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12.05.2011

19:34 Uhr

Milliardeninvestition

Continental entdeckt die Reifen wieder

VonMark Christian Schneider

ExklusivLange war die Reifenproduktion beim Zulieferer Continental out. Das hat sich gründlich geändert. Jetzt soll sogar groß investiert werden.

Ein Mitarbeiter prüft im Werk in Hannover einen LKW-Reifen. Quelle: dapd

Ein Mitarbeiter prüft im Werk in Hannover einen LKW-Reifen.

HannoverDie Niedersachsen starten zudem eine Aufholjagd in den Schwellenländern und den USA. „Es ist richtig, dass wir als PKW-Reifensparte in den vergangenen Jahren gern mehr investiert hätten, besonders in den Schwellenländern“, sagte Contis Spartenvorstand Nikolai Setzer dem Handelsblatt. „Doch jetzt holen wir das nach.“ Der vom Familienunternehmen Schaeffler dominierte MDax-Konzern investiert in den nächsten Jahren mehr als eine Milliarde Euro in Wachstumsprojekte der Reifensparten. Die Nachfrage nach Reifen wächst dank des globalen Autobooms stark. Die Niedersachsen führen Europas Märkte an, liegen aber weltweit hinter Bridgestone aus Japan, Michelin aus Frankreich und Goodyear aus den USA.

Im Zentrum der Offensive stehen die Schwellenländer, die BRIC genannten Wachstumsmärkte in Brasilien, Russland, Indien, und China. In Brasilien nehmen die Deutschen nach fünf Jahren Produktion die Erstausrüstung von Neuwagen in Angriff. „Die jährliche Kapazität unserer Fabrik liegt derzeit bei vier bis fünf Millionen Reifen. Die Zahl werden wir bis Ende 2015 verdoppeln“, kündigte Setzer an. Als Hauptsponsor will Conti die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 nutzen, um den zweistelligen Marktanteil in Brasilien „substantiell weiter zu steigern“.

Im Wachstumsmarkt Indien greift Setzer auf die Hilfe der Schwestersparte für LKW-Reifen zurück, die den indischen Hersteller Modi kauft. „Sobald die Übernahme von Modi abgeschlossen ist, bereiten wir parallel zur bestehenden Produktion von Nutzfahrzeugreifen die Produktion von Pkw-Reifen vor“, sagte Setzer. „Dank der Grundstruktur durch die bestehende LKW-Reifenproduktionsanlage können wir in Indien mit einer sonst nicht rentablen kleinen Produktionskapazität von gut einer Million Reifen pro Jahr starten.“ In Russland bauen die Deutschen dagegen ein eigenes Werk. Setzers Ziel ist es, „in einigen Jahren unsere dort angebotene Produktpalette komplett in Russland herzustellen zu können“. Dazu investiert Conti rund 200 Millionen Euro. Bis Juni will Setzer die Auswahl des Standorts abschließen, Ende 2013 soll die Serienfertigung beginnen.

In China startet Conti kommende Woche mit der Einweihung des ersten Werks offiziell die Produktion. „In China wollen wir bis 2014 rund vier Millionen Reifen pro Jahr herstellen“, sagte Setzer dem Handelsblatt. Doch Conti expandiert auch in den USA. Das Unternehmen möchte dort eine halbe Milliarde Dollar investieren. Ein bestehendes Werk im Norden in Illinois wird um vier Millionen Reifen bis 2015 erweitert – auf eine Kapazität von dann 13 Millionen Reifen, teilte Conti mit. Im Süden baut der Reifenhersteller zudem ein ganz neues Werk. Insgesamt sollen 1200 neue Jobs in den USA entstehen.

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