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21.02.2017

11:38 Uhr

Minister in Wolfsburg

Altmaier sorgt sich um Opel – bei VW

Kanzleramtsminister Peter Altmaier spricht bei der Betriebsversammlung von VW. Themen gibt es genügend: Führungsstreit, Arbeitsplatzabbau, Dieselaffäre. Doch in Wolfsburg kommt Altmaier auch auf Opel zu sprechen.

Der Kanzleramtsminister war am Dienstag bei der Betriebsversammlung von W in Wolfsburg zu Gast. dpa

Peter Altmaier

Der Kanzleramtsminister war am Dienstag bei der Betriebsversammlung von W in Wolfsburg zu Gast.

WolfsburgKanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) ist Gastredner auf einer VW-Betriebsversammlung. In Wolfsburg sorgt sich Altmaier aber auch einen anderen deutschen Autobauer. Mit Blick auf die Verhandlungen um die Zukunft von Opel warnt er vor negativen Folgen für den Automobil-Standort Deutschland. „Wenn wir zulassen, dass ein Traditionsunternehmen wie Opel plötzlich in eine Situation kommt, wo nicht klar ist, wie die Entwicklungsperspektive der Zukunft ist, dann schadet es dem Automobil-Standort Deutschland insgesamt“, sagte Altmaier nach Teilnehmerangaben. „Und deshalb sollten wir gemeinsam dafür kämpfen, dass auch die Kolleginnen und Kollegen von Opel weiter gute Autos in Deutschland bauen und verkaufen.“ Die Bundesregierung sei mit „sehr viel Einsatz“ dabei mitzuhelfen, „dass die Enden zueinander kommen“.

Die Politik kämpft um den Erhalt der Arbeitsplätze bei der General-Motors-Tochter Opel, falls das Unternehmen vom französischen Autobauer Peugeot-Citroën übernommen wird. Der US-Autobauer General Motors verhandelt seit einiger Zeit mit PSA über den Verkauf von Opel. Nach dem Bekanntwerden der Übernahmepläne gibt es von PSA Peugeot-Citroën aber noch keine Garantie für die Jobs und die drei deutschen Opel-Standorte. Arbeitnehmer von Opel und der britischen Schwester Vauxhall sowie die Politik in beiden Ländern befürchten einen massiven Personalabbau.

Das Zittern um Opel-Jobs beginnt

Was würde ein Zusammengehen von PSA und Opel bringen?

Branchenexperten sind skeptisch. Die beiden Hersteller haben ein ähnliches Markenportfolio, beide sind vor allem bei Klein- und Mittelklassewagen stark – also im vergleichsweise renditeschwachen „Massengeschäft“. Und sie sind ausschließlich (Opel) oder vorwiegend (PSA) in Europa aktiv. Der europäische Markt gilt aber als weitgehend gesättigt und gleichzeitig hart umkämpft. PSA könnte im Vergleich zu Wettbewerbern wie dem VW-Konzern oder der Renault-Gruppe aber deutlich an Masse zulegen – und dadurch Kosten bei Forschung und Entwicklung sowie beim Einkauf sparen, wie etwa NordLB-Analyst Frank Schwope sagte. Aber eigentlich hat PSA-Chef Carlos Tavares den globalen Markt im Blick, für den Opel nicht viel mitbringt.

Wie eng arbeiten die Unternehmen bereits zusammen?

Die 2012 vereinbarte Kooperation umfasst die Entwicklung und Produktion von drei Modellen. Die neuen Opel-Modelle Crossland und Grandland entsprechen den Peugeots 2008 und 3008. Die ersten Autos rollen gerade von den Bändern in den spanischen Städten Saragossa und Vigo sowie am Peugeot-Stammsitz Sochaux. Auch der nächste Zafira soll PSA-Gene tragen. Angeblich werden mit der Kooperation 1,2 Milliarden Dollar im Jahr gespart.

Warum denkt General Motors jetzt an einen Verkauf?

Das ist das große Rätsel. General Motors hatte sich vor acht Jahren nach langem Ringen dazu entschlossen, Opel nicht zu verkaufen und den Autobauer selbst zu sanieren. Opel schreibt zwar immer noch rote Zahlen, hat aber zuletzt deutliche Fortschritte gemacht. „Man hat zehn Jahre lang saniert, und kurz vor dem Durchbruch trennt man sich von der europäischen Sparte“, sagte Schwope. Das mache wenig Sinn. Aber: Für GM-Chefin Mary Barra in Detroit sei Ertragskraft wichtiger als Größe, analysierte das „Wall Street Journal“. Die „Amerika zuerst“-Politik Politik des neuen US-Präsidenten Donald Trump – Barra berät ihn in Wirtschaftsfragen – helfe GM außerdem auf dem Heimatmarkt: niedrigere Steuern und eine regulatorische Entlastung bei Umweltstandards. GM hat bereits zusätzliche Milliardeninvestitionen in den USA angekündigt.

Welche Nachteile könnten GM bei einem Opel-Verkauf entstehen?

