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02.01.2014

06:17 Uhr

Milliardendeal

Fiat übernimmt Chrysler komplett

Fiat rüstet sich für die knallharte Konkurrenz im Autogeschäft: Der italienische Konzern übernimmt die restlichen Anteile an seiner US-Tochter Chrysler komplett. Dafür muss er eine Milliardensumme aufbringen.

Fiats wackelige Wette auf Chrysler

Video: Fiats wackelige Wette auf Chrysler

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Turin/DetroitFiat sichert sich die volle Kontrolle über die US-Tochter Chrysler. Der italienische Autobauer übernimmt in einem 4,35 Milliarden Dollar (3,16 Mrd. Euro) schweren Geschäft den Minderheitsanteil, den bislang der Gesundheitsfonds der nordamerikanischen Autogewerkschaft UAW hält. Fiat stellt sich damit im knallharten Autogeschäft besser auf gegenüber Rivalen wie Volkswagen, der Opel-Mutter General Motors oder Ford.

„Dank der einheitlichen Besitzverhältnisse können wir nun unsere Vision eines globalen Autobauers umsetzen“, erklärte Konzernchef Sergio Marchionne am Mittwoch in Turin. Während Fiat seine Autos vor allem in Europa und Lateinamerika verkauft, ist Chrysler aus Auburn Hills nahe Detroit in Nordamerika stark. Zu dem Gesamtkonzern gehören auch die italienischen Marken Alfa Romeo, Lancia und Abarth sowie die amerikanischen Marken Jeep, Dodge und Ram.

Die größten Autobauer der Welt

Platz 10

Suzuki - 2,69 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Auch wenn der Absatz der Japaner stagniert treibt auch hier der Yen-Wechselkurs die Gewinne nach oben. Der Gewinn legt um satte 50 Prozent zu.

Platz 9

PSA Peugeot Citroën- 2,82 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Franzosen stecken weiter tief in der Krise und haben im Jahr 2013 rund fünf Prozent weniger Autos verkauft. Mit frischem Geld aus China soll es dieses Jahr wieder aufwärts gehen.

Platz 8

Honda - 4,28 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Kaum ein Autokonzern weltweit hat bei den Verkäufen so stark zugelegt wie die Japaner. Unterm Strich steht ein Plus von satten 12 Prozent.

Platz 7

Fiat/Chrysler - 4,42 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Fusion soll dem italienisch-amerikanischen Duo neuen Schwung verleihen. Für Gewinne sind im Markenreicht von Fiat, zu dem auch Maserati, Alfa Romeo und Jeep zählen, vor allem die Amerikaner zuständig.

Platz 6

Nissan- 5,1 Millionen verkaufte Fahrzeuge

In Deutschland erfreut sich vor allem der SUV Qashqai enormer Beliebtheit, aber auch weltweit läuft es rund für Japaner. Unter Strich steht ein Absatzplus von etwa drei Prozent.

Platz 5

Ford- 6,33 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner haben nicht nur eines der besten Jahre der Unternehmensgeschichte hinter sich, sondern mit dem Focus erneut das meistverkaufte Auto der Welt in ihren Reihen. Für das Treppchen reicht das allerdings nicht.

Platz 4

Hyundai/Kia- 7,61 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Das rasante Wachstum der vergangenen Jahre ist etwas abgekühlt, doch die Koreaner legen weiterhin stetig zu. Das Duo landet trotz starker Heimatwährung beim Absatz im Plus.

Platz 3

Toyota- 9,03 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Beim Gewinn hängt Toyota die Konkurrenz um die Weltmarktspitze locker ab, doch beim Absatz reicht es nur für Bronze. Vor allem weil der Absatz im Vergleich zum Vorjahr nur stagniert.

Platz 2

Volkswagen- 9,51 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Der VW-Konzern kommt beim Absatz auf den zweiten Platz. Mit allen zwölf Konzernmarken, darunter auch Audi und Porsche, erwirtschaften die Wolfsburger ein Absatzplus von vier Prozent.

Platz 1

General Motors - 9,71 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Beim Absatz behaupten die Amerikaner im Dreikampf mit Toyota und Volkswagen die Krone. Ob sich der Titel angesichts der aktuellen Rückrufprobleme verteidigen lassen wird?

