Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.07.2012

10:23 Uhr

Minenkonzerne

Die Euphorie der Bergbau-Riesen schwindet

VonSebastian Ertinger

Wackelige Wachstumsaussichten in den Wirtschaftszentren USA, Europa und China trüben den Ausblick der Bergbaukonzerne. Die Übernahme von Xstrata durch Glencore stockt. Die gefeierte Branche ringt erstmals mit Problemen.

Kupfer- und Goldmine von Rio Tinto: Die Rohstoffnachfrage aus China lässt nach. AFP

Kupfer- und Goldmine von Rio Tinto: Die Rohstoffnachfrage aus China lässt nach.

DüsseldorfDie unsicheren Konjunkturaussichten schlagen auf die Perspektiven der Grundgüterbranche durch. Der weltweit drittgrößte Bergbaukonzern Rio Tinto dämpft seine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr. Das Unternehmen hat im zweiten Quartal 48,8 Millionen Tonnen Eisenerz gefördert. Der Wert stagniert damit auf dem Vorjahresniveau.

„Die weltweite wirtschaftliche Verfassung und Stimmung hat sich im zweiten Quartal erheblich eingetrübt“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Rio Tinto, Tom Albanese. Das Unternehmen werde das Tempo der Erholung in den USA aufmerksam verfolgen. Auch die anhaltende Krise in der Eurozone und die Bestrebungen in China, die Wirtschaft zu stimulieren beobachte der Bergbau-Riese genau.

Besonders das Wachstum in China hat der Rohstoff-Branche lange Zeit immense Zuwachsraten beschert. Der Aufbau der Infrastruktur im Reich der Mitte und die wachsende Industrieproduktion dort haben die Nachfrage nach Eisenerz, der Basis für die Stahlproduktion, sowie Kupfer und Zinn angetrieben. Eine Grenze des Wachstums war nicht in Sicht. Nach Jahren der Rohstoff-Hausse trüben sich nun die Aussichten für die erfolgsverwöhnte Branche ein.

Nun beobachten die Minenkonzerne mit wachsender Nervosität, wie chinesische Stahlmühlen den Kauf von Eisenerz verzögern. Einige Hütten reduzieren mangels Nachfrage nicht nur ihre Produktion, sie hoffen offenbar auf einen weiteren Rückgang des Preises des wichtigen Rohstoffs für die Stahlherstellung.

Die größten Goldnachfrager

Welche Region sind die größten Nachfrager?

Zwischen 1980 und 2010 hat sich die weltweite Gold-Nachfrage von Europa und Nordamerika nach Ostasien und Indien verschoben. 1980 kam aus Nordamerika und Europa noch 68 Prozent der Nachfrage, 2010 waren es noch 27 Prozent. Die Ostasiaten und Inder steigerten sich dagegen von 14 auf 58 Prozent.

Was wird nachgefragt?

Der Großteil der Nachfrage lag 1980 noch im Investmentbereich, Goldschmuck spielte damals eine geringere Rolle. Bis zum Jahr 2000 machten Investments einen immer geringeren Teil der Nachfrage aus, die Bedeutung von Schmuck dagegen stieg. Nach 2000 wandelte sich das Verhältnis wieder. Seitdem machen Investitionen knapp 40 Prozent der Gesamtnachfrage aus.

Wer kauft Goldschmuck?

Die West-Ost-Verlagerung zwischen 1980 und 2010 zeigt sich besonders stark beim Goldschmuck. 1980 kamen lediglich 22 Prozent der Nachfrager aus Indien und Asien, 2010 waren es 66 Prozent.

Wer sind die Gold-Investoren?

Zwischen 2000 und 2010 ist der Anteil der Europäer und Nordamerikaner unter den Investment-Nachfragern von unter zehn auf über 40 Prozent angestiegen.

Woher kommen die Technologie-Nachfrager?

Die Goldnachfrage in der Technologie-Branche wird zunehmend von Ostasien getragen. Sie stieg zwischen 1970 und 2010 von 17 auf 67 Prozent.

Der Preisverfall hat bereits eingesetzt. Kostete eine Tonne Eisenerz im vergangenen Jahr zweitweise noch mehr als 150 Dollar, sank der Preis auf inzwischen rund 130 Dollar. Entsprechend kappen Analysten ihre Ertragsprognosen für die Minenkonzerne. So senkten in den vergangenen vier Wochen die Experten ihre Gewinnvorhersage für Rio Tinto um fast eine Milliarde Dollar. Im Schnitt rechnen Analysten laut dem Finanzinformationsdienst Bloomberg nun mit einem Nettogewinn von 11,6 Milliarden Dollar.

Unverändert optimistisch zeigt sich dagegen der australisch-britische Konzern BHP Billiton. Das Unternehmen produzierte im abgelaufenen Geschäftsjahr so viel Eisenerz wie nie zuvor, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Die Eisenerzförderung des Unternehmens kletterte im Geschäftsjahr 2011/12 per Ende Juni um fast ein Fünftel auf knapp 160 Millionen Tonnen. Zudem baut BHP Billiton trotz der Sorgen um sinkende Rohstoffpreise und eine weiter abkühlende Weltwirtschaft seine Produktionskapazität aus.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

fds

19.07.2012, 13:10 Uhr

Wann kommt der Peak wann kommt der Peak?
Geil, dass Katar nicht nur bei Daimler sondern auch noch bei den Rohstoffen quasi das Sagen hat. Da ist ja dann fast die komplette Supply-Chain abgedeckt.

Die Deutschen dürfen nur noch Zusammenschrauben, Erfinden und natürlich schön überteuerte Premium-Karren inklusive teurem Öl konsumieren.


Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×