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31.08.2012

15:36 Uhr

Mischkonzerne

Haniel schreibt rote Zahlen

Der Ex-Chef des Mischkonzerns Haniel, Jürgen Kluge, hat dem Unternehmen einen Verlust im dreistelligem Millionenbereich hinterlassen. Diesen Herausforderungen muss sich jetzt Kluges Nachfolger Stephan Gemkow stellen.

Der Duisburger Mischkonzern schreibt rote Zahlen. dpa

Der Duisburger Mischkonzern schreibt rote Zahlen.

DüsseldorfDer ehemalige Vorstandschef Jürgen Kluge hat dem Mischkonzern Haniel rote Zahlen hinterlassen. Der Duisburger Konzern, der unter anderem an dem Pharmahändler Celesio und dem Handelsriesen Metro beteiligt ist, schrieb nach den ersten sechs Monaten 2012 einen Verlust von 285 Millionen Euro, wie Haniel am Freitag mitteilte.

Vor Jahresfrist hatte noch ein Gewinn von 96 Millionen Euro in den Büchern gestanden. Auf Kluges Nachfolger Stephan Gemkow, der im August das Ruder übernommen hatte, kommen nun Herausforderungen zu. Denn für 2012 rechnet Haniel wegen Belastungen aus Beteiligungsverkäufen bei Celesio und voraussichtlich sinkender Ergebnisbeiträge durch die Metro insgesamt mit einem weiter schrumpfenden Gewinn vor Steuern.

Kluge hatte im Januar 2010 das Ruder bei dem traditionsreichen Familienkonzern übernommen - mit dem Versprechen, Haniel umzukrempeln. Er wollte den Mischkonzern durch Zukäufe auf Geschäfte mit guten Wachstumsaussichten ausrichten. Doch ein milliardenschwerer Schuldenberg machte Kluge zu schaffen - ebenso wie von öffentlichem Getöse begleitete Umbauten bei Metro und Celesio. Bei beiden Unternehmen wurden nach langen Machtkämpfen die Chefs ausgewechselt.

Bereits 2011 hatte Haniel bei einem stagnierenden Umsatz von 27,3 Milliarden Euro einen Einbruch beim Ergebnis vor Steuern verbucht - dieses halbierte sich fast auf 390 (620) Millionen Euro.

Im Handel brechen massenhaft Jobs weg

Kahlschlag

Zehntausende Arbeitsplätze stehen im Handel auf der Kippe. Schlecker-Pleite, Stellenabbau bei Karstadt und Metro und auch bei Neckermann.de geht es um viele Jobs. Hier eine Übersicht…

Wie ist die Lage bei Karstadt?

Der Warenhaus-Konzern will 2000 Arbeitsplätze streichen. Ende August läuft der Sanierungstarifvertrag bei Karstadt aus - damit steigen die Personalkosten für das Unternehmen. Außerdem dämpft die Euro-Krise die Kauflaune der Verbraucher. Bis Ende 2014 soll der Jobabbau über die Bühne gehen - möglichst sozialverträglich.

Wie viele Stellen kostet die Schlecker-Pleite?

Mit dem Ende der Drogeriemarktkette Schlecker brachen bislang etwa 25 000 Arbeitsplätze weg. Offen ist derzeit noch die Zukunft der gut 4000 Mitarbeiter zählenden Tochter Ihr Platz. Der Insolvenzverwalter ringt gegenwärtig noch um den Einstieg eines Investors bei Ihr Platz.

Wie viele Stellen stehen bei Neckermann auf der Kippe?

Beim Versandhändler Neckermann.de stehen 1380 Jobs auf der Streichliste des Managements. Der vom US-Finanzinvestor Sun Capital beherrschte Versandhändler hat insgesamt 2400 Arbeitsplätze. Neckermann.de will den Eigenhandel mit Textilien und das Frankfurter Zentrallager aufgeben. Das Kataloggeschäft war zuletzt so rapide eingebrochen, dass Erfolge aus dem Onlinehandel aufgezehrt wurden.

Wie umfangreich ist der Stellenabbau bei Metro?

