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23.01.2013

10:13 Uhr

Milliardenbelastung

Solartechnik verhagelt Bosch-Ergebnis

Der Umsatz des Autozulieferers Bosch klettert nur in Trippelschritten, gleichzeitig sorgt eine Investition in die Solarbranche erneut für heftige Belastungen. Der Überschuss bricht um weit mehr als die Hälfte ein.

Das Sorgenkind des Bosch-Konzerns: die Solar-Sparte. dpa

Das Sorgenkind des Bosch-Konzerns: die Solar-Sparte.

StuttgartDie verlustreiche Solartechnik zieht Bosch immer tiefer in den Keller. Die mit Milliardeninvestitionen aufgebaute Geschäftssparte brockte dem Autozulieferer - nach 2009 und 2011 - auch im abgelaufenen Jahr hohe Verluste und Abschreibungen ein, die den Gewinn um eine Milliarde Euro drückten, wie Bosch am Mittwoch in Stuttgart mitteilte. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen sei daher 2012 auf rund 1,1 (Vorjahr: 2,7) Milliarden Euro oder zwei Prozent des Umsatzes eingebrochen. Ein Weg, um die Verluste zu stoppen, hat Bosch noch nicht gefunden und prüft weiterhin "alle denkbaren Möglichkeiten".

Bereits 2011 hatte Bosch wegen der mit Preisverfall, Subventionskürzungen und chinesischer Konkurrenz kämpfenden Solartechnik einen Einbruch des operativen Gewinns verbucht. Um sich aus eigener Kraft finanzieren zu können, muss der Konzern im Stiftungsbesitz und rund 306.000 Beschäftigten aber eine Marge von acht Prozent und ein jährliches Umsatzwachstum von ebenfalls acht Prozent erwirtschaften.

Bosch im Überblick (Kennzahlen 2012/13)

Gesamtumsatz 2012/13

46 Milliarden Euro

Umsatz nach Bereichen

Kraftfahrzeugtechnik: 30,6 Milliarden Euro
Industrietechnik: 6,8 Milliarden Euro
Gebrauchsgüter: 4,1 Milliarden Euro
Energie- und Gebäudetechnik: 4,6 Milliarden Euro

Umsätze nach Regionen

Europa: 25,5 Milliarden Euro (Deutschland: 10,6 Milliarden Euro)
Nordamerika: 7,8 Milliarden Euro
Südamerika: 1,7 Milliarden Euro
Asien-Pazifik (einschließlich aller übrigen Regionen): 11,1 Milliarden Euro

Forschungsausgaben

etwa 4,5 Milliarden Euro

Mitarbeiter (31.12.2013)

281.381

Von diesen Zielmarken entfernten sind die Schwaben zuletzt deutlich. Im vergangenen Jahr bremste vor allem die Konjunkturflaute in Europa Bosch aus: Der Umsatz mit Kfz-, Industrie- und Gebäude-Technik sowie Werkzeugen und Haushaltsgeräten stieg weltweit nur marginal um 1,6 Prozent auf den Rekordwert von 52,3 Milliarden Euro, obwohl Bosch in Nordamerika 17 Prozent mehr und in Asien fünf Prozent mehr umsetzte. Denn auf dem europäischen Kontinent drückte die Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise die Erlöse um zwei Prozent, in Südamerika fiel der Umsatz sogar 16 Prozent hinter das Vorjahr zurück. Schlechter verkaufte sich wegen der Absatzkrise der Autobauer in Europa und des schwachen Nutzfahrzeug-Geschäfts in China unter anderem Diesel-Technik - eine Domäne der Schwaben.

Auch vom laufenden Jahr verspricht sich der mit Zulieferern wie Continental und Denso konkurrierende Bosch-Konzern keine durchgreifende Besserung der Geschäftslage: 2013 sei im Vergleich mit 2012 "mit einem etwas besseren, aber keinem starken Umsatzwachstum" von etwa zwei Prozent zu rechnen, stellte Volkmar Denner in Aussicht, der Bosch seit Mitte vergangenen Jahres als siebter Geschäftsführungs-Vorsitzende in der 127-jährigen Unternehmensgeschichte führt.

