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12.04.2006

13:52 Uhr

Minus

Heizungsindustrie sucht ihr Heil im Ausland

VonW. Gillmann

Das Jahr 2005 hat der Heizungsindustrie auf dem deutschen Markt ein kräftiges Minus gebracht. Nur rund 660 000 neue Öl- oder Gasheizungen wurden nach Angaben des Branchenverbandes BDH im vergangenen Jahr in Deutschland installiert, ein Minus von 14 Prozent.

DÜSSELDORF. „Die hohen Energiepreise aber auch die Unsicherheit über die Energieversorgung aus Russland und der Ukraine haben die Kunden verunsichert“, sagt Andreas Lücke, Geschäftsführer des BDH. Dafür haben alternative Heizungssysteme wie Holz, Wärmepumpen und Heizungen mit Sonnenenergie stark zugelegt und zweistellige Wachstumsraten bis zu 50 Prozent verbucht.

Die beiden europäischen Marktführer BBT Thermotechnik und Vaillant haben dank ihres starken Auslandsgeschäftes weniger stark unter der Marktschwäche in Deutschland gelitten. „Im klassischen Heizungsgeschäft haben wir in Deutschland ein kleines Minus eingefahren“, sagt Vaillant-Geschäftsführer Michel Brosset zum Handelsblatt. Da das Remscheider Familienunternehmen nur rund 22 Prozent seines Umsatzes in Deutschland erzielt, hat sich dies nicht so stark ausgewirkt. Insgesamt steigerte Vaillant 2005 nach Angaben von Brosset den Umsatz um rund zehn Prozent auf 1,8 Mrd. Euro.

Auch beim europäischen Marktführer BBT, 2004 entstanden aus der Zusammenführung der Heiztechnikaktivitäten von Bosch und Buderus, brachte der Inlandsmarkt ein Minus, das der Vorsitzende der Geschäftsführung Joachim Berner gegenüber dem Handelsblatt aber nicht genau beziffern will. Bei Buderus macht sich die starke Ausrichtung auf den deutschen Heimatmarkt negativ bemerkbar. Im Werk Lollar in Mittelhessen gilt für die rund 900 Beschäftigten bis September 2007 die 30-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Die Bosch-Tochter BBT hat die Inlandsschwäche insgesamt ebenfalls durch das gute Auslandsgeschäft mehr als wettmachen können und den Umsatz im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf 2,6 Mrd. Euro erhöht.

„Im Ausland haben wir ein deutlich zweistelliges Umsatzplus erzielt“, sagt BBT-Chef Berner. Die Gruppe profitiert von der starken Stellung der Bosch-Marken im Ausland, während der internationale Auftritt von Buderus erst seit der Übernahme durch Bosch forciert wird. Ziel ist es für Berner, das Geschäft außerhalb Europas in acht Jahren von jetzt fünf auf einen Anteil von 30 Prozent zu bringen. Dazu hat BBT im vergangenen Jahr in den USA den langjährigen Vertriebspartner CEC übernommen. Weitere Käufe sind geplant. Berner: „Das interne Wachstum reicht nicht.“

Auch Vaillant erzielte im Ausland mit einem Plus von zwölf Prozent ein wesentlich besseres Geschäft als im Inland. Durch die Übernahme des Konkurrenten Hepworth im Jahr 2001 ist Vaillant in Großbritannien gut aufgestellt und profitiert von dem Trend zu Brennwert-Gasheizungen. „Wir haben den Absatz von Brennwert-Geräten um knapp 50 Prozent gesteigert“, sagt Brosset. Das Remscheider Familienunternehmen hat seine Stärken bei wandhängenden Gasheizungen und profitiert jetzt stark vom Trend zu Heizungen mit Brennwerttechnik.

Neben dem Ausland sorgt bei den Herstellern der Trend zu regenerativen Energien für Freude. Der Absatz von Festbrennstoffkesseln stieg 2005 nach Angaben des Verbandes in Deutschland um über 50 Prozent auf 30 000 Geräte, der Absatz von Wärmepumpen um 40 Prozent auf 25 500. Bei den Herstellern erreicht dieses Geschäft aber erst einen Anteil von fünf bis sechs Prozent. Doch die Unternehmen investieren kräftig. Die Bosch-Tochter BBT hat im vergangenen Jahr den schwedischen Wärmepumpenspezialisten IVT übernommen und unterhält in Wettringen bei Osnabrück ein eigenes Werk für Solarkollektoren für Warmwasser. Vaillant wollte den schwedischen Wärmepumpenanbieter Thermia kaufen. Doch dies hat, so Brosset, nicht geklappt. Der dänische Konzern Danfoss machte das Rennen. Vaillant sucht weiter nach einer Gelegenheit, hat unterdessen aber eine eigene Entwicklung und Fertigung von Wärmepumpen in Remscheid und Spanien aufgebaut.

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