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25.07.2012

16:11 Uhr

Milliardenverlust

Ford erwartet ein Desaster in Europa

VonNils Rüdel

In den USA läuft das Geschäft. Doch der europäische Markt kann für Ford zum Milliardengrab werden. Im laufenden Geschäftsjahr rechnen die Amerikaner mit einem Verlust von mehr als einer Milliarde Dollar.

Der US-Autobauer macht Milliardenverluste in Europa. Reuters

Der US-Autobauer macht Milliardenverluste in Europa.

DetroitAlan Mulally ist es eigentlich gewohnt, Erfolgsmeldungen zu präsentieren und sich für seine Erfolge feiern zu lassen. Der heutige Mittwoch dürfte dem Chef des zweitgrößten US-Autobauers Ford deshalb ganz und gar nicht gefallen. Der Konzern, teilte Mullaly am Morgen mit, habe im zweiten Quartal einen herben Gewinneinbruch um 57 Prozent erlitten. Die Prognose für das Gesamtjahr nahm der Manager auch gleich noch zurück.

Schuld an dem Schlamassel ist das Europa-Geschäft. Die Krise halte viele Menschen davon ab, sich ein neues Auto zuzulegen, klagt Ford. Allein im zweiten Quartal fiel hier ein operativer Verlust von 404 Millionen Dollar an – nach einem Minus von 149 Millionen im ersten Quartal. Im zweiten Vierteljahr 2011 hatte Ford  noch 176 Millionen Gewinn gemacht.

Die Aussichten hätten sich sogar noch verschlechtert: „Angesichts des zerbröckelnden Umfeldes in Europa rechnet Ford nun mit einem Verlust von mehr als einer Milliarde Dollar auf dem Kontinent“, heißt es in dem Zwischenbericht. Bislang war von einem nur halb so hohen Minus die Rede gewesen. „Es ist brutal, einfach nur brutal“, sagte der Fondsmanager Gary Bradshaw von Hodges Capital Management der Finanznachrictenagentur Bloomberg. Ford habe in den USA „einen beachtlichen Job gemacht“, doch das Europa zerstöre die ganzen Erfolge wieder.  

Und tatsächlich läuft das Geschäft angesichts des brummenden Auto-Verkaufs in Nordamerika, China und Südamerika insgesamt rund. Der Autobauer, der anders als die Konkurrenten General Motors (GM) und Chrysler unter Mulallys Führung sicher durch die große Krise 2008/2009 gekommen war, konnte am Mittwoch das 13. Quartal in Folge mit schwarzen Zahlen abschließen.

Insgesamt lag der Nettogewinn zwischen April und Juni bei 2,4 Milliarden Dollar (Vorjahreszeitraum: knapp 5 Milliarden). Der Umsatz fiel um 3 Milliarden Dollar auf rund 66 Milliarden Dollar. Ein Grund für den Gewinneinbruch seien auch nachteilige Steuereffekte, teilte Ford mit. Die Anleger reagierten unentschlossen auf die Zahlen: Die Ford-Aktien starteten nahezu unverändert mit 9 Dollar in den Handel.

Die schlechtesten Autokonzerne im US-Qualitätsranking

Methodik

Seit 26 Jahren erheben die US-Konsumforscher von JD Powers die Qualität von Neuwagen in den 90 Tagen nach der Auslieferung. Dafür werden die Konstruktionsprobleme und -mängel sowie Störungen pro 100 Fahrzeuge ermittelt. Die Initial Quality Study (IQS) gilt für US-Konsumenten als Kompass bei der Kaufentscheidung.

Platz 34

Smart (Deutschland)

Die Kleinstwagen von Daimler liegen auf dem letzten Platz im US-Qualitätsranking. Mit 151 Beschwerden auf 100 Kleinwagen ist nur eine Marke gleich schlecht.

Platz 33

Fiat (Italien)

Weil der heimische Absatzmarkt schwächelt, setzen die Italiener große Hoffnung auf den US-Markt. Das schlechte Abschneiden im Ranking ist ein schwerer Schlag für die Strategie von Konzernchef Sergio Marchionne. Auch die Italiener kommen auf 151 Beschwerden auf 100 verkaufte Wagen.

Platz 32

Mini (Großbritannien)

Die BMW-Tochter kämpft ebenfalls mit massiven Qualitätsproblemen. 139 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind deutlich verbesserungswürdig.

Platz 31

Volkswagen (Deutschland)

Groß war die Enttäuschung in der VW-Zentrale als die Ergebnisse der Studie bekannt worden. Die Qualitätsoffensive in den USA hat noch nicht gefruchtet. 124 Beschwerden auf 100 Neuwagen bescheren den Wolfsburgern einen der hinteren Plätze im Ranking.

