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18.01.2007

18:16 Uhr

Missernten und Bio-Sprit treiben Preise

Lebensmittel werden langsam teurer

VonIngo Reich

Für viele Nahrungs- und Genussmittel werden die Kunden wohl künftig tiefer in die Tasche greifen müssen. Die Gründe dafür liegen sowohl in den zahlreichen Missernten des vergangenen Jahres als auch in der stärkeren Verwendung landwirtschaftlicher Erzeugnisse für die Energieproduktion.

Entwicklung deutscher Agrarexporte in Mrd. Euro (Quelle Handelsblatt/Statistisches Bundesamt)

Entwicklung deutscher Agrarexporte in Mrd. Euro (Quelle Handelsblatt/Statistisches Bundesamt)

BERLIN. So stehen beispielsweise schon 13 Prozent der deutschen Ackerfläche für die Produktion von Bioenergie und nachwachsende Rohstoffe zur Verfügung – mit steigender Tendenz, wie der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, gestern bei der Auftaktpressekonferenz zur Internationalen Grünen Woche in Berlin berichtete.

Der Lebensmitteleinzelhandel wiegelt ab. „Wir können eine derartig dramatische Entwicklung bei den Rohstoffen noch nicht erkennen“, sagte eine Edeka-Sprecherin. Doch eine aktuelle Erhebung der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) hat ergeben, dass zwar punktuell Preissenkungen im Handel zu beobachten seien, langfristig aber mit höheren Preisen auf breiter Front zu rechnen sei.

Zuerst müssen sich nach einer miserablen Kartoffel-Ernte 2006 die Verbraucher in Deutschland auf einen Preisschub bei Pommes frites und Kartoffelchips einstellen. „Ich kann mich nicht erinnern, dass die Ernte jemals so schlecht war“, sagte Horst-Peter Karos, Geschäftsführer des Bundesverbandes der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK), einem Branchenblatt. Einige Landwirte hätten wegen großer Sommerhitze und mangelnden Regens fast die Hälfte ihrer Ernte verloren. Ein Großteil der Knollen habe zudem Qualitätsmängel, die sie für eine Weiterverarbeitung zu Pommes frites oder Chips ungeeignet machen. „In Deutschland droht eine Pommes-Krise“, hieß es.

„Bereits im Dezember seien die Preise für Industrie-Kartoffeln extrem hoch gewesen, und ein Ende der Preisspirale nach oben sei nicht absehbar. Dieser Auffassung schloss sich auf Nachfrage auch einer der führenden internationalen Kartoffelverwender im Tiefkühl-Bereich, der kanadische Nahrungsmittel-Konzern McCain, an. McCain beliefert auch McDonald’s, wobei nach Auskunft der US-Fast-Food-Kette aber über den derzeit noch laufenden Vertragszeitraum feste Lieferpreise vereinbart wurden. Trotzdem ist sich Jürgen Abraham, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), sicher: „Pommes frites werden teurer.“

Aber nicht nur Kartoffeln werden knapp. Wegen erheblicher Ernteeinbußen bei Braugerste hat bereits der größte deutsche Braukonzern, die zum Bielefelder Oetker-Imperium gehörende Radeberger Gruppe eine baldige Entscheidung über eine Preiserhöhung angekündigt. Weitere große deutsche Brauereien stehen bezüglich einer Preisanpassung nach oben ebenfalls in den Startlöchern.

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