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04.04.2013

14:55 Uhr

Millionenvolumen

Fresenius Medical Care will Aktien zurückkaufen

Der Dialysespezialist startet ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von bis zu 385 Millionen Euro. Fresenius Medical Care möchte zudem seine Aktienstruktur vereinfachen und Vorzugsaktien in Stammaktien umwandeln.

Firmenzentrale Fresenius. Fresenius Medical Care plant ein Aktienrückkaufprogramm. Reuters

Firmenzentrale Fresenius. Fresenius Medical Care plant ein Aktienrückkaufprogramm.

FrankfurtFresenius Medical Care (FMC) beglückt seine Aktionäre: Der weltgrößte Dialysekonzern will eigene Papiere im Wert von bis zu 385 Millionen Euro zurückkaufen und Vorzugs- und Stammaktien zusammenlegen, wie das Unternehmen am Donnerstag ankündigte. Die im Dax notierten FMC-Papiere schossen daraufhin über vier Prozent auf 56,40 Euro nach oben und waren mit Abstand größter Gewinner im deutschen Leitindex. „Es ist positiv, dass FMC weitere Gelder an seine Aktionäre ausschüttet und seine Kapitalstruktur vereinfacht“, sagte Equinet-Analyst Konrad Lieder.

Die Experten der Berenberg Bank halten es für wahrscheinlich, dass FMC in den kommenden Jahren weitere Aktien zurückkaufen wird. Für den Konzern, der in der Vergangenheit viele bedeutende Übernahmen gestemmt hat, gebe es aus kartellrechtlichen Gründen künftig nur noch wenige große Zukaufsmöglichkeiten, erklärten die Berenberg-Analysten. „Wenn FMC nicht in einen neuen Geschäftsbereich vorstößt, was unwahrscheinlich ist, steht der Konzern in den kommenden Jahren vor dem Dilemma, was er mit seinem Geld anfangen soll.“

Im nächsten halben Jahr wird FMC rund sieben Millionen Aktien zurückkaufen. Bezahlt werden sie durch Einnahmen aus dem Tagesgeschäft und Kredite. Der Anteil des Mutterkonzerns Fresenius an der FMC werde durch den Rückkauf und die Vereinheitlichung der Aktienstruktur von 30,8 Prozent auf 31,5 Prozent steigen, sagte ein Konzernsprecher. Fresenius kontrolliert FMC als persönlich haftender Gesellschafter, so lange der Anteil an FMC über 25 Prozent liegt.

Fresenius Stärken und Schwächen

Stabile Gewinne, hohe Verschuldung

Vieles läuft gut bei Fresenius - zumindest auf den ersten Blick: Die Gewinne sprudeln konstant und erwartbar. Doch angesichts der vielen Zukäufe gibt es da eben auch Risiken. Ein Blick auf die Stärken und Schwächen des Konzerns.

Stärke: Zunehmende Diversifikation

Haben die Aktionäre bei Fresenius lange Zeit vor allem auf die Entwicklung der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) geschaut, so liefert Fresenius dank der Zukäufe der vergangenen Jahre inzwischen seine eigene Börsenstory. Sorgte FMC im Jahr 2004 noch für 69 Prozent der Umsätze, lag der Anteil im vergangenen Jahr nur noch bei 56 Prozent.

Stärke: Unabhängiger von FMC

Zum Konzernergebnis, das allerdings nur anteilig in Höhe der Beteiligung von Fresenius an FMC bei dem Mutterkonzern einfließt, trug FMC 2004 noch 71 Prozent bei. Aktuell sind es noch 33 Prozent. Das margenstarke Geschäft von Kabi mit intravenös zu verabreichenden Medikamenten sorgt mittlerweile für mehr als die Hälfte des Nettogewinns. Auch der Klinikkonzern Helios steuert mehr als 163 Millionen Euro bei.

Stärke: Das Klinikgeschäft

Der nur in Deutschland agierende Klinikkonzern Helios braucht Zukäufe, um Umsatz und Gewinn langfristig steigern zu können. Denn im deutschen Krankenhausmarkt sind die Kostenerstattungen gedeckelt und die Patientenzahlen nicht beliebig steigerbar.

