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30.09.2015

12:21 Uhr

Millionen-Forderungen nach Abgas-Skandal

VW soll spanische Abwrackprämie zurückzahlen

VonSandra Louven, Thomas Ludwig

Die spanische Regierung zahlte Autofahrern 1000 Euro, wenn sie einen schadstoffärmeren Wagen kauften – darunter waren auch Diesel von VW. Jetzt fordert sie das Geld zurück. Auch in Belgien und den USA droht Ungemach.

Expertenmeinung zu Folgen der Abgas-Affäre

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Expertenmeinung zu Folgen der Abgas-Affäre: „Made in Germany“: So groß ist der internationale Schaden nach VW-Skandal

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MadridSpanien fordert im Abgas-Skandal Subventionen von Volkswagen zurück. Die spanische Regierung hat in der Krise den Verkauf von Neuwagen durch Zuschüsse von 1000 Euro pro Fahrzeug angekurbelt. Dieses Geld fordert sie nun für die manipulierten Diesel-Fahrzeuge zurück. Der spanische Industrieminister José Manuel Soria erklärte, VW habe sich bereit erklärt, das Geld zu zahlen.

Um welchen Betrag es sich handelt, ist noch nicht klar. Das Geld floss bei einem Neukauf, wenn der bisherige Wagen älter als zehn Jahre war und verschrottet wurde – ähnlich der Abwrackprämie in Deutschland 2009. Das Ziel war neben einer Hilfe für die Autobranche auch der Umweltschutz: Die neuere Flotte sollte weniger Treibstoff verbrauchen und zudem weniger Schadstoffe ausstoßen als die bisherigen Fahrzeuge.

Der Skandal bei VW: Mitten im Feuer

Der Skandal bei VW

Premium Mitten im Feuer

Die VW-Abgasaffäre zieht weiter ihre Kreise. Und droht alles mitzureißen: Image, Gewinne und Verkaufschancen. Kann Finanzchef Hans Dieter Pötsch nun noch zum Ober-Aufseher werden? Die Investoren bezweifeln das.

Das ist nun bei den manipulierten Diesel-Motoren nicht geglückt. Spanien prüft deshalb auch rechtliche Schritte gegen VW. Das Industrieministerium lässt untersuchen, welcher Schaden dadurch entstanden ist, dass die Abgaswerte über dem gesetzlich erlaubten Limit lagen.

Je weniger CO2-Ausstoß, umso üppiger konnten auch Belgiens Autofahrer in der Vergangenheit profitieren. Bis vor wenigen Jahren zahlte der Staat all jenen Pkw-Besitzern Prämien, die auf vermeintlich umweltfreundlichere Dieselmotoren umgestiegen sind. Nun droht auch in Belgien die Förderpolitik auf VW zurückzuschlagen. Der Staat hat die Öko-Prämien wohl zu Unrecht gezahlt.

Davon geht zumindest Carlo Di Antonio, Umweltminister der französischsprachigen Region Wallonie, aus. „Die Autohersteller profitieren von Umweltprämien. Diese Prämien sind aber an konkrete und wahrhaftige Anstrengungen gekoppelt“, teilte er jüngst über die sozialen Netzwerke mit – und überlegt nun, die Finanzhilfen von Volkswagen zurückzufordern. Auch seine flämische Kollegin Joke Schauvliege schließt eine Klage gegen den Konzern nicht aus.

Der VW-Abgasskandal - eine Chronik

Freitag, 18. September

Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren.

Samstag, 19. September

Die Deutsche Umwelthilfe fordert angesichts der VW-Manipulationsvorwürfe ein Fahrverbot für Dieselautos. Das Problem bestehe nicht nur in den USA, sondern noch stärker in Europa.

Sonntag, 20. September

Winterkorn kündigt eine umfassende Aufklärung an. „Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben“, teilte er mit und erklärt das Thema zur „höchsten Priorität“. Später räumt ein Konzernsprecher ein, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist.

