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06.01.2009

15:00 Uhr

Mischkonzern

Toshiba bündelt Geschäft mit Solarenergie

VonFinn Mayer-Kuckuk

Der japanische Mischkonzern Toshiba gründet eine Sparte für die Ausrüstung von Solarkraftwerken und will kräftig in das neue Geschäftsfeld investieren. Die Verknüpfung von konzerneigenen Techniken soll dem Systemanbieter Aufträge für Großanlagen bringen.

TOKIO. „Wir reagieren damit auf einen sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach Photovoltaiksystemen“, teilte das Unternehmen gestern mit. Solarenergie habe sich über Anwendungen im kleinen Maßstab hinaus entwickelt. Sonnenenergie rücke in den Bereich eines Energieausstoßes von mehreren Megawatt vor.

Die neue Sparte „Solar Photovoltaic Systems“ beschäftigt sich also nicht mit Zellen für Hausdächer oder Heimanwender, sondern wendet sich an Energieversorger oder große Industriebetriebe. Die neue Solarabteilung soll vor allem den Vertrieb ganzer Systeme vorantreiben und bündeln.

Branchenschätzungen zufolge kann sich der Weltmarkt für große Photovoltaikanwendungen bis 2015 auf 18 Mrd. Euro verdoppeln. Toshiba will sich bis 2016 einen Anteil von 1,6 Mrd. Euro von dem Kuchen sichern. Das Unternehmen will dabei mit der Verbindung von Kompetenzen aus unterschiedlichen Konzernteilen punkten: Computergesteuerte Mikronetzwerke sollen eine gleichmäßige Energieverteilung sichern, während selbst entwickelte, besonders schnell ladbare Lithium-Ionen-Batterien überschüssige Energie für den Bedarfsfall zwischenspeichern können.

Toshiba versucht, den weltweiten Trend weg vom Öl als Energieträger in allen Feldern zu nutzen. Nach Übernahme des US-Kernkraftwerkherstellers Westinghouse vor drei Jahren kann Toshiba heute direkt vom Wiedererstarken der Nuklerarenergie profitieren. Toshiba ist auf diese Geschäftsfelder angewiesen, um den schwankenden Absatz von Halbleitern und Elektronikprodukten auszugleichen, die allerdings immer noch gut die Hälfte des Umsatzes bringen.

Toshiba schärft mit der Neuorganisation sein Profil als Elektronik-Allrounder gegenüber Photovoltaikausrüstern wie Solarworld mit Sitz in Bonn. Ähnliche Geschäftsfelder beackert beispielsweise auch die Berliner Solon AG. Toshiba bietet bereits seit 1984 Solaranlagen für Schulen oder Regierungsgebäude an. Das Unternehmen tritt bisher nicht selbst als Planer oder Anbieter ganzer Kraftwerke auf, liefert aber die Ausrüstung. Ein anderer starker Spieler ist hier beispielsweise Sunpower aus den USA. Zu den japanischen Konkurrenten zählen Sharp, Sanyo oder Panasonic. Toshiba gehört nicht zu den Herstellern der Solarzellen selbst. Hier dominiert die deutsche Q-Cells das Geschehen, die ebenfalls vom wachsenden Markt für megawattstarke Einrichtungen profitieren wird.

Nach Daten der japanischen Optoelectronic Industry Association gehen rund fünf Prozent der installierten Solarfläche an Großanlagen der Industrie, während Solardächer auf Privathäusern 89 Prozent des Markts ausmachen. Mit dem steigenden Bewusstsein für den Treibhausgasausstoß soll sich dieser Anteil jedoch zugunsten der Profianwender verschieben. Der Emissionsrechtehandel in der EU und bald auch in Japan setzt für die Industrie Anreize, den Kohlendioxidausstoß zu verringern. In Portugal ist in diesen Tagen ein Photovoltaikkraftwerk mit einer Leistung von 46 Megawatt ans Netz gegangen, das die spanische Acciona Energy gebaut hat.Der Toshiba-Konkurrent Sharp geht derzeit mit gutem Beispiel voran und erhöht die eigene Energieversorgung seiner Vorzeigefabrik in dem zentraljapanischen Ort Kameyama um 50 Prozent.

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