Der größte deutsche Handelskonzern will mittelfristig 900 Stellen abbauen. Betroffen davon ist vor allem die Verwaltung. Auf der Verkaufsfläche soll das Personal nicht reduziert werden. Konzernchef Olaf Koch hatte vor wenigem Monaten angekündigt, etwa 100 Millionen Euro einsparen zu wollen.

Strikter Sparkurs nötig

Die Metro AG, zu der neben den Metro- Großhandelsmärkten für Gewerbetreibende auch die Elektronikketten Media Markt und Saturn, der Lebensmittelhändler Real sowie die Kaufhof-Warenhäuser gehören, ist aber schon seit etlichen Jahren auf einem strikten Sparkurs mit Stellenstreichungen.

Cordes machte den Anfang

Unter Kochs Vorgänger Eckhard Cordes wurde die Metro AG 2009 einem milliardenschweren Sparprogramm („Shape“) unterzogen, mit dem weltweit etwa 19 000 Arbeitsplätze gestrichen wurden. An anderer Stelle entstanden durch neue Märkte und Dienstleistungen ähnlich viele Jobs. Ende 2011 hatte Metro weltweit 281 000 Mitarbeiter.

Welche Hintergründe haben die Stellenstreichungen?

Die Handelskonzerne bieten unterschiedliche Sortimente und sind zumeist auch in unterschiedlichen Ländern aktiv. Hinzu kommen auch hausgemachte Probleme. Erklärtes Ziel des Managements ist in der Regel, die Kosten zu senken und die Strukturen im Unternehmen zu verbessern. Konzepte müssen häufig den veränderten Konsumgewohnheiten angepasst. Die Staatsschuldenkrise und eine hohe Arbeitslosigkeit in vielen Ländern Europas dämpfen aktuell die Konsumlust der Kunden.

Das „böse“ Internet

Ein großer, übergreifender Faktor im Handel ist das boomende Internetgeschäft. Immer mehr Menschen kaufen online ein. Damit nimmt der Preisdruck für die Läden zu. Nur wenige Bereiche wie der Lebensmittelhandel sind bisher kaum von diesem Trend betroffen.

Zeitenwende

Nach Einschätzung von Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub (Obi, Kik, Kaiser's Tengelmann) sind die Zeiten, in denen Läden wie Pilze aus dem Boden schossen, vorbei. Das verdeutlichten viele leerstehende Läden nach der Schlecker-Pleite. Neue Verkaufsflächen entstünden inzwischen vor allem im Internet mit den zahlreichen Online-Shops.

Der Pharmahändler Celesio, an dem Haniel mit knapp 55 Prozent beteiligt ist, hatte im Halbjahr hohe Verluste geschrieben. Von Januar bis Ende Juni fiel ein Minus von 184 Millionen Euro an. Der seit August 2011 amtierende Konzernchef Markus Pinger schlägt derzeit fast alle Firmen wieder los, die sein Vorgänger Fritz Oesterle in den Jahren zuvor geschluckt hatte. Für die meisten Zukäufe hatte Celesio seinerzeit hohe Preise gezahlt, die heute nicht mehr zu erzielen sind - deshalb musste Celesio Wertberichtigungen vornehmen, die auch Spuren in der Haniel-Bilanz hinterlassen.

Auch die zweite Großbeteiligung, der Handelsriese Metro, machte Haniel nur wenig Freude: Der Düsseldorfer Konzern schrieb im Halbjahr unter dem Strich einen Verlust. Der neue Metro-Chef Olaf Koch will die Umsätze des Konzerns ankurbeln und ihn künftig auch profitabler machen.

"Es gilt nun, die bereits begonnene strategische Neuausrichtung innerhalb der Gruppe konsequent fortzusetzen", betonte Gemkow, der von der Lufthansa zu Haniel gewechselt war. Zudem müsse Haniel die Schulden auf Holding-Ebene abbauen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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simplexus

31.08.2012, 16:51 Uhr

Vor ein paar Jahren war man noch auf dem hohen Ross. Mit DocMorris wollte man die deutsche Apothekenstruktur zerstören, dumm nur, dass das die eigenen Kunden waren, und es anders kam, als gedacht. Die Apothekerzunft hat man zwar fast erledigt, doch es war ein Pyrrhussieg, wie man jetzt sieht. Die Beute werden jetzt andere nach Hause bringen.

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