Montag, 21. September

Volkswagen stoppt den Verkauf von Dieselwagen mit Vierzylinder-Motoren in den USA. Betroffen sind dort Modelle der Kernmarke VW und der Tochter Audi. Die Vorzugsaktie von VW bricht zeitweise um mehr als ein Fünftel ein. In den USA entschuldigt sich VW-Regionalchef Michael Horn: „Wir haben Mist gebaut.“

Dienstag, 22. September

Auch in Absatzmärkten außerhalb der USA gibt es Forderungen, Klarheit über das Ausmaß der Affäre zu schaffen. VW gibt eine Gewinnwarnung heraus und kündigt Milliarden-Rückstellungen an. In einem Video bittet Winterkorn um Entschuldigung.

Mittwoch, 23. September

Winterkorn tritt zurück. „Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“, erklärt er seinen Schritt. Der Aufsichtsrat kündigt eine Entscheidung über die Nachfolge an.

Donnerstag, 24. September

Die Affäre bringt die gesamte Industrie in Bedrängnis. Vorwürfe werden laut, auch andere Hersteller könnten manipuliert haben. Viele dementieren das. Daneben gibt es etliche Personalspekulationen rund um VW. Medien berichten, Porsche-Chef Matthias Müller habe die besten Chancen, Winterkorn zu beerben.

Freitag, 25. September

Der VW-Aufsichtsrat wählt Matthias Müller zum neuen Konzernchef.

Montag, 28. September

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitet Ermittlungen ein.

Dienstag, 29. September

Volkswagen legt einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselwagen mit manipulierter Software vor und will fünf Millionen Fahrzeuge der Kernmarke VW in die Werkstätten holen.

Mittwoch, 30. September

Das Präsidium des Aufsichtsrates tagt. Es schlägt vor, die im November geplante außerordentliche Aufsichtsratssitzung abzusagen. Trotz der Affäre soll der langjährige VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch weiterhin neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden.

Die VW-Finanztochter verhängt einen Einstellungsstopp bis zum Jahresende, auslaufende Zeitverträge werden nicht verlängert.

Donnerstag, 1. Oktober

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig rudert zurück: Entgegen früheren Angaben führt sie kein formelles Verfahren gegen Winterkorn. Neuer VW-Finanzchef wird nach dem Wechsel von Hans Dieter Pötsch in den Aufsichtsrat der Leiter der Finanzsparte, Frank Witter.

Freitag, 2. Oktober

Der US-Kongress teilt mit, dass sich VW-Landeschef Michael Horn am 8. Oktober den Abgeordneten in einer Befragung stellen muss. Auf speziellen Internetseiten können Kunden von VW und Audi prüfen, ob ihr Wagen die Manipulations-Software verwendet.

Dienstag, 6. Oktober

Betriebsratschef Bernd Osterloh und Müller sprechen bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg zur Belegschaft. Osterloh betont, bisher gebe es noch keine Konsequenzen für Jobs - laut Müller stellt die Abgas-Affäre aber bereits geplante Investitionen infrage.

„Europa zeigt bisweilen mit den Fingern auf Flandern weil es uns nicht gelinge, die Luft gemäß europäischer Werte rein zu halten“, sagte ihr Sprecher. VW könne wegen der Vorspiegelung falscher Tatsachen möglichweise eine Mitschuld daran tragen, dass die Luft in manchen Teilen Flanderns bisweilen schlecht sei. Das müsse Konsequenzen haben.

In den USA hat der erste Landkreis VW verklagt. Harris County in Texas fordert wegen Luftverpestung durch mindestens 6000 in der Region verkaufte VW-Diesel mehr als 100 Millionen Dollar (89 Millionen Euro). Volkswagens betrügerische Aktionen hätten es dem Landkreis erschwert, die staatlichen Klimaschutzvorgaben einzuhalten und so die Bürger zu schützen, sagte der zuständige Staatsanwalt Vince Ryan am Dienstag in Houston. „Diese manipulierten Autos haben jeden Tag deutlich mehr Abgase als gesetzlich erlaubt ausgestoßen“.

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