Wo in Deutschland der meiste Solarstrom produziert wird

Platz 1

Absoluter Spitzenreiter in Sachen Solarenergie ist Bayern: Mit 9422 Megawatt Nennleistung stehen fast 30 Prozent der gesamten deutschen Nennleistung der Solarenergie in dem südlichen Bundesland. Bayern ist jedoch mit 5.257 Megawatt Nennleistung auch führend in Sachen Kernenergie. Zwei der vier Atomkraftwerke gehören Eon, die anderen beiden RWE.

Platz 2

Den zweiten Platz bei der Solarenergie belegt Baden-Württemberg. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 4.286 Megawatt Strom erzeugen, das entspricht einem Anteil von 13 Prozent an der gesamten in Deutschland installierten Leistung im Bereich Solar. Ganz weit vorne liegt das Bundesland bei den Pumpspeicherkraftwerken: In Baden-Württemberg stehen Anlagen mit einer Nennleistung von 1.873 Megawatt.

Platz 3

Platz 3 der Bundesländer mit den meisten Solaranlagen belegt mit 3.569 Megawatt Nordrhein-Westfalen. Das Bundesland ist jedoch auch Spitzenreiter bei der klimaschädlichen Braunkohle: Fast die Hälfte der deutschen Gesamtleistung produzieren die Kraftwerke dort.

Platz 4

Den vierten Platz im Ranking der Bundesländer belegt Niedersachsen mit 3.043 Megawatt installierter Leistung. Absolute Spitze ist das Land jedoch in Sachen Windkraft an Land: Fast ein Viertel der installierten Leistung in Deutschland steht dort.  

Platz 5

Brandenburg führt die Gruppe der Ostländer an und belegt den fünften Platz im Ranking: 2.629 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Platz 6

Den sechsten Platz bei der Solarenergie belegt Hessen. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 1.591 Megawatt Strom erzeugen.

Platz 7

Rheinland-Pfalz belegt den siebten Platz im Ranking: 1.471 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Platz 8

Solaranlagen mit 1.433 Megawatt Nennleistung stehen in Sachsen-Anhalt. Gemeinsam mit Wind stellt die Sonne den wichtigsten Energieträger für das Land dar.

Platz 9

1.318 Megawatt Solarstrom könnten in Sachsen bei voller Auslastung produziert werden. Hauptstromlieferant ist jedoch die Braunkohle – fast die Hälfte der installierten Nennleistung in dem Bundesland geht auf diesen Energieträger zurück.

Platz 10

Schleswig-Holstein belegt den siebten Platz im Ranking: 1.283 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Nach der "nicht zufriedenstellenden" Geschäftsentwicklung im vergangenen Jahr werde 2013 vordinglich an der Verbesserung der Ertragskraft gearbeitet. Eine operative Rendite von acht Prozent werde Bosch dennoch auch 2013 nicht erreichen, räumte Denner ein. Das Unternehmen wolle die Fixkosten drücken und strikte Obergrenzen etwa für Investitionen und Zukäufe einführen, um künftig auch Umsatzeinbußen von bis zu 20 Prozent ohne gesetzliche Kurzarbeit abfedern zu können.

Die weltweit größten Automobilzulieferer

Platz 10

Faurecia - 18,03 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Das Schicksal des Autozulieferers ist eng verbunden mit PSA Peugeot/Citroën. Derzeit stagnieren die Geschäfte. Zum Portfolio gehören Sitze und Emissionskontrollsysteme.

Platz 9

Aisin Seiki - 18,92 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner gehören zur Toyota-Gruppe und produzieren etliche Komponenten für die Autoindustrie, darunter Getriebe und Navigationssysteme.

Platz 8

Michelin - 20,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der französische Reifenriese musste zuletzt erneut Rückschläge beim Absatz hinnehmen. Neben Reifen stellt das Unternehmen aus Clermont-Ferrand auch Navigationssysteme her.

Platz 7

Johnson Controls - 20,93 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die US-Amerikaner aus Milwaukee konzentrieren sich die Zulieferung von Sitzen, Türen und Instrumenten. Damit legte der Umsatz zuletzt leicht zu.

Platz 6

Hyundai Mobis - 23,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Koreaner sind Teil des riesigen koreanischen Hyundai-Imperiums und zählen zu den wichtigsten Zulieferern für die Autobauer Hyundai und Kia. Gebaut werden Sicherheitssysteme, Airbus, Lampen und Antriebsstränge.

Platz 5

Bridgestone / Firestone - 24,62 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

In der Gummiverarbeitung sind die Japaner sogar weltweit führend. In Frankreich, Italien, Polen und Spanien betreiben sie eigene Werke.