Ohne Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall wäre GM nicht mehr in Europa vertreten, einem immer noch wichtigen und technologisch führenden Markt, der für mehr als 10 Prozent der weltweiten GM-Verkäufe steht. Außerdem spielt Rüsselsheim eine wichtige Rolle im Konzern-Entwicklungsverbund von General Motors. Dieser müsste bei einem Opel-Verkauf neu organisiert werden.

Wie steht PSA derzeit da?

Der Konzern PSA, in den 70er-Jahren entstanden nach der Übernahme von Citroën durch Peugeot, hat in den vergangenen Jahren eine harte Sanierung durchgemacht. Das Geld für einen Opel-Kauf wäre bei dem staatlich gestützten Unternehmen vorhanden: Laut Anleiheexperten der Commerzbank haben die Franzosen ein Liquiditätspolster von mehr als 16 Milliarden Euro - lautet die Strategie also: Wachstum durch Zukäufe? Der Konzern mit den Marken Peugeot, Citroën und DS ist derzeit im Vergleich zu den Branchenriesen wie VW, Toyota, aber auch Renault-Nissan eher klein. Mit Opel würde PSA deutlich zulegen.

Und Opel?

Der Autobauer hat zwar auch durch Kostensenkungen Fortschritte gemacht. Beim Absatz ging es bergauf, auch wegen der preisgekrönten Kampagne „Umparken im Kopf“. Opel hat es allerdings nicht geschafft, wieder schwarze Zahlen zu schreiben, auch weil viele Wagen mit hohen Preisnachlässen in den Markt gedrückt wurden. Seit 1999 hat die Adam Opel AG als GM-Europatochter keinen Gewinn mehr gemacht. 2016 betrug der operative Verlust für 2016 rund 257 Millionen US-Dollar (241 Millionen Euro), nach einem Verlust von 813 Millionen Dollar Verlust im Jahr zuvor. Das Unternehmen musste zuletzt den Wegfall des kompletten russischen Marktes wie auch die Folgen der Brexit-Entscheidung für den größten Einzelmarkt Großbritannien verkraften. Ein Gewinn war nun erst für 2018 geplant.

Welche Folgen könnte eine Übernahme für die Opel-Standorte haben?

Opel produziert in mehreren europäischen Ländern und hatte Ende 2016 rund 38.200 Mitarbeiter, davon mehr als die Hälfte in Deutschland - an den Standorten Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach. Im Falle einer Übernahme wird ein Jobabbau befürchtet - wenn Einkauf, Produktionssteuerung oder Vertrieb und Marketing zentral aus Paris geführt werden, wären Stellen „doppelt“. Besonders stark könnte der Stammsitz Rüsselsheim getroffen werden – hier arbeiten allein 8000 der 15.000 Beschäftigten in der Entwicklung. Es wäre nach Einschätzung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer die Zukunft für Opel, nach einer Übergangszeit vollständig in den PSA-Produktionsverbund eingegliedert zu werden. Ob noch ein Motorenwerk in Kaiserslautern und eine vergleichsweise kleine Montage in Eisenach gebraucht würden, sei schwer zu sagen.

Was tut die Politik?

Sofort nach Bekanntwerden der Pläne brachten sich bereits die Landesregierungen der Opel-Länder Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen in Stellung – und warnten vor Jobverlusten. Auch die Bundesregierung, die sich von den Plänen überrascht zeigte, schaltete sich ein. Ziel ist der Erhalt von Jobs. Viel mehr als Einfluss auf Paris zu nehmen, kann die Bundesregierung aber kaum. Und ein Autobauer ist kein Rüstungskonzern – bei Fragen der nationalen Sicherheit etwa kann die Regierung über das Außenwirtschaftsgesetz ein Veto gegen Übernahmen einlegen. Und es geht auch nicht wie der Opel-Krise 2008/2009 um Staatshilfen.

Immerhin betont der französische Autobauer PSA, sich bei einem möglichen Zusammenschluss mit Opel an Zusagen an die Arbeitnehmer halten zu wollen. „Der PSA-Konzern bekräftigte seine Zusage, existierende Vereinbarungen einzuhalten und den konstruktiven Dialog mit den Betriebsparteien fortzuführen“, teilten die europäische Arbeitnehmervertretung der GM-Tochter Opel und Peugeot am Dienstag mit. Der französische Konzern wolle eng mit dem europäischen Betriebsrat zusammenarbeiten, kündigte die PSA-Spitze um Carlos Tavares im Anschluss an ein Treffen mit Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug und IG-Metall-Chef Jörg Hofmann mit.

Kommentare (1)

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21.02.2017, 12:28 Uhr

Der Altmaier...bei VW und Opel brennt es. Demnächst auch bei BMW und Daimler.
Altmaier und die Grün-Sozialistische Merkel einer Co2 freien Gesellschaft/Energiewende....der Weg in die Abschaffung der in Deutschland sitzenden Industrie. Die Vernichtung der Industriearbeitsplätze. Die Vernichtung der gut bezahlten Arbeitsplätze in Deutschland.
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.
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