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09.06.2012

13:40 Uhr

Milliardensumme gespart

Schlupfloch erlaubt steuerfreien Porsche-Verkauf

1,5 Milliarden Euro hätten VW und Porsche eigentlich an das Finanzamt zahlen müssen. Doch der Verkauf der Porsche AG an VW bleibt wohl steuerfrei. Mit einem Trick können die beiden Autobauer den Fiskus umgehen.

Ein Porsche-Firmenlogo wird vor ein VW-Logo in Wolfsburg gehalten. dpa

Ein Porsche-Firmenlogo wird vor ein VW-Logo in Wolfsburg gehalten.

Stuttgart/WolfsburgEine Lücke im Paragrafendschungel des Steuergesetzes dürfte in den Chefetagen von Volkswagen und Porsche wahre Jubelstürme auslösen. Monatelang hatten die beiden Unternehmen verzweifelt darüber gebrütet, wie sich das Sportwagengeschäft der Schwaben möglichst günstig bei den Wolfsburgern eingemeinden lässt. Die Hürde: eine milliardenschwere Steuerlast, die es zu mindern galt. VW und Porsche scharten Berater um sich, die über mögliche Tricks grübelten. Ohne eine rettende Idee wäre der Zusammenschluss erst Mitte 2014 steuerfrei gewesen. Monate vergingen so ohne eine Lösung.

Jetzt hat sich für die Wunschpartner ein verblüffend einfacher Weg aufgetan. Die bereits eng verbandelten Unternehmen sorgen dafür, dass VW das Sportwagengeschäft der Porsche AG komplett übernimmt und der Dachgesellschaft Porsche SE dafür neben einer Milliardensumme auch noch exakt eine VW-Stammaktie gibt. Folge des Deals: Laut der Lücke im Umwandlungssteuergesetz ist das dann kein Verkauf mehr, sondern eine Umstrukturierung. Und ohne Verkauf fallen auch keine Steuern an.

Für den braven steuerzahlenden Bürger mag das klingen wie die Nachricht aus einer Bananenrepublik. Doch VW und Porsche haben es schon amtlich schwarz auf weiß. Nach dpa-Informationen aus Kreisen der Finanzbehörden ist in Wolfsburg und Stuttgart eine sogenannte rechtsverbindliche Auskunft eingegangen, in der vereinfacht gesagt steht: Herzlichen Glückwunsch, Euer Trick funktioniert tatsächlich. Diese Zusicherung der Steuerbehörden ist eine feste Garantie, sie haben die Umsetzung der Idee gewissermaßen im Vorfeld durchgespielt.

Finanzminister Nils Schmid (SPD) dürfte schäumen vor Wut. Da das Geld am Porsche-Sitz in Baden-Württemberg ankommt, wäre es bei einer Besteuerung einem Geldregen für Schmids Kasse gleichgekommen. Ein Ministeriumssprecher lehnte am Wochenende auf Anfrage jeden Kommentar ab und verwies darauf, dass das Steuergeheimnis gelte. Schmid hätte allen Grund, das Schlupfloch zu verteufeln. Im Doppelhaushalt 2013/2014 will er rund 3,65 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen.

Der dpa liegt ein Schriftverkehr über die verbindliche Auskunft der Behörden vor. Darin heißt es, dass das gewählte Konstrukt mit der einen verschobenen Aktie den Steueranspruch tatsächlich vermeide: „Entsprechend der Zielsetzung des Umwandlungssteuergesetzes können daher aus Sicht der Unternehmen steuerliche Belastungen vermieden werden.“ Erste Reaktionen aus der Politik gibt es schon: „Es ist natürlich hoch ärgerlich, dass durch eine solche Gesetzeslücke dem Staat und damit allen Steuerbürgern Milliardensummen verloren gehen“, sagte Baden-Württembergs Oppositionsführer Peter Hauk (CDU) der dpa. „Die Konsequenz daraus ist klar: Die Lücke muss geschlossen werden.“

Kommentare (46)

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Account gelöscht!

09.06.2012, 11:54 Uhr

mit der meldung sollte man dann in zukunft die "super gewinn" meldungen unterlegen, wenn die wieder den jahresbericht vorlegen...

überall ist Griechenland

Account gelöscht!

09.06.2012, 12:02 Uhr

"Demnach erhält Porsche SE für die Porsche AG nicht nur 4,5 Milliarden Euro, sondern auch eine einzige VW-Stammaktie."

Wenn ein Kleinsteuerzahler dem Finanzamt mit solchen Konstrukten käme, würde das als Gestaltungsmissbrauch abgelehnt. Naja, wie üblich: ab einer bestimmten Größe bewegt man sich außerhalb des Gesetzes (bis die Revolution kommt und sich der kleine Mann sich auch nicht mehr an "Recht und Ordnung" hält...)

JAJA

09.06.2012, 12:04 Uhr

GENIAL!
Dann bleiben dem Konzern ja immer noch genügend Mittel für Forschung im Bereich der Elektromobilität, Wahnsinnsgehälter der Vorstände, Dividenden und Lustreisen der Betriebsräte.
Verantwortung für die Gesellschaft, die das alles nebenbei ermöglicht, null.
Wir leben in einem tollen Land.

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