Platz 30

Mitsubishi (Japan)

Die ehemaligen Partner von Daimler haben in den Staaten qualitativ abgebaut und landen mit 124 Beschwerden auf 100 Neuwagen ebenfalls weit hinten im Ranking.

Platz 29

Dodge (USA)

Die Chrysler-Tochter ist berühmt für ihre Pickups, aber nicht für ihre Qualität. Mit 124 Beschwerden auf 100 Neuwagen schneidet kein US-Hersteller schlechter ab.

Platz 28

Land Rover (Großbritannien)

Eigentlich leben die Geländewagen von ihrem Ruf gegen alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Offenbar sehen die US-Verbraucher das anders. 119 Beschwerden auf 100 Neuwagen ist deutlich über dem Durchschnitt.

Platz 27

Ford (USA)

Die Traditionsmarke setzte als erste auf die Massenproduktion von Automobilen. Ihren Ruf gefährdet sie durch eine hohe Problemquote von 118 Störungen auf 100 Neuwagen.

Platz 26

Scion (USA)

Die US-Tochter des japanischen Toyota-Konzerns wurde erst 2003 gegründet und soll vor allem junge Kunden ansprechen. Mit 117 Beschwerden auf 100 Neuwagen liegt die Marke ebenfalls im unteren Drittel des Rankings.

Platz 25

Chrysler (USA)

Die Fiat-Tochter schneidet in der Bewertung der US-Konsumenten deutlich besser ab als der Mutterkonzern. Auch wenn die wirtschaftliche Krise überwunden wurden, gibt es bei der Qualität Nachholbedarf. 116 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind immer noch mehr als der Durchschnitt.

Platz 24

Suzuki (Japan)

Die Zusammenarbeit mit Volkswagen haben die Japaner jüngst beendet. In den USA schneiden sie besser ab als der ehemalige Partner, allerdings immer noch schlechter als der Durchschnitt. Suzuki kommt auf eine Problemquote von 115 Beschwerden auf 100 Neuwagen.

Platz 23

Jeep (USA)

Die Geländewagen von Chrysler wollen vor allem das Geschäft in China ausbauen. Im Heimatmarkt wird die Qualität dieses Jahr eher schlecht bewertet. 110 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind überdurchschnittlich viele.

Platz 22

Subaru (Japan)

Die Japaner fertigen mit einem eigenen Werk in den USA in Ohio. Auf die Qualitätsbewertung durch die US-Konsumenten hat das keine Auswirkungen. 109 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind ein eher mittelprächtiges Ergebnis.

Platz 21

Volvo (Schweden)
Die Skandinavier leben von ihrem Qualitätsversprechen. In den USA schneiden sie allerdings schlechter ab als der Durchschnitt. Sie kommen auf 108 Beschwerden auf 100 Neuwagen.

Seit dem letzten Hoch im Februar hat das Papier allerdings rund 50 Prozent seines Wertes verloren, und die düsteren Aussichten Mulallys vom Mittwoch dürften das Vertrauen nicht gerade stärken. Die Lage sei ernst, hieß es in dem Zwischenbericht. Fords Problem in Europa sind wie auch bei GM vor allem Überkapazitäten:  Die insgesamt neun Werke, darunter Köln und Saarlouis, fahren derzeit laut der Investmentbank Morgan Stanley nur mit einer Auslastung von 63 Prozent. „Das ist eine der vielen Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen“, sagte Finanzvorstand Bob Shanks. 

Kommentare (19)

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Anders

25.07.2012, 14:11 Uhr

Ford fehlen die Zugpferde auf dem Markt. Ich finde es auch schwach, dass man immer wieder von irgendwelchen Capri-Remakes redet, anstatt den Mustang mal für Europa fit zu machen.

Account gelöscht!

25.07.2012, 15:11 Uhr

Die Großkonzerne, die immer noch mit dem Euro sympathisieren, sollten schleunigst mal zum Nachdenken kommen. Auch sie werden am Ende bei Fortsetzung dieser Desasterwährung mit leeren Händen darstehen - trotz der angeblich toller Vorteile des Unglücksgeldes!

Account gelöscht!

25.07.2012, 15:40 Uhr

Ich kann nur sagen, dass der Ford Galaxy (BJ 2004) der größte Schrott ist, den ich bisher besessen hatte.

Ich werde mir nie wieder einen Ford kaufen. Mit der Qualität ist das so eine Sache: Sie wirkt jahrelang nach.

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