Quelle

Ernst&Young-Studie „Die größten Automobilhersteller weltweit“, Gesamtjahr 2013

Die Italiener waren 2009 bei Chrysler eingestiegen, als der US-Hersteller in der Wirtschaftskrise in die Insolvenz schlitterte und vom amerikanischen Steuerzahler gerettet werden musste. Fiat bot technisches Knowhow an und erhielt im Gegenzug nach und nach immer mehr Anteile. Die Partnerschaft erwies sich trotz aller Unkenrufe als Erfolg: Chrysler schreibt seit mehr als zwei Jahren Gewinne, was Fiat half, die Einbrüche im europäischen Automarkt zu überstehen.

Der vollen Integration von Chrysler in den Fiat-Konzern stand aber der 41,5-Prozent-Anteil der Autogewerkschaft entgegen, den diese für ihre Zugeständnisse in der Insolvenz erhalten hatte. Seit Monaten verhandeln beide Seite über die Komplettübernahme. Allerdings lagen die Preisvorstellungen meilenweit auseinander. Als Ausweg aus dieser Zwickmühle hatte Fiat einen Börsengang für Chrysler erwogen, den Plan aber Ende November verworfen.

Der Gesundheitsfonds der Gewerkschaft bekommt nun aus der Kasse von Chrysler 1,90 Milliarden Dollar ausgeschüttet, weitere 1,75 Milliarden Dollar zahlt Fiat beim Abschluss der Transaktion. Der Plan ist, dass die Anteile bis spätestens 20. Januar den Besitzer wechseln. Zudem bekommt der Fonds von Chrysler weitere insgesamt 700 Millionen Dollar in vier jährlichen Raten ausbezahlt.

Chrysler befand sich zuletzt im Aufwind. Im dritten Quartal 2013 stieg der Gewinn um 22 Prozent auf 464 Millionen Dollar, der Umsatz um fast 14 Prozent auf 17,6 Milliarden Dollar. Damit wird die Tochter immer wichtiger für den Fiat-Konzern, der vor allem auf dem Heimatmarkt zu kämpfen hat.

Kommentare (9)

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Michl

02.01.2014, 08:41 Uhr

FIAT ist für Italien systemrelevant und somit wird die EU, sprich der Deutsche Steuerzahler mit Darlehen einspringen. Die Darlehen sind mit nahezu 0% Zins und seeeehr langer Laufzeit ausgestattet, so daß sich die Schulden über die Inflation kaufkraftmäßig selbst reduzieren. Somit finanziert der Deutsche Steuerzahler die Luxusgehälter, -Pensionen und -Abfindungen der Chrysler-Manager. Wenn dann gar nichts mehr geht, meldet Chrysler einfach "Insolvenz" an und FIAT, sprich wir, bleiben auf den Schulden sitzen.

Wieder ein kluger Schachzug der Amerikaner, nachdem sie den europäischen Banken und Anlegern ihre Schrott-Immobilienkredite (ABS-Papiere) als hochwertige Anlagen verkauften und die Krise erst auslösten.
Tja, liebe NSA-Mitleser, das ist die Wahrheit!

Gast

02.01.2014, 09:24 Uhr

Sorry, so ein Kommentar kann nur von einem "Deutschen-Michl" kommen. Denn im Gegensatz zur Deutschen Automobilindustrie steht in Italien keine Regierung dahinter. In Deutschland werden unsere Automobilkonzere, egal von welcher Regierung geschützt. Wie z. B. Durch das sogenannte VW- Gesetz, einschalten der Kanzlerin bei Festlegung der CO2 Grenzen innerhalb der EU etc. Bleiben Sie deshalb sachlich. Schon 2009 haben viele der sogenannten "Deutschen-Automobilexperten" den Deal mit Chrysler kritisch gesehen, die Unternehmenszahlen sprechen aber eine andere Sprache.

Gurkenmurkser

02.01.2014, 09:51 Uhr

So wird das laufen.

Man erinnere auch, daß Daimler seinerzeit viele Milliarden in Chrysler investiert hat, dazu das Wissen, wie man überhaupt brauchbare Autos baut. Alles verschenkt; im Gegensatz zu den Reparationszahlungen ab 1919 wird das noch nicht mal angerechnet.

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