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15.11.2015

16:37 Uhr

Mitbestimmung bei Werkverträgen

Porschebetriebsrat setzt sich durch

Sie stehen im Fokus gewerkschaftlicher Kritik: Werkverträge in der Industrie. Beim Autobauer Porsche hat der Betriebsrat nun offenbar erreicht, dass er künftig bei dem Instrument ein Wörtchen mitreden darf.

Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der Porsche AG hat gut Lachen: Er hat sich mit seiner Forderung nach mehr Mitbestimmung durchgesetzt. ap

Uwe Hück

Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der Porsche AG hat gut Lachen: Er hat sich mit seiner Forderung nach mehr Mitbestimmung durchgesetzt.

StuttgartDer Betriebsrat des Autobauers Porsche darf nach eigener Darstellung künftig über die Auftragsvergabe an Fremdfirmen und damit über die oft strittigen Werkverträge mitentscheiden. Wie die „Stuttgart Zeitung“ (Montag) berichtet, hätten Betriebsräte und Firmenspitze eine Vereinbarung zur „sachbezogenen Mitbestimmung“ getroffen. Das Abkommen werde den Umgang mit Werkverträgen „enorm verändern“, sagte Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück der Zeitung. Sein Kollege Bernd Osterloh habe bei VW Ähnliches vor.

Auftragsvergaben an externe Firmen sind für Mitarbeitervertreter oft ein Ärgernis, schließlich wird durch solche Aufträge etwa zur Logistik oder Instandhaltung von Maschinen oft das hohe Gehaltsniveau der Stammbelegschaft umgangen. Er habe nicht prinzipiell etwas gegen Fremdvergaben, sagte Hück. „Aber wir wollen anständige Verträge haben - die Mitbestimmung darf nicht umgangen werden, und Menschen dürfen nicht von Subunternehmen ausgebeutet werden.“

Porsche Holding und VW – ein kompliziertes Verhältnis

Porsche und Volkswagen

Das Verhältnis zwischen Porsche und Volkswagen ist komplex. 2005 sicherte sich Porsche zunächst 20 Prozent der VW-Stammaktien und baute den Anteil in den Folgejahren sukzessive auf 50,73 Prozent aus. 2008 verkündete der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, den Anteil bei VW auf 75 Prozent aufstocken zu wollen. Doch kurze Zeit später musste der Sportwagenbauer seine Pläne begraben. Zu dem Zeitpunkt hatte Porsche 11,4 Milliarden Euro Schulden angehäuft.

Quelle: dpa

Die Porsche Automobil Holding SE

Die Porsche Automobil Holding SE wurde 2007 gegründet, um das Sportwagengeschäft der Porsche AG von der Beteiligungsverwaltung SE zu trennen. SE steht für Aktiengesellschaft auf Europaebene (Societas Europaea). Das operative Geschäft mit den Autos ist seither in der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG - kurz Porsche AG - gebündelt. Zunächst war die Porsche AG eine Tochter der Porsche Holding.

Der integrierte Konzern

Nach dem gescheiterten Übernahmeversuch einigten die Familien Porsche und Piëch sich darauf, einen integrierten Autokonzern zu bilden. Volkswagen übernahm Teile des Sportwagenbauers Porsche AG. 2012 wurde der Sportwagenbauer komplett an VW verkauft. Die Porsche-Holding wurde als VW-Mehrheitseigner das Dach des Gebildes.

Wer hat das Sagen?

Die auf der Hauptversammlung wichtigen, weil stimmberechtigten, Stammaktien der Porsche-Holding liegen seit dem Ausstieg des Emirats Katar allein in der Hand der Familien Porsche und Piëch. Die Vorzugsaktien halten institutionelle Anleger und Privatanleger.

Details zur Art und Weise der neuen Mitbestimmung bei Fremdvergaben wurden nicht bekannt. Die Vereinbarung gilt den Angaben zufolge vorerst für die Standorte Zuffenhausen und Weissach in der Region Stuttgart. Das Werk in Leipzig soll im ersten Halbjahr 2016 folgen.

Von

dpa

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