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22.10.2012

13:27 Uhr

Milliardendeal

Rosneft kauft BP-Anteil an TNK-BP

Der Deal macht das russische Staatsunternehmen Rosneft zum größten börsennotierten Ölkonzern der Welt: Rosneft übernimmt den BP-Anteil des Unternehmens TNK-BP. Damit baut der Kreml seinen Einfluss auf die Ölbranche aus.

Rosneft steigt zum größten Ölkonzern der Welt auf. dapd

Rosneft steigt zum größten Ölkonzern der Welt auf.

Der britische Ölkonzern BP verkauft seinen 50-Prozent-Anteil an dem britisch-russischen Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP an den russischen Ölriesen Rosneft. BP bekomme dafür 17,1 Milliarden Dollar (13,1 Milliarden Euro) und erhalte Anteile in Höhe von 12,84 Prozent an Rosneft, teilte das Unternehmen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge am Montag in London mit. Zusätzlich kaufe BP für 4,8 Milliarden Dollar weitere 5,66 Prozent an dem staatlich kontrollierten Konzern Rosneft.

Die Nachrichtenagentur dpa meldete sogar, der russische Staatskonzern Rosneft habe den britisch-russischen Ölförderer TNK-BP komplett übernommen. Das habe Rosneft-Chef Igor Setschin am Montag der Agentur Interfax zufolge mitgeteilt. Rosneft kaufe 50 Prozent vom britischen Energieriesen BP sowie 50 Prozent von einem russischen Oligarchenkonsortium, hieß es.

Der jahrelange Krimi um den Ölriesen TNK-BP

2003

Der britische Ölkonzern BP und ein Konsortium aus vier russischen Oligarchen mit dem Namen AAR gründen den Gemeinschaftskonzern TNK-BP. Die Konzerne legen damit ihre Förderanlagen, Raffinerien und Pipelines in Russland und der Ukraine zusammen.

2004

Russlands Präsident Putin will einen nationalen Energiekonzern schmieden. Er drängt den Gasriesen Gazprom und den Ölkonzern Rosneft zu einem Zusammenschluss. Doch die damals rund 7,6 Milliarden Dollar schwere Fusion scheitert. Die beiden Konzerne können sich nicht auf die Bedingungen eines Zusammenschlusses einigen.

2008

Zwischen den TNK-BP-Eignern BP und AAR entbrennt ein Streit über die Ausrichtung und Strategie des Gemeinschaftsunternehmens. Der Konflikt eskaliert, sogar der Kreml schaltet sich ein. BP-Techniker dürfen nicht mehr in Russland arbeiten.
Im Juni wird sogar dem damaligen BP-Manager und TNK-BP-Chef Bob Dudley das Visum entzogen. Er flieht aus Russland und leitet den Konzern fünf Monate lang von einem geheimen Ort aus.
Nach langen Verhandlungen unterzeichnen AAR und BP ein Memorandum, das die Streitigkeiten beilegen soll. Dudley tritt zurück und die russischen Oligarchen installieren einen eigenen Konzernchef. Heute ist Dudley Vorstandschef von BP.

2010

Der Streit zwischen den TNK-BP-Eignern scheint beigelegt. BP-Manager und AAR-Vertreter treten erstmals seit dem Streit wieder gemeinsam in der Öffentlichkeit auf.

2011

BP und Rosneft Unternehmen wollen gemeinsam Öl- und Gasvorkommen in der Arktis ausbeuten. Doch der Milliardendeal scheitert am Widerstand von TNK-BP-Aktionären, die sich übergangen fühlten. BP hätte laut Aktionärsvertrag zunächst TNK-BP das Geschäft vorschlagen müssen. Der TNK-BP-Minderheitsaktionär Andrej Prochorow verklagt BP auf elf Milliarden Dollar.

Juli 2012

Ein Schiedsgericht in der sibirischen Stadt Tjumen gibt der Klage des TNK-BP-Minderheitsaktionärs Andrej Prochorow Recht. BP will seinen Anteil an TNK-BP inzwischen verkaufen. Mal will das Oligarchen-Konsortium AAR zugreifen und sich das Gemeinschaftsunternehmen komplett aneignen. Mal signalisiert aber der Ölkonzern Rosneft Interesse.

Oktober 2012

Der Energieriese Rosneft könnte sowohl den BP-Anteil an TNK-BP, als auch den AAR-Anteil übernehmen.

Das Milliardengeschäft gilt als neuer Erfolg für Kremlchef Wladimir Putin bei seinem Ziel, die Rohstoffschätze des Riesenreichs wieder unter staatliche Kontrolle zu bekommen. „Dieses große Geschäft ist nicht nur für den russischen Energiesektor wichtig, sondern auch für die Wirtschaft des Landes“, sagte Putin.

Rosneft werde BP 17,1 Milliarden US-Dollar zahlen, teilte BP mit. Zudem bekomme BP einen Anteil von 12,84 Prozent an Rosneft zu einem Preis für die Aktie von acht US-Dollar. Das Oligarchenkonsortium AAR erhalte 28 Milliarden US-Dollar, sagte Setschin.

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