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21.02.2014

19:36 Uhr

Milliarden-Kapitalerhöhung

VW will Scania komplett übernehmen

Volkswagen will bei seiner Lkw-Marke Scania künftig ohne Einschränkungen entscheiden können und strebt eine Komplettübernahme der Skandinavier an. Um die Offerte zu finanzieren, plant VW eine Milliarden-Kapitalerhöhung.

Bald könnte Scania vollständig zum VW-Konzern gehören, die Annahmefrist für das Angebot an die Scania-Aktionäre werde voraussichtlich vom 17. März bis zum 25. April laufen. dpa

Bald könnte Scania vollständig zum VW-Konzern gehören, die Annahmefrist für das Angebot an die Scania-Aktionäre werde voraussichtlich vom 17. März bis zum 25. April laufen.

FrankfurtVolkswagen will für 6,7 Milliarden Euro die restlichen Anteile am schwedischen Lkw-Bauer Scania übernehmen. Je Scania-Aktie biete Volkswagen 200 schwedische Kronen (umgerechnet rund 22,26 Euro), teilte der Konzern am Freitag mit. Bisher halten VW und MAN zusammen 62,6 Prozent des Kapitals und 89,2 Prozent der Stimmrechte an Scania.

Zur Finanzierung der Komplettübernahme plant der VW-Vorstand eine Kapitalerhöhung. Durch die Ausgabe von Volkswagen-Vorzugsaktien wollen die Wolfsburger bis zu zwei Milliarden Euro einsammeln, wie der Konzern am Freitag mitteilte. Zudem will das Unternehmen Hybridkapital begeben. Die Annahmefrist für das Angebot an die Scania-Aktionäre werde voraussichtlich vom 17. März bis zum 25. April laufen.

Strukturelle Veränderungen bei Scania, insbesondere mit Blick auf die Beschäftigten und die Produktionsstandorte sowie Entwicklungszentren, seien nicht geplant. „Volkswagen hat eine lange, erfolgreiche Tradition in der behutsamen Integration starker Marken unter seinem Konzerndach, bei gleichzeitiger Wahrung ihrer Identität, ihrer Traditionen, ihrer spezifischen Stärken und eines hohen Maßes an Eigenständigkeit“, sagte Konzernchef Martin Winterkorn.

Vorantreiben soll die Lkw-Allianz ab dem kommenden Jahr der ehemalige Daimler -Manager Andreas Renschler. Der langjährige Lkw-Chef der Stuttgarter solle am 1. Februar 2015 als Nutzfahrzeugvorstand bei VW anfangen, teilte der Konzern weiter mit.

Mit der Anteilsaufstockung will Europas größter Autobauer die schleppende Zusammenarbeit der beiden Lkw-Töchter Scania und MAN forcieren. Bisher gleichen die Bemühungen eher der Zähmung von zwei Widerspenstigen, beide Lkw-Bauer beharren auf eigenen Entscheidungsspielraum.

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Die Komplettübernahme von Scania lässt sich VW viel Geld kosten. Das Angebot entspreche einer Prämie von 57,0 Prozent bzw. 53,3 Prozent je Scania A- bzw. B-Aktie auf den 90-Tage-Durchschnittskurs, erklärten die Wolfsburger. Voraussetzung für den Erfolg der Offerte, ist das VW mindestens 90 Prozent der Anteile einsammelt, um so die restlichen Aktionäre im Rahmen eines Squeeze-Outs aus dem Unternehmen drücken zu können.

Die vollständige Übernahme von Scania solle es dem VW-Konzern ermöglichen, schneller und umfassender die gemeinsame Strategie für das Nutzfahrzeuggeschäft umzusetzen, wichtige gemeinsame Projekte zügiger zu realisieren und auf diese Weise zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten und Synergien aus der Zusammenarbeit zwischen Volkswagen, Scania und MAN zu erzielen. Im Durchschnitt erwartet Volkswagen ein langfristiges zusätzliches Synergiepotenzial von mindestens 650 Millionen Euro operatives Ergebnis pro Jahr. Angesichts der langen Produktlebenszyklen im Nutzfahrzeuggeschäft werde es jedoch zehn bis 15 Jahre dauern, bis dieses Potenzial voll ausgeschöpft sein werde, erklärte der Wolfsburger-Konzern. Die Lkw-Tochter MAN führt VW durch einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag bereits an der kurzen Leine führt.

Die Wolfsburger haben seit mehr als einem Jahrzehnt Milliarden in den Aufbau ihrer Beteiligung an MAN und Scania gesteckt. Sie folgen damit der Idee des ehrgeizigen VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech von einem schlagkräftigen Verbund, mit dem Volkswagen in der Konkurrenz mit Daimler und Volvo mithalten will.

Von

rtr

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