Platz 4

Magna - 24,95 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Unter der Führung der schillernden Österreichers Frank Stronach wuchs der Konzern - und kann nahezu alle Bauteile selbst Produzieren. Fahrgastzellen, Sitze, Antrieb und Elektronik gehören zum Portfolio des Unternehmens.

Platz 3

Denso - 27,79 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner verloren zuletzt wieder Marktanteile. Kunden sind insbesondere die großen japanischen Autobauer. Das Unternehmen baut unter anderem Klimaanlage, Antriebsstränge und Elektronik.

Platz 2

Robert Bosch - 30,7 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der zweitgrößte Autozulieferer der Welt ist in Stuttgart daheim. Neben Benzin- und Dieselsystemen baut Bosch auch Multimedia-Systeme, Bremsen, Elektronik und Batterien für etliche große Autohersteller .

Platz 1

Continental - 33,32 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Aus Hannover in die Welt: Neben den bekannten Reifen liefert Conti auch Sicherheits- und Telematiksysteme, Steuerinstrument und die Elektronik für Antriebsstränge. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Umsatz damit leicht zu.

Das Milliardengrab Solartechnik mit einem Umsatz von zuletzt weniger als einer Milliarde Euro und gut 3200 Beschäftigten hat Denner von seinem Vorgänger Franz Fehrenbach geerbt. Der hatte Ersol, Aleo und Voltwerk in den Konzern geholt. Mittlerweile führt Fehrenbach als Denners Chef den Bosch-Aufsichtsrat. Bereits 2009 hatte Bosch den Unternehmenswert der Solartechnik-Sparte um mehr als 400 Millionen Euro reduziert. 2011 kamen nochmals Abschreibungen von knapp 600 Millionen Euro hinzu. Siemens, mit denen Bosch zusammen Haushaltsgeräte fertigt, hat seinen verlustreichen Ausflug in die Stromerzeugung aus Sonnenlicht bereits für beendet erklärt und im Herbst den Verkauf der Solarenergie-Technik angekündigt.

Von

rtr

Kommentare (12)

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Smokie2013

23.01.2013, 11:07 Uhr

Wie jez? Ich dachte es gibt diese Decoupling-These, Wachstum ohne Co2, ohne fossile, billige Energie und total sauber aus Sonne, Wind und Wasser? Und jetzt soll das alles doch nicht gehen?! Ich bin überrascht!

Und wo sind denn nun die Millionen von Jobs im Bereich Solare-Wende? Ich lese immer nur Personalabbau, unrentabel, Abschreibung und Verluste?!

Account gelöscht!

23.01.2013, 11:21 Uhr

Auch wenn man das Solarergebnis herausrechnet: Die sind auf dem Weg zum Sanierungsfall. 2009 Milliardenverlust, 2010 und selbst 2011 unter der Langfrist-Ergebniszielmarke. Die BCG Berater laufen sich schon warm.

Und Conti grinst ohne Ende über die selbstgelegten Stolpersteine beim Wettbewerb.

HofmannM

23.01.2013, 11:30 Uhr

@Smokie2013
Das schlimme bei dieser ideologischen merklischen Ethikenergiewende ist nicht nur, dass zu sehends das subventionierte Schneeballsystem der Erneuerbaren Energien zusammenbricht, sondern dass mit dieser Energiewende auf Basis es EEG auch die billigen Energieerzeuger von Kohle-Uran-und Gaskraftwerken zusammenbrechen. Das EEG sorgt dafür, dass die verordnete ideolgisch basierte Planwritschaft die freie Marktwirtschaft verdrängt hat. Die Folgen, die daraus entstehen, dass ideologisch diktierte Politik eine freie verbraucherfreundliche Marktwirtschaft ersetzt, hatten wir zu letzt mit der DDR auf deutschen Boden zu erleiden.
Mit der diktierten Energiewende ala Merkel und den ökosozialistischen Gedankengut einer gesellschaftlichen Transformation, die auf Basis eines menschengemachten CO2-Klimawandelmärchen fusst, werden wir in Deutschland zukünftig eine nächse Mangelwirtschaftepoche geführt!
Das Leben beruht auf Energieverbrauch und nicht auf Energieeinsparung!
Energieeinsparung = Stillstand = (mangel) Armut!!!
Verbrauch = Fortschritt = (sozialer) Wohlstand!!!

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