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22.09.2015

06:21 Uhr

Missratene VW Passat-Vorstellung in USA

„Wir haben völlig versagt“

VonThomas Jahn

Es sollte ein rauschendes Fest werden. In New York stellte VW den neuen Passat vor. Aber auch ein Auftritt von Rockstar Lenny Kravitz konnte die Stimmung nicht auflockern. Top-Manager von VW erschienen erst gar nicht.

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New YorkDer Ort der Veranstaltung war ein Traum – das Duggal Greenhouse ist eine verglaste Halle in Brooklyn Navy Yard, dem ehemaligen Militärhafen von New York. Von der Terrasse aus blickt man auf das Lichtermeer von Manhattan, das sich schön im East River spiegelt. Auch spielte Rockstar Lenny Kravitz mit Sonnenbrille und Jeansjacke seine Hits wie „Fly Away“ oder „American Woman“ vor der auserlesenen Besucherschar.

Es hätte so schön werden können. Sekt, Häppchen und Technik: Volkswagen stellte seinen neuen 2016er Passat vor, ein wichtiges Fahrzeug für den US-Markt. Um richtig Aufmerksamkeit zu erzeugen, mietete der Autokonzern die Öko-Halle, eine Flotte von Fähren für die Gäste und natürlich Rocker Kravitz.

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Der Skandal wirft Fragen auf, deren Antworten man in der Wolfsburger Chefetage fürchten muss. Der VW-Chef hat nun genau zwei Möglichkeiten, die Krise zu meistern: Er muss radikal aufklären – oder abtreten. Eine Analyse.

Aber richtige Party-Stimmung kam nicht bei den Veranstaltern auf. Zu schwer lastet der Diesel-Skandal auf dem Unternehmen, der vor wenigen Tagen ans Tageslicht kam. Danach soll Volkswagen mit einer Software die Emissionswerte von fast einer halben Million Dieselfahrzeugen in den USA manipuliert haben.

Nur wenige Stunden vor Veranstaltungsbeginn leitete das US-Justizministerium strafrechtliche Schritte ein. Die Strafen könnten sich im schlimmsten Fall auf mehr als 18 Milliarden Dollar belaufen. Da erhält die Liedzeile von Kravitz’ „So many tears I have cried, so much pain inside“ in seinem Hit „It Ain’t Over Til It’s Over“ einen ganz neuen Sinn.

Den neuen Passat stellte US-Volkswagenchef Michael Horn vor, der sich bei den Zuschauern entschuldigte: „Wir haben völlig versagt“. Die USA seien „sehr wichtig“ für Volkswagen, daher wolle das Unternehmen „das Vertrauen der Amerikaner wieder gewinnen“ und „zahlen, was zu zahlen ist“.

Die Abgas-Tests in Deutschland und Europa

Die Vorgaben in Deutschland

Neue Modelle werden in Deutschland und der EU nach dem Modifizierten Neuen Fahrzyklus (MNEFZ) getestet. Die Tests laufen unter Laborbedingungen, das heißt auf einem Prüfstand mit Rollen. Dies soll die Ergebnisse vergleichbar machen. Der Test dauert etwa 20 Minuten und simuliert verschiedene Fahrsituationen wie Kaltstart, Beschleunigung oder Autobahn-Geschwindigkeiten.

Wer testet?

Getestet wird von Organisationen wie dem TÜV oder der DEKRA unter Beteiligung des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). Dieses untersteht wiederum dem Verkehrsministerium.

Kritik an Prüfung

Die Prüfungen der neuen Modelle werden von ADAC und Umweltverbänden seit längerem als unrealistisch kritisiert. So kann etwa die Batterie beim Test entladen werden und muss nicht - mit entsprechendem Sprit-Verbrauch - wieder auf alten Stand gebracht werden. Der Reifendruck kann erhöht und die Spureinstellungen der Räder verändert werden. Vermutet wird, dass etwa der Spritverbrauch im Alltag so häufig um rund ein Fünftel höher ist als im Test.

Weitere Prüfungen

Neben den Tests für neue Modelle gibt es laut ADAC zwei weitere Prüfvorgänge, die allerdings weitgehend in der Hand der Unternehmen selbst sind. So werde nach einigen Jahren der Test bei den Modellen wiederholt, um zu sehen, ob die Fahrzeuge noch so montiert werden, dass sie den bisherigen Angaben entsprechen, sagte ADAC-Experte Axel Knöfel. Zudem machten die Unternehmen auch Prüfungen von Gebrauchtwagen, sogenannte In-Use-Compliance. Die Tests liefen wieder unter den genannten Laborbedingungen. Die Ergebnisse würdem dann dem KBA mitgeteilt. Zur Kontrolle hatte dies der ADAC bei Autos bis 2012 auch selbst noch im Auftrag des Umweltbundesamtes gemacht, bis das Projekt eingestellt wurde. In Europa würden lediglich in Schweden von staatlicher Seite noch Gebrauchtwagen geprüft, sagte Knöfel.

Geplante neue Prüfmethode

Die EU hat auf die Kritik am bisherigen Verfahren reagiert und will ab 2017 ein neues, realistischeres Prüfszenario etablieren. Damit sollen auch wirklicher Verbrauch und Schadstoffausstoß gemessen werden ("Real Driving Emissions" - RDE). Strittig ist, inwiefern dafür die bisherigen Abgas-Höchstwerte angehoben werden, die sich noch auf den Rollen-Prüfstand beziehen.

Hoffnungen auf Neuigkeiten oder Erklärungen zum Abgas-Skandal erteilte die PR-Abteilung gleich im Vorfeld eine Absage. „Er wird die Präsentation geben und dann gehen“, sagte Jeannine Ginivan, Sprecherin der Volkswagen Group of America. „Wenn die Vorwürfe stimmen, sollte Volkswagen sie direkt angehen und Fragen nicht ausweichen“, kommentierte Brian Moody, Executive Editor beim Brancheninformationsdienst Autotrader.

Kommentare (37)

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Herr Rudi Rastlos

22.09.2015, 08:55 Uhr

Kein Hintern in der Hose und feige dazu.
So also sehen unsere Top-Manager aus.
Die Globalisierung hat auch zur Folge, dass die Gier nach schnellem Geld immer Vorfahrt hat.

Wenn jetzt auch Schaeffler an die Börse geht, na dann gute Nacht.

Im Sprüche klopfen und Politisieren sind die Damen und Herrn ja gut.
Management in so einem großen undurchsichtigen Unternehmen hat nichts mehr mit Kultur und Vorbild zu tun.
Schämt Euch und stellt Euch diesem selbst verursachten Elend !

Herr Patrick Müller

22.09.2015, 08:58 Uhr

Gestern habe ich in einer spanischen Zeitung einen Kommentar gelesen, der davon handelt, dass bei Zetsche und Co jetzt die Sektkorken knallen.
Ich denke das ist die Sache missverstanden, denn für die Amerikaner war und sind (hoffentlich) die Deutschen und seine Autobauer korrekte Frauen und Männer.
Auch habe ich schon oft (selbst in den Südstaaten) den Spruch vom "Best like German" gehört.
Vertrauen wird in den USA sehr geschätzt, deshalb sollten wir uns schnellst möglich rehabilitieren.

Herr Paul Oberste

22.09.2015, 09:02 Uhr

Wiko ist ei reiner Selbstdarsteller & Schwätzer. Weg mit dem Opa.

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