Stärke: Helios boomt

Helios hat es geschafft, sich in den vergangenen Jahren bei der Marge vor die Wettbewerber Rhön-Klinikum Asklepios und Sana zu setzen, was allerdings nicht nur ein Verdienst des Managements ist. Helios hat auch vergleichsweise viele große Krankenhäuser im Portfolio, die medizinisch schwerere Fälle behandeln. Damit fließen dem Unternehmen tendenziell höhere Erstattungssummen zu als Anbietern, die kleine Krankenhäuser der Grundversorgung betreiben.

Stärke: Besser als die Konkurrenz

Allerdings ist Helios Vorreiter in Sachen Qualitätsberichte. Für jedes Krankenhaus wird die medizinische Leistung schon seit Jahren transparent dokumentiert. Während Helios 2011 eine Ebitda-Marge von 13,8 Prozent ausweist, erreichen die Konkurrenten Rhön-Klinikum und Sana 12,8 Prozent und 9,3 Prozent. Auch bei der Ebit-Marge liegt Helios mit 10,1 Prozent deutlich vor den anderen privaten Klinikkonzernen.

Schwäche: Mieses Rating

Zwar hat die Ratingagentur Standard and Poor's unlängst das Rating von Fresenius von BB auf BB+ angehoben, das ändert aber nichts dran, dass alle drei Agenturen dem Unternehmen eine Bonitätsbewertung im Ramschbereich geben.

Schwäche: Hohe Verschuldung

Wegen der Akquisitionen des vergangenen Jahres ist der Verschuldungsgrad des Konzerns - gemessen am Verhältnis der Finanzverbindlichkeiten zum operativen Ergebnis vor Abschreibungen (Debt to Ebitda) - von 2,6 auf 2,8 gestiegen. Die 25 Dax-Industriekonzerne kommen im Durchschnitt auf 2,2 Prozent.

Schwäche: Neue Belastungen

Geht der Kauf von Rhön-Klinikum wie geplant über die Bühne, erhöht sich der Verschuldungsgrad auf 3,0 bis 3,5. Fresenius hat aber angekündigt, die Verschuldung im nächsten Jahr wieder in den üblichen Korridor von 2,5 bis 3,0 zurückzuführen.

Schwäche: Hoher Firmenwert drückt

Vor Herausforderungen steht der Konzern aber noch an anderer Stelle: So kletterte der Geschäfts- und Firmenwert auf mittlerweile gut 12,7 Milliarden Euro oder 120 Prozent des Eigenkapitals. Firmenwerte entstehen bei Übernahmen, wenn der Kaufpreis über dem neu bewerteten Vermögen der gekauften Firma liegt. Sie stehen als Vermögenswert in der Bilanz und drücken die Zukunftserwartung des Managements aus. Erfüllen sich diese nicht, drohen Abschreibungen.

Fresenius hat bereits vor mehr als zwei Jahren Vorzugs- und Stammaktien verschmolzen. Nun wandelt auch die Tochter FMC die verbliebenen Vorzugsaktien im Verhältnis 1:1 in Stammaktien um. Ein großes europäisches Geldhaus, das rund 77 Prozent der Vorzüge hält, unterstützte den Schritt, erklärte FMC. Da die Vorzugsaktie zum Handelsschluss am Mittwoch mit 43,50 Euro deutlich weniger wert war als die FMC-Stammaktie, legt der Großaktionär bei der Umwandlung neun Euro pro Aktie darauf. Ein besonders gutes Geschäft machen alle anderen FMC-Vorzugsaktionäre - sie müssen nämlich keinen Zuschlag bezahlen. Die FMC-Vorzüge kletterten deshalb am Donnerstag um 27 Prozent auf 55,34 Euro und waren damit nur noch rund einen Euro billiger als die Stammaktien des Dialysekonzerns. Beschlossen werden soll die Umwandlung auf der Hauptversammlung von Fresenius Medical Care am 16. Mai sowie bei einem gesonderten Treffen der Vorzugsaktionäre direkt im Anschluss.

Durch die Verschmelzung der Aktien will das Unternehmen aus dem hessischen Bad Homburg künftig Kosten sparen. Zudem steigt die Liquidität der FMC-Aktie, was das Gewicht des Papiers im Dax etwas stärken wird. Da die Vorzugsaktien derzeit nur rund 1,3 Prozent des FMC-Grundkapitals ausmachen, werde sich der Effekt allerdings in Grenzen halten, erklärte Equinet-Analyst Lieder.

Von

rtr

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