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22.04.2014

08:42 Uhr

Milliardendeal

Novartis sorgt für Paukenschlag in der Pharmabranche

Novartis macht ernst mit dem Konzernumbau: Die Schweizer kaufen die Krebssparte von Glaxo-Smithkline und stoßen gleichzeitig zwei Geschäfte ab. Ein weiterer Milliardendeal in der Pharmabranche wird offenbar vorbereitet.

Novartis-Firmensitz in Basel: Der Schweizer Pharmakonzern strukturiert sich mit einem Milliardendeal um. Reuters

Novartis-Firmensitz in Basel: Der Schweizer Pharmakonzern strukturiert sich mit einem Milliardendeal um.

ZürichMit milliardenschweren Zu- und Verkäufen baut der Schweizer Pharmakonzern Novartis sein Geschäft grundlegend um. Der Bereich Tiergesundheit werde für rund 5,4 Milliarden Dollar an den US-Wettbewerber Eli Lilly veräußert, teilte Novartis am Dienstag mit. Das Impfstoffgeschäft geht für 7,1 Milliarden Dollar und Lizenzgebühren an die britische Glaxo-Smithkline. Nicht Teil der Transaktion seien die Grippe-Impfstoffe, die Novartis zu einem späteren Zeitpunkt veräußern will.

Mit Glaxo werde zudem ein Gemeinschaftsunternehmen für nicht verschreibungspflichtige Medikamente gegründet, kündigte der Baseler Konzern an. Von Glaxo übernehmen die Schweizer für zunächst 14,5 Milliarden Dollar Krebsmedikamente.

Novartis-Chef Joseph Jimenez sprach von Transaktionen mit einer großen Tragweite. „Sie verbessern unsere Finanzkraft und dürften unsere Wachstumsraten und Margen unmittelbar steigern.“ Novartis will die Transaktion mit bestehenden flüssigen Mitteln, kurzfristigen Finanzierungsinstrumenten und bei Bedarf auch mit begrenzten Anleiheemissionen finanzieren. Der Verkauf an Eli Lilly solle bis Ende des ersten Quartals 2015 abgeschlossen werden, die Transaktion mit Glaxo in der ersten Hälfte des kommenden Jahres.

Die größten Pharmakonzerne nach Jahresumsatz

Platz 10

Teva (Israel)
20,3 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +/- 0 %

Pharma-Umsätze im Jahr 2013, Quelle: Unternehmen

Platz 9

Eli Lilly (USA)
21,0 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +1,9 %

Platz 8

Astra-Zeneca (Großbritannien)
25,7 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -8,1 %

Platz 7

Johnson & Johnson (USA)
28,1 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +10,9 %

Platz 6

Glaxo Smith Kline (Großbritannien)
33,5 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -1,3 %

Platz 5

Sanofi (Frankreich)
37,1 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -2,9 %

Platz 4

Merck (USA)
37,4 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -7,8 %

Platz 3

Roche (Schweiz)
39,0 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +3,9 %

Platz 2

Novartis (Schweiz)
47,5 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +1,6 %

Platz 1

Pfizer (USA)
47,9 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -6,5 %

Jimenez und der von Bayer kommende neue Präsident Jörg Reinhardt hatten das Geschäftsportfolio im Vorjahr auf den Prüfstand gestellt. Nicht hinterfragt wurden dabei die drei großen Bereiche Pharma, Augenheilkunde und Generika. Interesse an der Tierarzneisparte waren auch Bayer nachgesagt worden.

Vergangene Woche berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg, dass Novartis neben dem Medikamentenhersteller Shire zu den Pharmakonzernen gehört, die Kreisen zufolge Offerten für den belgischen Augenmedizin-Spezialisten Thrombogenics erwägen. Novartis gelte demnach als der wahrscheinlichste Käufer, weil außerhalb der USA bereits eine Partnerschaft zur Vermarktung der Augenmedizin Jetrea von Thrombogenics besteht. Der Verkauf dürfte das Unternehmen mit bis zu 1,3 Milliarden Dollar bewerten, erklärte eine informierte Person.

Thrombogenics hatte am 24. Februar einen Rekord-Kursgewinn verzeichnet, als der Pharmahersteller mitgeteilt hatte, er habe die US-Großbank Morgan Stanley mit der Sondierung von strategischen Optionen betraut.

Dem Milliardendeal von Novartis könnte schon bald ein weiterer Umbruch in der Pharmabranche folgen: Der US-Konzern Pfizer hat einem Zeitungsbericht zufolge Interesse an dem britischen Rivalen Astra-Zeneca. Pfizer sei mit einem Angebot von rund 100 Milliarden Dollar (60 Milliarden Pfund) auf den Konkurrenten zugegangen, berichtete die „Sunday Times“ unter Berufung auf Investmentbanker und Branchenkreise. Es habe auch bereits informelle Gespräche gegeben. Astra-Zeneca habe den Vorstoß aber abgelehnt, weshalb es derzeit keine Verhandlungen gebe. Weder Astra-Zeneca noch Pfizer wollten sich am Montag zu dem Bericht äußern.

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