrößtem Autobauer Suzuki. Mittlerweiler gibt es allerdings reichlich Ärger. Suzuki Motor will seine Kooperation mit Volkswagen nach Vorwürfen des gegenseitigen Vertragsbruchs beenden und den eigenen Anteil von rund 20 Prozent von VW zurückkaufen. Doch die Deutschen stellen sich quer. Im November haben die Japaner deswegen ein Schiedsgericht angerufen.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

24.10.2012, 16:41 Uhr

"Außerdem verpflichte PSA sich, seine französischen Zulieferer besonders zu fördern."

Is' ja gut - ich verzichte jetzt einfach mal darauf, dieses dahingehend zu Kommentieren, dass es NATÜRLICH (wie in allen ähnlichen Fällen einer 'Kooperation' mit Frankreich) zu Lasten der DEUTSCHEN Zulieferer gehen wird...

Ofelas

24.10.2012, 16:56 Uhr

Koopwerationen mit Frankreich sehen so aus:

Aventis, MBDA, ESA, EADS/Eurocopter/Airbus alle jetzt gefuehrt aus Frankreich

EU = pro Kopf Einkommen in F hoeher als in D, Nettozahlungen pro Kopf sind aber um 1/3 hoeher durch D als von F

die Liste laesst sich beliebig fortsetzen

Basser

25.10.2012, 01:04 Uhr

Wenn ich mich als Staat irgendwo einkaufe, würde ich auch nicht verstehen, warum ich meine Steuerzahler mit der Förderung ausländischer Zulieferer belasten sollte. Das halte ich für ein rein deutsches Phänomen.

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