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27.05.2014

11:40 Uhr

Milliarden im Wartestand

Porsche Holding sucht weiter nach Beteiligungen

Nach dem Verkauf des Sportwagengeschäfts sucht die Porsche Holding weiter nach neuen Beteiligungen für ihre Milliarden – doch Mondpreise machen den Einstieg für die Holding unmöglich.

Der Vorstandsvorsitzende der Porsche Holding SE, Martin Winterkorn, sucht seit einem Jahr vergebens nach Beteiligungen. dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Porsche Holding SE, Martin Winterkorn, sucht seit einem Jahr vergebens nach Beteiligungen.

Stuttgart Der Volkswagen-Großaktionär Porsche SE würde gerne auf Einkaufstour gehen und Autozulieferer übernehmen - aber die Preise sind den Stuttgartern zu hoch. Grund ist nach den Worten von Vorstandschef Martin Winterkorn die Geldschwemme an den Finanzmärkten. „Es befindet sich viel Liquidität im Markt. Daher sind die Bewertungen für Beteiligungen derzeit sehr hoch“, sagte Winterkorn, der zugleich Vorstandschef von Volkswagen ist, am Dienstag auf der Hauptversammlung in Stuttgart. Die von den Familien Porsche und Piëch kontrollierte Porsche-Holding sei nicht bereit, jeden Preis zu zahlen.

Im vergangenen Jahr habe die Porsche SE zwei Dutzend Unternehmen unter die Lupe genommen, um ihr Vermögen von 2,6 Milliarden Euro anzulegen. Als interessante Investitionsmöglichkeiten nannte Winterkorn die Produktion von Anlagen und Werkzeugen für den Automobilbau oder Dienstleistungen rund ums Auto. Porsche schaut sich demnach Zulieferer an, die auf neue Antriebskonzepte, Werkstoffe, Sicherheits- oder Kommunikationstechnik für Fahrzeuge spezialisiert sind. Der Vertrag des dafür zuständigen Vorstandsmitglieds Philipp von Hagen verlängerte der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Wolfgang Porsche bis März 2018.

Allerdings könnten nicht nur Mondpreise für Firmenbeteiligungen Porsche von milliardenschweren Übernahmen abhalten, sondern die Schadensersatzforderungen von Dutzenden Klägern über insgesamt 5,7 Milliarden Euro, gegen die das Unternehmen noch jahrelang vor Gericht kämpfen dürfte. Offiziell bestreitet die Holding allerdings jeglichen Zusammenhang und hat aus Überzeugung, alle Klagen abwehren zu können, zuletzt auch nur 36 Millionen Euro für Rechtsstreitigkeiten zurückgestellt. Porsche weist alle Vorwürfe zurück und will bis zur letzten Instanz gehen. „Wir sind nicht vergleichsbereit“, sagte Winterkorn.

Wie Ferdinand Piëch einen Weltkonzern schuf

1990er-Jahre

1993: Als Ferdinand Piëch im Januar 1993 den Vorstandsvorsitz von VW übernimmt, kämpft der Konzern mit einem Einbruch des Nordamerikageschäfts, hohen Kosten und Verlusten. Der neue Chef holt den Sanierer José Igancio López nach Wolfsburg. Weil der Spanier Betriebsgeheimnisse mitgenommen haben soll, entbrennt ein langwieriger Rechtsstreit mit seinem alten Arbeitgeber General Motors.
1997: Dank Piëchs Internationalisierungsstrategie laufen fast zwei von drei Autos im Ausland vom Band. 
1998: Mit der Übernahme der Marken Bentley (Foto) und Bugatti steigt Volkswagen ins Luxussegment ein. 
1999: Der Lupo kommt als erstes Drei-Liter-Auto auf den Markt. Im gleichen Jahr übertrifft Volkswagen als erster europäischer Hersteller die Schwelle von 100 Millionen produzierten Fahrzeugen

2000

Mit der im Juni eröffneten Autostadt setzt Piëch sich und dem VW-Konzern ein Denkmal in Wolfsburg. 

2001

Mit dem Luxusmodell „Phaeton“ erweitert VW das Oberklassenangebot. Für die Produktion des Kompaktvans Touran wird mit der IG Metall ein eigenes Tarifmodell entwickelt.

2002

Volkswagen übernimmt die schwedische Scania komplett und stärkt damit das Lkw-Geschäft. Der Aufsichtsrat wählt im April des Jahres Bernd Pischetsrieder zum Vorstandschef. Piëch übernimmt den Vorsitz im Aufsichtsrat.

2007

Im Januar tritt Martin Winterkorn das Amt des Vorstandsvorsitzenden an. Der VW-Konzern liefert 6,2 Millionen Fahrzeuge aus - so viele wie noch nie zuvor. Insbesondere in China, Brasilien und Osteuropa vermeldet VW Zuwächse von bis zu 32 Prozent im Vorjahresvergleich.

2009

Der von VW gesponserte VfL Wolfsburg gewinnt die Deutsche Fußball-Meisterschaft.

2011

Volkswagen legt in Silao in Mexiko den Grundstein für ein neues Motorenwerk. Nach zweijähriger Bauzeit eröffnet in den USA das neue Werk in Chattanooga mit einer Jahreskapazität von 150 000 Autos.

2012

VW hält über eine Holding 100 Prozent der Anteile an der Porsche AG, die als eigenständige Marke geführt wird - der integrierte Konzern von Volkswagen und Porsche entsteht.

Die Prozesswelle ist das Nachspiel des Übernahmepokers in den Jahren 2008 und 2009, als Porsche mitten in der Finanzkrise den viel größeren Volkswagen-Konzern übernehmen wollte. Porsche versackte dabei in Schulden und musste von Volkswagen gestützt werden. Seit 2012 gehört der Autobauer Porsche deshalb als eine von zwölf Marken zu VW und spült den Wolfsburgern den Löwenanteil ihrer Gewinne in die Kasse. Die Porsche SE Holding ist wiederum mit gut 50 Prozent Hauptaktionär von Volkwagen.

An den Landgerichten Braunschweig und Stuttgart konnte die Porsche SE im Streit mit Investoren Etappensiege erringen, die unterlegenen Hedgefonds gingen allerdings in Berufung. Das Landgericht Stuttgart hatte die Schadensersatzklagen wegen Marktmanipulation zurückgewiesen. Nach Ansicht der Kläger hatte der Stuttgarter Konzern die Anleger bei dem Übernahmeversuch hinters Licht geführt. Porsche hatte sich seit 2005 schrittweise bei VW eingekauft und im März 2008 noch bestritten, den Wolfsburger Autokonzern beherrschen zu wollen.

Als die Porsche Holding im Oktober 2008 dann jedoch bekanntgab, dass sie sich fast drei Viertel der Stimmrechte gesichert hatte, schoss der VW-Kurs in die Höhe. Institutionelle Anleger, die auf sinkende Kurse gewettet hatten, wurden auf dem falschen Fuß erwischt und erlitten Verluste. Doch das Landgericht Stuttgart urteilte, die Hedgefonds, darunter Branchengrößen wie Glenhill Capital und Viking, hätten nicht nachweisen können, dass sie 2008 ihre Anlageentscheidungen aufgrund von Dementis von Porsche zu dem VW-Übernahmeplan trafen. Zudem sei nicht erkennbar, dass Porsche von den spekulativen Leerverkäufen der Fonds wusste und diese gezielt in die Irre führte, um ihnen zu schaden.

Von

rtr

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